Eine Industrieperspektive von Philips: Dekarbonisierung des Gesundheitswesens

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Autor: Anke Ellingen
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Mit der Agenda 2030 haben die Vereinten Nationen 17 Nachhaltigkeitsziele definiert, deren Gesamtziel es ist, weltweit menschenwürdiges Leben möglich zu machen. Als international agierendes Gesundheitstechnologieunternehmen leistet Philips seinen Beitrag zur Zielerreichung auf ökonomischer, ökologischer und sozialer Ebene und unterstützt die Umsetzung der Agenda mit Aktivitäten, die auf die UN-Nachhaltigkeitsziele [1] einzahlen.

Es genügt ein kurzer Blick hinter die Kulissen einer Klinik, um zu verstehen, wie sehr das Gesundheitssystem zur Zunahme der CO2-Konzentration in der Atmosphäre und damit zum menschengemachten Klimawandel beiträgt: Der ökologische Fußabdruck des Sektors liegt global betrachtet bei zwei Gigatonnen ausgestoßenem Kohlenstoffdioxid – das ist mehr, als der Schiffsverkehr oder die Luftfahrt verursachen – und ist für 4,4 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. [2] In Österreich liegt der Wert mit rund sieben Prozent sogar noch deutlich höher. [3]

Als Gesundheitstechnologieunternehmen ist Philips Teil des Systems und hat die Verantwortung, eine aktive Rolle in der Dekarbonisierung zu übernehmen, die die angekündigte Klimastrategie für ein klimaneutrales Gesundheitswesen in Österreich unterstützt. Seit 2020 agiert Philips selbst klimaneutral und bezieht seine Energie zu 85 Prozent aus erneuerbaren Quellen. [4] Doch das ist nicht genug, denn in der Regel entstehen bei Unternehmen die meisten Treibhausgasemissionen außerhalb ihres eigenen Handlungsbereichs – also vorgelagert, mit dem Einkauf von Rohstoffen oder Komponenten, oder nachgelagert, beispielsweise bei der Verwendung der Produkte und Lösungen. Philips betrachtet daher auch diesen Bereich (Scope-3-Emissionen) und hat sich zum Ziel gesetzt, bis Ende 2025 50 Prozent der Zuliefererfirmen zur Reduktion von CO2-Emissionen zu bewegen und damit eine viel größere Wirkung zu erzielen, als mit der Reduktion im eigenen Unternehmen allein möglich wäre. Alle Ziele zur Reduzierung der CO2-Emissionen (Scope 1-3) wurden von der Science Based Targets Initiative validiert.

Dekarbonisierung der Gesundheitswirtschaft

Das Wissen um das Dekarbonisieren eigener Prozesse und Lieferketten lässt sich auf den klinischen Betrieb übertragen. Mitte Oktober hat Philips eine umfassende krankenhausweite Analyse der ökologischen Nachhaltigkeit des Tampere Heart Hospital – Tampere University Hospital (Finnland), einschließlich einer eingehenden Bewertung des Bereichs der interventionellen Kardiologie und einer Evaluierung des CO2-Fußabdrucks abgeschlossen. Die Ergebnisse der Analyse flossen in einen gemeinsamen Aktionsplan ein, der der Klinik dabei hilft, seine Bemühungen zur Dekarbonisierung im Einklang mit Finnlands Verpflichtung, bis 2035 Netto-Null-Emissionen zu erreichen, zu beschleunigen. In einem ähnlichen Prozess wurden in diesem Jahr weitere Aktionspläne für das Vanderbilt University Medical Center und die Champalimaud Foundation entwickelt. Dazu gehört ein Fahrplan zur Reduzierung der CO2-Emissionen in den Bereichen Patientendurchsatz, Technologienutzung und Verbrauchsmaterialien.

EcoDesign als Grundlage für nachhaltige Innovationen

Bis 2025 ist eines der Ziele, alle Produkte und Dienstleistungen in Übereinstimmung mit den EcoDesign-Anforderungen zu entwickeln. Grundlage hierfür ist das Ermitteln der Umweltauswirkungen in jeder Produktlebensphase – von der Rohstoffgewinnung über die Materialverarbeitung, die Herstellung, den Vertrieb, die Nutzung, die Reparatur und Wartung bis hin zur Entsorgung oder zum Recycling. Dabei wird auf Energieverbrauch und -effizienz, Verpackungsmaterialien, Inhaltstoffe, Materialien und Gewicht sowie Kreislaufwirtschaftsaspekte geschaut. Aus dieser Betrachtung lassen sich Verbesserungspotentiale identifizieren und realisieren. Das kann die Optimierung der Energieeffizienz sein, die Überarbeitung von Verpackungen, um sie leichter recyceln und wiederverwenden zu können, oder die Reduktion der Ressourcennutzung und der vermehrte Einsatz von recycelten Materialien. Auch die Vermeidung gefährlicher Substanzen gehört dazu sowie Kreislaufwirtschaftsaspekte. Produkte und Dienstleistungen, die mindestens in einem der fünf Bereiche eine deutliche Verbesserung der Umweltleistung bieten, werden als nachhaltig klassifiziert.

