ChatGPT bei Diagnose in der Notaufnahme so gut wie Ärzte

Lesedauer beträgt 3 Minuten
Autor: Scho

Obwohl das KI-Textprogramm ChatGPT nicht auf Medizin spezialisiert ist, stellt es laut einer neuen Studie bei Patienten in der Notaufnahme mindestens genauso korrekte Diagnosen wie die Ärzte. Nach Angaben der niederländischen Studienautoren übertraf der Chatbot, der Künstliche Intelligenz (KI) einsetzt, in einigen Fällen sogar die Arbeit der Ärzte – war aber gleichwohl fehleranfällig.

Für ihre Studie untersuchten die Forscher 30 Fälle von Patienten, die im vergangenen Jahr in einer niederländischen Notaufnahme behandelt worden waren. Sie fütterten ChatGPT mit den anonymisierte Patientendaten, Labortests und den Beobachtungen der Ärzte und baten den Chatbot, fünf mögliche Diagnosen zu stellen. Diese verglichen sie dann mit der Diagnoseliste der Ärzte und glichen sie schließlich mit der jeweils richtigen Diagnose ab.

Bei den Ärzten fand sich die richtige Diagnose in 87 Prozent der Fälle unter den fünf Vorschlägen, bei der ChatGPT-Version 3.5 sogar in 97 Prozent der Fälle. „Einfach ausgedrückt bedeutet dies, dass ChatGPT in der Lage war, medizinische Diagnosen vorzuschlagen, ähnlich wie es ein menschlicher Arzt tun würde“, sagte der Notfallmediziner Hidde ten Berg vom Jeroen-Bosch-Krankenhaus in ’s- Hertogenbosch.

Oft „medizinisch wenig plausibel oder widersprüchlich“

Wie auf anderen Gebieten auch, zeigte der Chatbot aber auch einige Schwächen. Manchmal sei die Argumentation des Chatbots „medizinisch wenig plausibel oder widersprüchlich gewesen“, hieß es in der Studie. Dies könne zu „Fehlinformationen oder Fehldiagnosen“ führen – mit entsprechend schwerwiegenden Auswirkungen. Gleichzeitig räumten die Wissenschafter ein, dass die Zahl der untersuchten Fälle sehr niedrig sei. Zudem seien nur einfache Fälle untersucht worden, in denen der Patient nur über ein Hauptproblem geklagt habe.

Die Studie bedeute nicht, dass Computer eines Tages die Leitung der Notaufnahme übernehmen könnten, sagte Mitautor Steef Kurstjens der Nachrichtenagentur AFP. Doch könne Künstliche Intelligenz unter Druck stehende Ärzte bei der Diagnose unterstützen – etwa indem sie „Ideen liefern kann, an die der Arzt nicht gedacht hat“. KI habe das „Potenzial, Zeit zu sparen und damit die Wartezeiten in der Notaufnahme zu verkürzen“, sagte ten Berg.

Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „Annals of Emergency Medicine“ veröffentlicht. Ihre Ergebnisse sollen in der kommenden Woche auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Notfallmedizin (Eusem) in Barcelona vorgestellt werden.

Die Fachpublikation finden Sie hier.

(APA/ag/red.)

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

REHAB 2022: Die Messe im Überblick

REHAB 2022: Die Messe im Überblick

Am 23. Juni öffnet die REHAB Karlsruhe als eine der weltweit bedeutendsten Fachmessen für Rehabilitation, Therapie, Pflege und Inklusion wieder ihre Tore. Nach der Corona-bedingten Pause kommen rund 350 Ausstellende aus 18 Ländern nach Karlsruhe.

Streit über Beatmungsgeräte – Philips einigt sich mit Teil der Kläger

Streit über Beatmungsgeräte – Philips einigt sich mit Teil der Kläger

Bereits im ersten Quartal hatte der Konzern für die Rechtsstreitigkeiten in den USA 575 Millionen Euro zurückgelegt. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg nun berichtete, belaufen sich die Vergleichszahlungen auf mindestens 479 Mio. Dollar (446 Mio. Euro).

Nierensteinfragmente mit Hydrogel entfernen

Nierensteinfragmente mit Hydrogel entfernen

Nierensteine werden oftmals durch einen endoskopischen Eingriff entfernt. Ist ein Stein hierbei zu groß, wird er per Laser zertrümmert. Die dabei anfallenden größeren Bruchstücke lassen sich mit einem Greifer entfernen, die kleineren Fragmente jedoch nicht. Sie verbleiben in der Niere in der Hoffnung, dass sie auf natürlichem Weg abgehen.