DMEA 2022: beeindruckender Spirit und kompetenter Austausch zur Gesundheits-IT

Lesedauer beträgt 2 Minuten
Autor: Michael Reiter

Welch eine tolle Stimmung! Die DMEA 2022 war die richtige Digital-Health-Veranstaltung zum richtigen Zeitpunkt – so lautete auch der Tenor einer Fazit-Diskussionsrunde am Stand des deutschen Bundesverbandes der Krankenhaus-IT-Leiterinnen und -Leiter (BvKHIT). Vertreter der Beratungsorganisation CETUS Health, des Datenhaltungs-Anbieters Better, des französischen Medtech-Daten-Integrators Enovacom und des Entlassmanagement-Portalspezialisten RECARE waren sich hier einig.

Zwei Jahre waren mit einer eher holprigen, auf online beschränkten DMEA verstrichen. Zwei Jahre, in denen insbesondere das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) mit seiner Milliardenförderung die Welt der Gesundheits-IT in Deutschland auf den Kopf stellte. Und die Erwartungen der Veranstalter erfüllten sich: Die Dynamik im Markt spiegelte sich in dem Erfolg des Berliner Vor-Ort-Events energiereich wider: Mehr als 11.000 Besucher:innen, über 500 Aussteller sowie 300 nationale und internationale Speaker verzeichnete die DMEA. Dies, so die Messe Berlin, sei ein Plus gegenüber der letzten Präsenzmesse vor der Pandemie.

Die Dynamik wird sich fortsetzen, so die Aussagen beim Panel, im Kongress und in den Hallen. Aufgrund der Verzögerungen bei den KHZG-Antragsbestätigungen werden sich Strategieformulierungen, Projektumsetzungen und Reifegradmessung sowie Sanktionierungsprüfung über einen verlängerten Zeitraum erstrecken. Auch die Realisierung der Telematikinfrastruktur mit elektronischer Patientenakte, Messaging-Leistungen & Co. wird die Akteure im deutschen Gesundheitswesen weiter begleiten. Die Themen in diesem großen Kontext behalten somit ihren Auftrieb.
Zur Vielfalt der Aspekte, die Leistungserbringer, Anbieter und Berater beschäftigen, zählen die Durchsetzung durchgängig digitaler Dokumentation, die Implementierung interoperabler Patientenakten und die Ermöglichung des barrierefreien Informationsflusses. Das Extrahieren von Wissen aus Daten aus bestehenden und neuen Quellen, etwa durch künstliche Intelligenz, ermöglicht die Zielerreichung bei Management, Verwaltung und Klinik. Ein innovatives Beispiel war hier der Einsatz von Spracherkennung mit Metadaten-Anreicherung und Textanalyse „on the fly“ zur Unterstützung der Abrechnung und klinischen Entscheidungsfindung.

Verschlankung und Absicherung klinischer und administrativer Prozesse, regionale Vernetzung der Versorgung und Ambulantisierung, verstärkter Einbezug der Patient:innen, Erweiterung von Präventionsangeboten – diese und viele weitere Reformziele sollen dank Digitalisierung realisiert werden. Dass dies auch künftig Teil des gesetzgeberischen Handlungsrahmens sein wird, wurde erst auf der DMEA deutlich. So unterstrich der deutsche Bundesgesundheitsminister bei der Eröffnung sein – vorher wenig erkennbares – Engagement und den Impuls, die zögerliche Umsetzung von Interoperabilität innerhalb der Anbieter-Community deutlich voranzutreiben. Wer über den Tellerrand blickt, erkennt hier erneut eine Anlehnung an US-Handlungsmuster: Dort sorgt seit einiger Zeit die „Information Blocking Rule“ für Sanktionen bei allen Akteuren, die den hürdenlosen Fluss von Patienteninformationen behindern. Eine Entwicklerschnittstelle (API) auf Basis des Standard FHIR bringt in den USA den Zwang mit sich, der die bisherigen Freiräume der Anbieter schließt.
Ob wohl auf der DMEA 2023 also auch ein Strategiegesetz für „real gelebte Interoperabilität“ zu diskutieren sein wird? Freiwillige Formate für diesen Austausch gibt es ja beispielsweise in Form der „Connectathons“ von IHE. „Eine deutlich stärkere Präsenz, ein intensiveres Involvement der Politik im Messe- und Kongressgeschehen über die Eröffnung hinaus“ wünschten sich jedenfalls die Vertreter des Fazit-Panels am BvKHIT-Stand. Dass die früher bereits gewollte Internationalisierung bei der DMEA inzwischen tatsächlich eintritt, begrüßten die Referenten ebenfalls – der Blick über die Landesgrenzen hinaus lohnt. Voneinander lernen, miteinander diskutieren … real statt online, das bringt den Fortschritt voran. Die DMEA-Teilnehmer freuen sich bereits jetzt auf „Life ist live“ erneut im kommenden Jahr.

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