Reduzierter Einsatz knapper Ressourcen

Ein Beispiel für eine solche Lösung ist der volldigitale 1.5T-Magnetresonanztomograph (MRT), wie der Ingenia Ambition und der MR 5300, der im Betrieb ohne Helium auskommt. Bei Helium handelt es sich um eine sehr begrenzte natürliche Ressource. Es ist allerdings auch das einzige Kühlmittel, mit dem sich so niedrige Temperaturen erreichen lassen, dass die Magnetspule eines MR-Systems ihre supraleitenden Eigenschaften entfaltet. Der innovative BlueSeal-Magnet der heliumreduzierten MRTs muss nur einmal mit sieben Litern des flüssigen Edelgases befüllt und anschließend versiegelt werden. Damit benötigt er lediglich 0,5% des in einem marktüblichen MR-System verwendeten Heliums. Ein längst überfälliger Schritt angesichts der Tatsache, dass der größte Teil des weltweiten Heliumverbrauchs auf das Konto von MR-Scannern geht. [5]

Eine Herausforderung bei radiologischen Großgeräten besteht darin, den Energiebedarf zu reduzieren, ohne Kompromisse in punkto Bildqualität und Geschwindigkeit einzugehen. Ein CT-System verbraucht durchschnittlich über 26.000 kWh Strom pro Jahr. [6] Das größte Einsparpotenzial liegt aber nicht etwa im Betriebsmodus. CT-Systeme verbrauchen bis zu zwei Drittel des Stroms im Ruhezustand [ebd.]. Deshalb arbeitet Philips an effizienten Stand-by-Konfigurationen.

Wege in die Kreislaufwirtschaft

Gegenwärtig basieren nur 8,6 Prozent der weltweiten Produktion auf den Grundsätzen der Kreislaufwirtschaft. [7] Kreislaufwirtschaftsmodelle (Abb. 1) könnten die weltweiten Emissionen um bis zu 40 Prozent senken. 

Abb. 1: Kreislaufwirtschaftsmodell mit fünf Rücklaufzyklen 

Ist das Lebensende eines Produktes erreicht, wird es – so die Theorie – nicht entsorgt, sondern bekommt ein neues Leben, entweder in Einzelteilen, die bei Reparaturen verwendet werden, oder als Ganzes. Anwendung findet dies bereits in Form der genannten generalüberholten medizinischen Großgeräte. Sie sind günstiger in der Anschaffung und bieten für das Krankenhaus den zusätzlichen Vorteil der besseren Ökobilanz – bei gleicher Qualität und Leistung wie Neusysteme. Philips erzielt bereits heute 18 Prozent seines Umsatzes mit zirkulären Produkten und Lösungen. Ein konkretes Beispiel, wie Kreislaufwirtschaft an Großgeräten funktioniert kann zeigt das Flowchart (Abb. 2).

Abb. 2: Kreislaufwirtschaft – von EcoDesign bis Circular Edition – hier können Sie die Infografik ansehen und downloaden.

Nachhaltige Beschaffung

Als Reaktion auf die Notwendigkeit, das Gesundheitswesen zu dekarbonisieren, ist ein klarer Trend aller Beteiligten des Systems zu erkennen, nachhaltige Prozesse in jedem Teil der Wertschöpfungskette des Gesundheitswesens voranzutreiben – einschließlich Betrieb, Innovation, Service und Bereitstellung. Eine der wirkungsvollsten Veränderungen findet im Bereich der Beschaffung statt, ausgelöst u. a. durch den Druck der verpflichtenden Nachhaltigkeitsberichterstattung. Es ist zu erwarten, dass immer mehr Einkaufsabteilungen bei der Beschaffung von medizinischen Geräten und Gesundheitstechnologielösungen veränderte Bewertungskriterien anwenden. Dazu gehört die Frage nach der Berichterstattung der zuliefernden Unternehmen über ihre Umweltauswirkungen sowie ein Plan zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen. Auch die Transparenz hinsichtlich Produktleistung und EcoDesign-Ansätze für die angebotenen Lösungen ist ein Thema sowie die Berichterstattung über soziale Auswirkungen.

In Zukunft wird die Einhaltung nachhaltiger Beschaffungskriterien eine der notwendigen Strategien ein, um den Klimawandel und den Verlust der biologischen Artenvielfalt einzudämmen und gleichzeitig die Gesundheit schützen und die gesundheitliche Chancengleichheit fördern. Zusätzlich braucht es darüber hinaus aber die auch Geschlossenheit aller Akteurinnen und Akteure aus Ärzteschaft und Pflege, der Industrie, den Verbänden, den Behörden und der Politik, um die Geschwindigkeit bei der Umsetzung der nächsten nachhaltigen Schritte zu gehen.

Einen aktuellen Überblick über die Aktivitäten von Philips in den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung sind im Q3 Quartalsberichts 2023 einsehbar.

Weitere Informationen erhalten Sie hier.

Kontakt:
Philips Austria GmbH
Anke Ellingen
Euro Plaza, Kranichberggasse 4
A-1120 Wien
E-Mail: unternehmenkommunikation@philips.com

Quellen und Links:

[1] UN-Nachhaltigkeitsziele: 3 (Gesundheit und Wohlergehen), 12 (Nachhaltige/r Konsum und Produktion), 13 (Maßnahmen zum Klimaschutz)

[2] Health Care Without Harm. Aufrufbar unter: https://www.arup.com/-/media/arup/files/publications/h/health-cares-climate-footprint.pdf.

[3] Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz: https://www.bmk.gv.at/service/presse/gewessler/20230531_klima_gesundheit.html

[4] Philips Q3 2023 Quarterly Results | Philips Results

[5] https://pubs.usgs.gov/periodicals/mcs2022/mcs2022-helium.pdf

[6] https://pubs.usgs.gov/periodicals/mcs2022/mcs2022-helium.pdf

[7] The Circularity Gap Report 2021: https://www.circularity-gap.world/2021

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