Erneut Ermittlungen gegen Lead-Horizon-Gründer

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Autor: Scho

Der Gründer und Mehrheitseigentümer des Corona-Testkit-Anbieters Lead Horizon, Michael Putz, sieht sich mit neuen Vorwürfen konfrontiert. Nach einer Anzeige ermittelt die Wiener Wirtschaftspolizei wegen Untreue gegen den Unternehmer sowie wegen Untreue und Bilanzfälschung gegen eine Kollegin. Die Vorwürfe seien „so aus der Luft gegriffen“, sagte Putz bei einem Hintergrundgespräch vor Medien.

Lead-Horizon-Gründer Michael Putz: Sein Anwalt sieht „keine begründeten Verdachtsmomente, sondern lediglich Behauptungen“.

Die Ermittlungen beruhen erneut auf einer Sachverhaltsdarstellung, die einer der ehemaligen Geschäftsführer, Christoph Steininger, am 12. Oktober bei der Wirtschaftspolizei eingebracht hat. Zuständig ist die Staatsanwaltschaft Wien. Der Anwalt von Putz, Günther Rebisant, sowie die Anwältin seiner Holding „Numbers & Trees GmbH“, Nora Michtner, bezeichneten die Causa als einen „Streit unter Gesellschaftern“. Es gebe „keine begründeten Verdachtsmomente, sondern lediglich Behauptungen“, sagte Rebisant. Der Strafverteidiger habe nun mit seinem Mandanten Akteneinsicht genommen.

Beim Verdacht der Untreue nach § 153 Strafgesetzbuch geht es vor allem um angebliche Vermögensverschiebungen von der Lead Horizon zum neuen Unternehmen von Putz, der WePrevent Gesundheitsvorsorge GmbH. Putz soll demnach ein nicht näher genanntes Vermögen von einer Firma zur anderen verschoben haben, was er vehement bestreitet. Das Kernteam von Lead Horizon hatte dieses Unternehmen gegründet, meinte Putz, er habe aber dort keine „aktive Rolle“ übernommen, sondern sei ein unterstützender „Business Angel“. Erst als Lead Horizon am 1. Juli liquidiert wurde, habe WePrevent das operative Geschäft begonnen und sei somit nie in Geschäftsbeziehung gestanden, so Putz.

„Unbewegtes Verrechnungskonto“

Auch ein angeblich unbekanntes Konto, wo Gelder geflossen sein sollen, wurde ohne jegliche Kontenbewegungen wieder aufgelöst. Das Konto sei laut Putz von der Bank versehentlich nicht gelöscht worden, es habe sich dabei um ein „unbewegtes Verrechnungskonto“ gehandelt, das er nach Ende seiner Zeit als Geschäftsführer im Juli 2022 aufgelöst hatte. Steininger hätte als Mit-Eigentümer bei 39 Informationsbegehren und neun Bucheinsichten die Möglichkeit gehabt, sämtliche Geschäftsvorgänge zu prüfen, sagte Anwältin Michtner.

Bezüglich der Bilanzfälschung nach § 163a StGB („Unvertretbare Darstellung wesentlicher Informationen über bestimmte Verbände“) geht es im wesentlichen darum, dass in der Unternehmensbilanz von Lead Horizon zu wenig Umsätze ausgewiesen wurden, obwohl die Anzahl der „Alles gurgelt“-Testungen 2022 höher als 2021 waren. In der Anzeige wird etwa über fehlende Buchungsunterlagen und Lieferantenverträge berichtet. Putz betonte, dass 2022 zwar mehr Tests durchgeführt wurden, allerdings wurden diese aus Lagern bedient. Das heißt, der Umsatz dieser Test-Kits wurde bei Lead Horizon bereits im Jahr 2021 verbucht, aber 2022 erst genutzt. Für jedes einzelne Geschäft gebe es schriftliche Angebote und die entsprechenden Betätigungen und Rechnungen.

Ein weiterer Vorwurf betrifft eine angeblich unterlassene Inventur und die unrechtmäßige Lagerentsorgung. Putz betonte, dass die Inventur von einem externen Lagermanagement korrekt abgewickelt wurde. Dass die Vorräte nicht veräußert wurde, lag daran, dass sich nach Ende der Pandemie niemand mehr für ein solches Lager – etwa Strohhalme und Schutzbeutel – interessiert hatte. Man habe über 100 Labore in Europa kontaktiert, „doch kein einziger wollte auch nur einen Euro zahlen“, sagte Putz.

Stuhlproben brachten Konflikt ins Rollen

Der Hintergrund der Anschuldigungen liegt laut dem Unternehmer in einer Ausschreibung der Stadt Wien zur Vorsorge gegen Darmkrebs. Bei dem Programm soll eine Stuhlprobe zu Hause entnommen und eingeschickt werden. Ist diese positiv, wird eine Koloskopie vereinbart. Das Prinzip ähnelt jenem, wie es bei den Corona-Tests für zu Hause angewandt wurde. Putz habe in Erwägung gezogen, bei dem Vergabeverfahren teilzunehmen und, seiner Aussage zufolge, habe dies auch Steininger vor.

Putz erwägt nun auch rechtliche Schritte gegen den ehemaligen Geschäftspartner einzuleiten. „Ich habe meine Rechtsanwälte beauftragt, alle notwendigen und zweckmäßigen rechtlichen Maßnahmen gegen Herrn Steininger zu prüfen und gegebenenfalls umgehend einzuleiten – das geht von Ruf- und Kreditschädigung bis zur Verleumdung.“ Christoph Steininger wurde von der APA um Stellungnahme gebeten, wollte den Fall aber aufgrund laufender Ermittlungen nicht kommentieren.

Bereits im Frühjahr hatte die Staatsanwaltschaft Wien auf Basis einer Anzeige eine mögliche Untreue, Urkunden- und Beweismittelfälschung sowie einen allfälligen Verstoß gegen das Verbandsverantwortlichkeitsgesetz geprüft, diese jedoch allesamt eingestellt.

(APA/red.)

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