Neue Schlankmacher wirken gegen neurologische Komplikationen

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Autor: Scho

International sorgen neue Abnehmmedikamente, die GLP-1-Rezeptoragonisten, auch in der breiten Öffentlichkeit für Aufsehen. Wie sehr sich ihr Effekt auf andere – in diesem Fall neurologische Komplikationen – bei Adipösen auswirkt, haben Wissenschafter der MedUni Wien in einer Pilotstudie gezeigt. Adipositas-bedingte Kopfschmerzattacken reduzierten sich stark. Der Gewichtsverlust betrug im Mittel minus zwölf Prozent.

Adipositas, definiert mit einem Body-Mass-Index von mehr als 30, ist mit einem teilweise drastisch erhöhten Risiko für Folgeerkrankungen verbunden. Dazu gehören vor allem Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und andere Langzeitkomplikationen. Vor allem bei schwer übergewichtigen Frauen im gebärfähigen Alter kann das aber auch eine Erhöhung des Drucks im Schädel (Idiopathische intrakraniale Hypertension/IIH) mit häufigen Kopfschmerzattacken und Schädigungen des Sehvermögens sein.

Bei diesen Problemen sei ein „anhaltender Gewichtsverlust der Hauptpfeiler, um dieses Krankheitsbild zu beeinflussen“, schrieb jetzt eine Autorengruppe um den IIH-Spezialisten Gabriel Bsteh von der Wiener Universitätsklinik für Neurologie (MedUni/AKH) im „Journal of Headache and Pain“. Damit könnte auch der Einsatz der ursprünglich für die Behandlung von Typ-2-Diabetes entwickelten Medikament eventuell eine Wirkung haben, lautete die Hypothese der Wissenschafter.

Abnahme von Gewicht und Kopfschmerzen

In die Pilotstudie wurden insgesamt 39 Patienten mit der neurologischen Komplikation von Adipositas aufgenommen. Das mittlere Alter betrug 33,6 Jahre, 92,3 Prozent waren Frauen. Der mittlere BMI-Wert lag bei 36,3. 13 der Probanden erhielten schließlich eine Behandlung mit den regelmäßig unter die Haut injizierbaren GLP-1-Rezeptoragonisten (Semaglutid oder Liraglutid), die übrigen Studienteilnehmer sollten auf herkömmlichem Weg möglichst stark abnehmen.

Das Ergebnis: Die Probanden in der Gruppe, welche die neuen Medikamente erhielt, zeigte einen Gewichtsverlust von minus zwölf Prozent innerhalb eines halben Jahres. In der Kontrollgruppe nahmen die Teilnehmer nur 2,8 Prozent ihres Ausgangsgewichts ab. Mehr als zehn Prozent Körpergewicht verloren 69,2 Prozent der mit den Medikamenten Behandelten – im Vergleich zu nur vier Prozent aus der Kontrollgruppe. Gleichzeitig verbesserte sich aber auch die Situation rund um die monatlich registrierten Tage mit Kopfschmerzen deutlich: Die Probanden unter der medikamentösen Abnehmtherapie gaben im Mittel minus vier Tage mit Beschwerden an, in der Vergleichsgruppe kam es zu keiner Änderung.

Erfolg beim Abnehmen und auch eine Besserung bei gesundheitlichen Folgeproblemen, in diesem Fall bei neurologischen Komplikationen, könnten damit durch die neuen Therapien erzielt werden. Bereits im Jahr 2020 hat beispielsweise eine klinische Studie ergeben, dass Diabetiker unter einer Behandlung mit Liraglutid um rund 15 Prozent seltener einen Herzinfarkt oder ein ähnlich schweres akutes Herz-Kreislauf-Problem erlitten als eine Vergleichsgruppe ohne eine solche Behandlung. Plausibel wäre das eventuell auch für Adipöse mit einem hohen Herz-Kreislauf-Risiko, aber ohne Diabetes. Das dürfte sich aber erst mit der Zeit beweisen lassen.

Derzeit untersucht die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) allerdings, ob Substanzen wie Semaglutid oder Liraglutid bei Behandelten vermehrt zu suizidalen Gedanken oder Fällen von Selbstverletzung führen könnten. Hier steht ein Urteil nach rund 150 Berichten über solche Beobachtungen noch aus. Ein Hype um solche Medikamente sollte jedenfalls vermieden werden.

Die Fachpublikation finden Sie hier.

(APA/red.)

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