DMEA 2022: Frauen braucht die Branche

Lesedauer beträgt 2 Minuten
Autor: Mirjam Bauer

Mit weiblicher Expertise läuft es besser

Ein frühes Frühstück für die führenden Frauen der Branche: Am Donnerstagmorgen trafen sich um 8:30 Uhr in der Messe Berlin fast 20 Expertinnen aus verschiedensten Bereichen. Eingeladen wurde über #Shehealth – darunter verbirgt sich ein zentrales Thema, das Dr. Sylvia Thun, Professorin an der Charité in Berlin und Leiterin der Core Facility Digitale Medizin und Interoperabilität am Berlin Institut of Health (BIH), sehr am Herzen liegt. Sie setzt sich ein für die Sichtbarkeit des weiblichen Geschlechts in der Gesundheits-IT, die Förderung von Frauen in Führungspositionen und eine gerechte Bezahlung. „Das Gender Pay Gap in der Medizin zwischen Ärzten und Ärztinnen beträgt rund 40 Prozent“, beschreibt Thun eine Erhebung aus dem Jahr 2021. Dieser Wert sei seit 2017 sogar noch gestiegen. Daneben möchte sie mit Shehealth erreichen, dass die Vortragenden auf Veranstaltungen ausgeglichen divers besetzt werden – unter dem Slogan „mehr Frauen auf Podien“.

Shehealth ist unabhängig und kein Verein. Weder eine Angliederung an andere Organisationen noch ein finanzielles Interesse sind vorgesehen. Der lockere Zusammenschluss von Frauen fokussiert auf Treffen, Networking und Austausch. Die gleichnamige Gruppe auf LinkedIn umfasst mittlerweile 616 Frauen nicht nur aus Deutschland und ist damit die zweitgrößte Gruppe von Frauen im Gesundheitswesen auf der Plattform, direkt nach dem Ärztinnenbund. Entstanden ist die Gruppe auf der Medica im Jahr 2015, sie trifft sich mehrmals im Jahr auf wichtigen Digital-Health-Veranstaltungen. Dazu gehören die Jahrestagung der GMDS, die Medica und die DMEA, es gibt auch kleinere Treffen auf lokalen Events in Berlin oder Nordrhein-Westfalen – mit der Möglichkeit zur Erweiterung.

Digitalisierung ist ein weiteres strategisches Thema dieses Zusammenschlusses. Aus den vielfältigen Treffen und der gebündelten weiblichen Expertise sind mittlerweile eine Webseite und ein Buch mit dem Titel „Frauen in der digitalen Zukunft der Medizin und Gesundheitswirtschaft“ entstanden. Tatsächlich hat es einen wichtigen Change in der Kommunikation gegeben: im letzten Jahr sind neben der gendergerechten Sprache in verschiedenen deutschen Gesundheitsmedien spannende neue Reihen mit Shehealth- und Gender-Themen gestartet. Erst kürzlich reagierte der Verlag Springer Medizin und nannte zahlreiche seiner Medien gendergerecht um.

So fand am heutigen, letzten Messetag ein wichtiges Panel zum Engagement und den Erfolgen von Frauen statt. Um 13:30 Uhr geht es unter anderem darum, wie Frauen beispielsweise in der Patient Journey berücksichtigt werden sollen. Moderatorin Inga Bergen, Prof. Thun und fünf weitere Expertinnen sprechen über die Zukunft der Medizin und wie sie Bezug auf weibliche Bedürfnisse nimmt.

Prof. Thun macht sich seit Jahren für die Standardisierung stark. Sie vermittelte auf der DMEA den Stand der Digitalisierung im Gesundheitswesen und den Einsatz von Reifegradmodellen als unternehmensstrategisches Instrument. Auch Dr. Christine Haas, Referentin beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), widmet sich am Mittwoch wichtigen Fragen zur Systemized Nomenclature of Medicine Clinical Terms (SNOMED CT). Solche Standards helfen, elektronische Patientenakten für die Forschung nutzbar zu machen und medizinische Daten besser zu erfassen.

Die Interoperabilität als eines der wichtigsten Leitthemen der Messe bestätigen führende Industrievertreter:innen. Ferner standen Themen wie Patientenportale und -sicherheit, digitale Leistungserfassung, eHealth Services und Pflegedokumentation im Mittelpunkt.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Nachgefragt beim Radio-Onkologen Prof. Dr. Falk Röder
Interview

Nachgefragt beim Radio-Onkologen Prof. Dr. Falk Röder

In unserer neuen Rubrik „Nachgefragt“ bitten wir angesehene Ärzt:innen sowie Führungspersönlichkeiten aus dem Gesundheitswesen zum Interview. Den Auftakt macht der neue Vorstand der Uniklinik für Radiotherapie und Radio-Onkologie am Uniklinikum Salzburg.

App hilft bei Einschätzung des Verletzungsrisikos im Profifußball

App hilft bei Einschätzung des Verletzungsrisikos im Profifußball

Die engmaschige Beobachtung soll sicherstellen, dass die Spitzensportler ihre Leistung abrufen können, ohne durch sich anhäufende Regenerationsdefizite ein erhöhtes Risiko für Verletzungen zu haben.

Zum Nachsehen: Die Videos vom 13. Österreichischen Gesundheits[shy]wirtschafts[shy]kongress 2023

Zum Nachsehen: Die Videos vom 13. Österreichischen Gesundheits­wirtschafts­kongress 2023

Schauen Sie in die Zukunft des heimischen Gesundheitswesens und der Gesundheitspolitik mit unseren Kongress-Videos. Es erwarten Sie hochinteressante Vorträge und Podiumsdiskussionen.