„Daten aus einer Hand“ – Der Weg zur Überwindung der Fragmentierung im österreichischen Gesundheitswesen

Lesedauer beträgt 4 Minuten
Autor: Günter Schreier
Diese Serie erscheint in Kooperation mit:

Wie die Forderung nach „Finanzierung aus einer Hand“ im österreichischen Gesundheitssektor zeigt, ist es ebenso entscheidend, die Initiative „Daten aus einer Hand“ zu verfolgen, um der Fragmentierung entgegenzuwirken. Diese Zersplitterung behindert dringend benötigte Entwicklungen, insbesondere Innovationen, die eine Verschiebung von Leistungen zwischen ambulantem und stationärem Sektor vorsehen. Diese führt zu Ineffizienzen und erschwert die Einführung von integrierten Versorgungsmodellen, die eine nahtlose Patient:innenversorgung über verschiedene Gesundheitsdienstleister hinweg ermöglichen würden. Darüber hinaus beeinträchtigt es den schnellen und vollständigen Austausch von Gesundheitsdaten, was für eine effektive, patientenzentrierte Versorgung unabdingbar ist. Die Initiative „Daten aus einer Hand“ ist daher von entscheidender Bedeutung, um diese Herausforderungen zu bewältigen und ein kohärentes, effizienteres Gesundheitssystem zu schaffen.

ELGA als Lösungsansatz

Das elektronische Gesundheitsaktensystem ELGA bietet einen skalierbaren und durchgängigen Ansatz zur Überwindung dieser Datenfragmentierung. Es dient als Plattform für den effizienten Datenaustausch über verschiedene Gesundheitssektoren hinweg. Zum Beispiel hat ELGA bereits in mehreren Pilotprojekten gezeigt, wie der Datenaustausch zwischen Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzt:innen optimiert werden kann, was zu einer verbesserten Patient:innenversorgung und effizienteren Abläufen führte.

Zukunftsorientierte Strategien

Die Bedeutung von „Daten aus einer Hand“ wird besonders deutlich, wenn es um die Integration von Daten aus verschiedenen Quellen geht – von Krankenhäusern bis hin zu Wearables. Diese Integration ist entscheidend für patientenzentrierte Dokumentationsintegrität und bildet die Grundlage für datengetriebene Forschung und KI-Entwicklung. Der „Europäische Gesundheitsdatenraum“ greift genau diese Aspekte auf, indem er sowohl die Primärnutzung für die Versorgung als auch die Sekundärnutzung für die Forschung fokussiert – mehr zum Thema hier.

Gemeinsam an Lösungen für eine integrierte, digitale Gesundheitsversorgung zu arbeiten

Es ist nun an der Zeit, das Potenzial von ELGA vollständig auszuschöpfen und die Forschung auf diesem Gebiet weiter voranzutreiben. Eine effiziente, zentralisierte Datenverwaltung ist unerlässlich, um die Herausforderungen einer modernen, vernetzten Medizin zu meistern. Um dieser Entwicklung Richtung zu geben, wird das Motto „Daten aus einer Hand“ im Mittelpunkt der nächsten dHealth Tagung stehen, die vom 7. bis 8. Mai 2024 im Tagungszentrum Schloss Schönbrunn stattfindet. Diese Tagung bietet eine Plattform für Expert:innen und Interessierte, um sich über die neuesten Entwicklungen auszutauschen und gemeinsam an Lösungen für eine integrierte, digitale Gesundheitsversorgung zu arbeiten.
Mehr Infos unter: www.dhealth.at

Günter Schreier, Senior Scientist
Competence Unit Digital Health Information Systems, Center for Health and Bioresources
AIT Austrian Institute of Technology

Günter Schreier ist Absolvent der Technischen Universität Graz mit einem Schwerpunkt in Biomedizintechnik, wo er 1991 seinen Abschluss machte, 1996 promovierte und 2008 seine Habilitation in „Biomedizinischer Informatik“ erhielt. Er unterrichtet an verschiedenen Universitäten und ist Senior Scientist und Deputy Head of Competence Unit Digital Health Information Systems am Center for Health and Bioresources des AIT Austrian Institute of Technology. Er engagiert sich in mehreren wissenschaftlichen Gesellschaften, unter anderem als Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Biomedizinische Gesellschaft ÖGBMT, und hat 2007 die jährlichen wissenschaftlichen dHealth-Tagung in Wien ins Leben gerufen, DER Konferenz für digital Health in Österreich.

Weitere Blogbeiträge dieser Institution:

Der Europäische Gesundheitsdatenraum (European Health Data Space, EHDS) ist ein Konzept, das von der Europäischen Kommission vorgeschlagen wurde, um die Verwendung und den Austausch von Gesundheitsdaten innerhalb der EU zu fördern. Ein Entwurf für eine zugrundeliegende Verordnung wurde im vergangenen Jahr vorgelegt und wird aktuell auf EU Ebene und in den Mitgliedsstaaten diskutiert.

Fast die Hälfte aller Menschen in Österreich leidet unter hohem Blutdruck, nicht einmal der Hälfte von ihnen ist das auch bewusst. Ein dauerhaft erhöhter Blutdruck kann die Blutgefäße schädigen und Folgeerkrankungen begünstigen. Neben Medikamenten könnten auch Bewegung, Ernährung und Suchtmittel erheblichen Einfluss auf den Blutdruck haben, aber auch durch Atmung kann dieser gezielt positiv beeinflusst werden – um diesen Effekt zu Nutzen haben die Expert:innen am AIT ein Wearable entwickelt und die Wirksamkeit in einer Studie belegt.

Die Pulswellenanalyse gewinnt zunehmend an Bedeutung in der Behandlung der arteriellen Hypertonie gemäß den aktuellen Behandlungsrichtlinien. Diese innovative Methode erlaubt es, bisher vernachlässigte Informationen über die Pulswelle zu gewinnen und individuelle Therapieansätze zu entwickeln.