DMEA 2022: Gesundheits-IT und die Politik

Lesedauer beträgt 3 Minuten
Autor: Michael Reiter

Kaum ein anderer Bereich des Gesundheitswesens war in den letzten Jahren stärker von neuern Rahmenbedingungen geprägt als die Gesundheits-IT. Mit einem Galopp an Gesetzen sorgte man in Berlin für Dynamik: Über 20 Vorgabenpakete beschleunigten den Fortschritt innerhalb und außerhalb der Krankenhäuser. Ihres enormen Einflusses wegen ist die Politik natürlich auch prominent auf der DMEA vertreten.

Rechte der Patient:innenen auf Einsicht in ihre digitalen Behandlungsdokumentation, Regelungen zum Schutz der Informations-/IT-Sicherheit und der persönlichen Daten, Anforderungen für den elektronischen Informationsfluss, elektronische Patientenakte (ePA), Rezept, Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung und vieles mehr: Krankenhäuser müssen sich dringend digital aufstellen. Gesundheits-Apps für Bürger:innen und Patient:innen sind ein zweites Aktionsfeld, in dem etwa das beschleunigte Zulassungsverfahren der DiGAs für Bewegung gesorgt hat. Auch wenn vieles in diesen Vorgaben im Wortlaut unscharf und unfertig erscheinen mochte, so nahm doch die Gesundheits-IT kräftig an Fahrt auf. Für Investitionsgelder sorgte das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG).

Wie geht es in Zeiten der Ampelkoalition weiter mit DiGA, KHZG, Patientendatenschutzgesetz & Co.? Transparenz will hier die DMEA schaffen, „Europas zentraler Treffpunkt in Sachen Digital Health“. Gespannt erwartete die Branche den Auftritt von Gesundheitsminister Dr. Karl Lauterbach, der bislang deutlich intensiver mit Corona-Themen von sich hören gemacht hatte als mit IT-Themen. Er hielt die Keynote beim DMEA-Opening. Neu im Amt als Bundesminister für Gesundheit – und er Schirmherr der Messe – gab sich Prof. Lauterbach erstaunt, dass die elektronische Patientenakte nach unzähligen Jahren noch immer nicht voll umgesetzt sei. Welchen Kraftakt der aktuelle Fortschritt im Kontext eines konfliktreichen Themengebietes erfordert hatte, kam nicht zur Sprache.

Der strategische Ausbau der Digitalisierung stelle die Grundvoraussetzung für die Modernisierung der Gesundheitsversorgung dar, sagte der Politiker. Er verstehe sich vor diesem Hintergrund auch als Digitalisierungsminister, ergänzte er. Bei allen Nachteilen und Leiden habe die Pandemie im Übrigen der Digitalisierung einen Schub erteilt – etwa im Kontext Video-Patientengespräche und Tele-Intensivmedizin, durch Warn-App und digitalen Impfnachweis.

Den Krankenhauszukunftsfonds lobte der Minister als Möglichmacher für Innovation, und die anstehende digitale Neuaufstellung der veralteten Gesundheitsämter erscheint ihm als weitere wichtige Perspektive. Alle Akteure der Koalition ziehen, so eine Aussage der Keynote, erfreulicherweise dabei an einem Strang.

Nicht nur Leistungserbringer, auch die Industrie will der Minister zu einer verstärkten Vernetzung bringen – mit einem strategischen Ansatz und mit der ePA im Mittelpunkt. So will er auch die Grundlage eines später an die Industrie zu richtenden Gesetzes liefern. Diesen Ansatz stellte Susanne Ozegowski vor, die seit April die Abteilung für Digitalisierung und Innovation im BMG leitet.

Auf der DMEA werden noch weitere Politikvertreter:innen von Rang erwartet – nicht nur aus dem deutschen Gesundheitsministerium, sondern auch aus dem Ausland. Finnland und Israel, die beide zu den Digitalisierungsvorreitern zählen, werden einen spannenden Blick über den Tellerrand bieten.  

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