med.Logistica 2022: Laborlogistik – sind Drohnen eine tragfähige Option?

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Autor: Mirjam Bauer

Logistik ist das Thema, um das sich alles auf dieser Kongressmesse dreht – und Kosteneinsparungen sind gefordert. So werden Drohnen schon seit einigen Jahren als schnelle und günstige Alternative für Transportprozesse zu medizinischem Zweck gesehen. Klinische Labore stehen dabei im Fokus. Denn sowohl Probenmaterial – Urin, Stuhl oder Blut – als auch Medizinprodukte wie Blutkonserven oder Plasma eignen sich aufgrund ihres geringen Gewichtes gut für den schnellen Versand durch die Luft. Doch in den DACH-Ländern hat sich diese Transportmethode bislang nicht durchgesetzt, obwohl es einige Testläufe gab. In den nordischen Ländern oder Afrika sind Drohnentransporte längst etabliert.

Hürden und Verordnungen erschweren die Umsetzung in Deutschland. So lässt beispielsweise der Großraum Frankfurt wenig Möglichkeiten für die Nutzung des Luftraums. Projekte auf Inseln scheiterten an zu starkem Wind oder zu großer Entfernung. Und laut Drohnenverordnung von 2017 ist der Einsatz von Drohnen im Umkreis von 100 Metern um Krankenhäuser untersagt; Sondergenehmigungen sind allerdings möglich.

Auf der med.Logistica stellten Laborleiter Dr. Otte aus Hamburg und Patrick Feurich, Flynex, ihr gemeinsames Projekt Medifly vor, mit dem sie den Herausforderungen Stau, Elbtunnelschließungen und Personalmangel begegnen wollen. Der Transport von Proben an vier Standorten erfolgt bislang mit Kraftfahrzeugen und soll mit Drohnen sicherer, schneller und zuverlässiger werden. Flynex schafft die Voraussetzungen, dass die Drohne rechtskonform im Luftraum agiert und den Betrieb an den Flughäfen bzw. Helikopterlandeplätzen an den Krankenhäusern nicht stört. Dazu hat das Unternehmen ein Softwaresystem zur einfachen Bedienung der Drohne entwickelt: Die Nutzer:innen brauchen das Fluggerät nur beladen und einen Startknopf drücken – und können sich dann wieder ihrer Arbeit widmen. Das Projekt steht kurz vor Beginn, sechs Monate hindurch sollen die Testläufe erfolgen.

Um Verbesserungen in der Laborlogistik ging es ebenso in einem Vortrag des Universitätsklinikums Leipzig. Dr. Anja Willenberg stellte den Probentransport mit vollautomatischer Probenbearbeitung vor, den das Laboratorium nach vierjähriger Planungsphase im Jahr 2020 umgesetzt hat – zeitweise mit Interimslabor während der Umbauzeit, da der 24/7-Betrieb durchgängig gewährleistet sein musste. Das neue Perianalytiksystem schafft es, gute Blutproben durch die gesamte Laboranalytik zu schleusen, ohne dass eine MTA händisch eingreifen muss. So gelingt es dem Labor, bei gleichem Personaleinsatz und steigender Probenzahl, die Routinediagnostik rund um die Uhr aufrecht zu erhalten.

Die Notfalldiagnostik hat in Leipzig einen großen Stellenwert, diese wurde durch das neue System deutlich verkürzt. Das Ergebnis eines Blutbilds kommt in acht Minuten zurück in die Zentrale Notfallaufnahme (ZNA), vorher betrug diese Zeit 35 Minuten. Auch die Stufen- und Batchdiagnostik läuft vereinfacht, weil diese aus bereits vorhandenen Proben automatisch durchgeführt wird, ohne dass das Personal hier eingreifen muss. Daneben reduzierten sich sowohl die Verwechslungsgefahr aufgrund der menschlichen Fehlerkomponente als auch die Ansteckungsgefahr bei infektiösem Material. Die Direktanbindung an die ZNA erfolgt über das Druckluftsystem Tempus 600. Es transportiert die Proben mit hoher Geschwindigkeit in 60 Sekunden ins Labor, ist unempfindlich und einfach bedienbar. Der Platzbedarf ist gering und im Gegensatz zur klassischen Rohrpost sind keine Versandbüchsen nötig. Labor und ZNA profitieren von einem vollautomatisierten Prozess zwischen Probenversand und Befundausgabe sowie einer vollständigen Prozessüberwachung.

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