Der Qualitätskongress

Lesedauer beträgt 5 Minuten
Autor: Roland Schaffler

Frische Eindrücke eines reifenden Chefredakteurs

Vorträge handeln natürlich immer von einem selbst. Das gilt für den Sprecher wie für seine Zuhörer. Drei Arten von Sprechern ist dabei zu lauschen. Die erste spricht über die Anderen, über das noch Fehlende, das Geplante, bewertet und analysiert: weiß es besser. Die zweite spricht über das Getane, über sich und die Seinen, schätzt wert und synthetisiert: weiß sich besser. Aus der Natur der Sache vermischen sich bei einer dritten Art von Sprechern beide erstgenannten. Das hat den Vorteil, dass sich jeder selbst dieser sympathischen Sprecherart zuordnen kann: geht nicht besser. Ein hilfreicher Ausweg für uns beide, den Leser und den Schreiber.

Vor die selbstgewählte Aufgabe gestellt, über einen Kongress des Verlages der selbst redigierten QUALITAS zu berichten und dabei nicht zu verzagen, ob der Verantwortung für das rechte Wort, ob der an den Tag zu legenden Gerechtigkeit den präsentierten Inhalten und deren Präsentatoren gegenüber, ob der Exklusivität des intelligenten und bestens informierten Publikums, ob der Prominenz und Bedeutung seiner Sprecher und Moderatoren, ist keine Kunst; jedenfalls keine, die ich beherrsche.

Versuch über einen Kongressbericht

Dieser 12. Österreichische Gesundheitswirtschaftskongress am 2. und 3. Juni 2022 in Wien hat es mir angetan. Seine Vorträge in Bild und Film für jeden, der will (man browse www.gesundheitswirtschaft.at!), seine Vortragsunterlagen für jeden Teilnehmer mit Zugangscode und die Partnerschaften, neuen Projekte, Freundschaften und Ideen, die er befördert hat, lassen ihn nachwirken. Ein ganzes Jahr Kongress im besten Fall.
Interessiert, offen und gesprächig war die Stimmung. Die Inhalte gut vorbereitet im Brennglas der bewegten Zukunft nach den Erfahrungen mit einem pandemisch beeinflussten Gesundheitssystem. Österreichisch war er, sehr österreichisch; weniger des kaum wahrgenommen Jammerns wegen, mehr der Themen und der Mischung der vielen Sprecher und noch viel mehr der Zuhörer wegen.

Und gut war es, dass er erstmals zweitägig geführt war; allein der Abendveranstaltung wegen: genug Zeit zum Reden und Zuhören. „Upgedated“ oder „Geupdated“ sind wir alle dann heimgefahren; wissend, was es Neues gibt bei den und für die Menschen, die das Gesundheitswesen mit ausmachen, steuern und gestalten. Kaum einer war zufrieden, fast alle begeistert.

Clemens Auer hat mit seinem Eröffnungsvortrag am zweiten Tag seines Ruhestands für Inspiration gesorgt, die lange nachgewirkt hat und oft zitiert wurde in den Panels und Sessions, die ihm gefolgt sind. Dass der Gesundheitsminister selbst für das offizielle Österreich eröffnet hat, war mehr als die Reverenz an diesen Wiener Kongress und seine Menschen, es war auch ein Ausblick auf das, was wir von ihm erwarten dürfen, seine gut vorbereiteten Worte mehr als Schall und Rauch.

Die geniale Klammer ganz am Schluss für diesen inhaltsschweren und begegnungsfrohen Kongress, Michael Köhlmeier, hat den Saal gerockt. Mit seiner Geschichte des Asklepios, vorgetragen in der nur ihm eigenen leichten und zugleich packenden Erzählkunst. Griechische Mythologie mit dem Charme der Bindung an uns Publikum und unsere Gegenwart. Geschichte als Geschichte – geht nur mit ganz viel Herz und noch mehr Hirn.

