Dramatische Situation bei Versorgung mit Kassen-Kinderärztinnen und -ärzten

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Autor: Scho

Die Ankündigung des Gesundheitsministeriums, analog zu allgemeinmedizinischen Primärversorgungseinheiten (PVE) mit Kassenvertrag diese Möglichkeit auch für Fachärztinnen und -ärzte zu eröffnen, wird von der Ärztekammer begrüßt. „Gerade etwa bei der Versorgung der Bevölkerung mit genügend Kassenärztinnen und -ärzten im Bereich der Kinder- und Jugendheilkunde haben wir seit Jahren Probleme. Österreichweit sind 15 Prozent aller Kassenstellen von Kinderärztinnen und -ärzten nicht besetzt“, betont Johannes Steinhart, Obmann der Kurie niedergelassene Ärzte und Vizepräsident der Ärztekammer für Wien. ****

Die Bundeshauptstadt selbst ist in diesem Fachgebiet noch stärker unterversorgt: Hatte Wien im Jahr 2010 noch 91 Ärztinnen und Ärzte mit Kassenvertrag im Fach Kinder- und Jugendheilkunde, so sind es jetzt nur mehr 71. Steinhart: „Ein Rückgang um 20 Kassenordinationen bei einer gestiegenen Bevölkerungszahl von 200.000 Menschen – das entspricht Linz – ist dramatisch und schreit förmlich nach Handlungsbedarf. In einigen Wiener Bezirken gibt es nur mehr einen einzigen Kassen-Kinderarzt. Das ist für eine Zweimillionen-Metropole eindeutig zu wenig.“

Versorgung schöngeredet

In diesem Zusammenhang übt die Ärztekammer auch massive Kritik an der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), die in öffentlichen Statements die kinderärztliche Versorgung in Wien schönrede. Tatsache sei vielmehr, dass Kassenordinationen nach Pensionierungen oft nicht nachbesetzt werden können. Das liege unter anderem auch daran, dass die Kassenhonorare für Kinderärztinnen und -ärzte im Vergleich zu anderen Fächern schlechter seien. Die zögerlichen Bemühungen der ÖGK, dies Honorare ein wenig anzugleichen, hätten bisher noch keine Effekte gezeigt. Steinhart: „Die Honorare für Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen beispielsweise wurden seit 1994 nicht einmal der Inflation angepasst. Die ÖGK soll mir eine andere Berufsgruppe nennen, die seit 28 Jahren keine Honoraranpassungen erhält, aber trotzdem im Dienst der Allgemeinheit weiterarbeitet.“

Ein zusätzliches Ärgernis sei, dass die ÖGK seit Monaten Gespräche mit der Ärztekammer über die Etablierung von Kassen-PVE für Kinder-und Jugendheilkunde blockiere. Steinhart: „Wir haben diesbezüglich in Anlehnung an die Primärversorgungseinheiten für Allgemeinmedizin ein fertiges Konzept vorgelegt, dass auch von der Stadt Wien für gut befunden wurde. Die Umsetzung scheitert aber an der Blockadepolitik der ÖGK.“ Dabei wäre ein PVE-Modell für Kinderärztinnen und -ärzte gerade wegen der chronischen Unterversorgung in Wien dringend geboten, „denn es würde für junge Kinderärztinnen und -ärzte die Hemmschwelle verringern, eine Kassenordination zu gründen, weil die Last und das Risiko dann nicht mehr nur auf einer Schulter alleine liegt“, so Steinhart.

Offensichtlich ist der ÖGK die wirklich dramatische Entwicklung der Versorgungslage mit Kassenärztinnen und -ärzten im Bereich der Kinder- und Jugendheilkunde in Wien nicht bewusst, oder sie wird verdrängt. „Aus unserer Sicht ist es fahrlässig, diesbezüglich nicht raschest zu handeln – auch in Hinblick auf die bevorstehende Pensionierungswelle unter Kassenärztinnen und -ärzten in den kommenden Jahren“, so Steinhart abschließend.

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