Versuch über Gesundheitswirtschaft

Wenn Asklepios als eindeutig zuständiger Gott für die Heilkunst erwähnt ist, dann ist es auch an der Zeit, die drei changierenden Begriffe Gesundheitswesen, Gesundheitssystem und Gesundheitswirtschaft zu ordnen. Das eine kann als Teil des anderen gelten. Regionale Auffassungen divergieren. Es kann öffentlich oder privat funktionieren und auch unterschiedlich finanziert sein. Die Mischungen herrschen vor. Unbestritten machen die drei miteinander gut 10% des österreichischen Bruttoinlandsproduktes aus. Wenn man die touristischen Teilgebiete, die Vorsorge, die Überschneidungen mit dem Sozialwesen, F&E und alternative Anwendungen mitnimmt, kann man leicht auch auf 15% kommen.

Gesundheitswirtschaft im Sinne des Miteinanders aller wurde auf diesem Gesundheitswirtschaftskongress greifbar: mit gesundheitswesentlichen Menschen, die führen und entscheiden, aus dem gesamtem Gesundheitssystem, die Nutzen für das Land, seine Bevölkerung und seine Gesundheitswirtschaft stiften.

Das Eine kann nicht ohne das Andere. Health Professionals arbeiten in allen drei Bereichen. Daraus einen zu machen ist bereits geschehen, nur die Worte fehlen uns noch dafür. Wir nennen ihn vorerst in guter Kongresstradition „österreichische Gesundheitswirtschaft“.

Versuch über Qualität

Als QUALITAS-Schreiber kann ich die Auswahl einer Session über Qualität und Patientensicherheit argumentieren und zugleich allen die Angst nehmen, hier noch weiter zu extemporieren. Nur eine Träne muss ich davor noch teilen.

Werner Leodolter, früherer KAGES-Chef und zuletzt KAGES-CIO, hat mir am Kongress erzählt, dass er bis September noch sein Büro in der Zentrale hätte und dann in Pension ginge. „Komm mich im Sommer doch noch im Büro besuchen, vielleicht fällt uns etwas ein, was wir zusammen machen könnten!“ An Ruhestand hatte er eindeutig nicht gedacht.
Werner Leodolter hat auf diesem Kongress seinen wohl letzten Vortrag auf seiner letzten Folie mit der Aufforderung beendet: „An die Vielzahl der Verantwortlichen und Interessensträger im österreichischen Gesundheitswesen: Bitte nicht bremsen, das kann auch wehtun, wenn der Schwung schon da ist!“ Werner Leodolter ist zwei Wochen danach in seinem Urlaub auf Island bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen.

Auf später wird nichts mehr verschoben. Zurück ins Leben und zurück zum Thema Qualität. Eine Session wie gemacht für QUALITAS-Leser bereite ich für alle Daheimgebliebenen gleich auf. „Safety first! Wo sind die Fortschritte? PatientInnen- und MitarbeiterInnen-Sicherheit.“ war ihr Titel. Unter diesem hat sich die bunte Mischung von Themen der Patientensicherheit versammelt, die auch in den Beiträgen der QUALITAS immer wieder sichtbar wird.

Bettina Koch aus dem Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Wien gab einen strukturierten Einblick in ihre Arbeit im Klinisches Risikomanagement und Patientensicherheit, als Mediatorin im Konfliktmanagement und im Beschwerdemanagement. Die Änderungen der Schwerpunkte ihrer Aufgabe vor, während und nach den pandemischen Maßnahmen standen im Zentrum ihres Vortrags.
Ojan Assadian als Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Krankenhaushygiene und ärztlicher Direktor des Landesklinikums Wiener Neustadt, erläuterte als damit seltener praktisch verantwortlicher Experte die Maßnahmen im organisatorischen Bereich, die den Betrieb eines Großspitals während der Pandemie ermöglicht haben. Eine Betrachtung der COVID-19-Problematik als nosokomiale Infektion und die Lessons Learned daraus.

Martina Amon, in der Oberösterreichischen Gesundheitsholding in der Koordination der Arbeits- und Organisationspsychologie tätig, zeigte die praktischen Wege von der Belastung zur Entlastung des Klinikpersonals auf. Ein Vortrag auch über die Lessons Learned für die Begleitung der Menschen als wichtigste Ressource in einem modernen Gesundheitsbetrieb.

Alle Vortragsunterlagen, Bilder und Videos stehen für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Kongress hier bereit!

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