Fasten erhöht Spermidinspiegel und lässt gesünder alt werden

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Autor: Scho

Mit dem Prozess der Autophagie (lat. „sich selbst fressen“) kann der menschliche Körper „zellulären Schrott“ – wie in den Zellen angesammelte fehlerhafte Proteine und andere schadhafte Zellbestandteile – entsorgen. Durch Fasten kann dieser zellreinigende Effekt künstlich ausgelöst werden. Laut Grazer Forschern spielt dabei das natürliche Polyamin Spermidin eine wichtige Rolle: Seine Konzentration steigt während des Fastens deutlich an und setzt den Reinigungsprozess in Gang.

Spermidin ist eine natürliche Substanz, die etwa in Weizenkeimen, Nüssen, Pilzen und auch in der Samenflüssigkeit des Mannes vorkommt. Das natürliche Polyamin, dessen Anti-Aging-Wirkung bereits 2009 von einem Forscherteam um Frank Madeo von der Universität Graz aufgezeigt wurde, löst einen zellulären Reinigungsprozess aus: Bei Fruchtfliegen hat sich die Substanz schon als wirkungsvoll gegen neurodegenerativen Veränderungen im Gehirn erwiesen, in dem sie die Autophagie ankurbelt, wie ein Team um Madeo bereits 2014 in „Nature Neuroscience“ publizierte.

Der Gehalt von Spermidin, das in hoher Konzentration in Samenflüssigkeit sowie in anderen Körperzellen vorkommt und auch von bestimmten Darmbakterien produziert wird, nimmt im Lauf des Lebens ab. Eine aktuelle internationale Studie im Forschungsverbund um Madeo und Sebastian Hofer vom Institut für Molekulare Biowissenschaften der Universität Graz zeigt nun, dass bei fastenden Menschen, Mäusen, Fliegen und auch Hefezellen die Spermidin-Konzentration signifikant steigt. Die Ergebnisse wurden in der Augustausgabe von „Nature Cell Biology“ veröffentlicht.

Die Studienautoren haben bei allen untersuchten Organismen eine Erhöhung der Fitness sowie eine Verlängerung der Gesundheits- und Lebensspanne durch die Fastenprozesse beobachtet. Jedenfalls solange sie mit einer Erhöhung der Spermidin-Konzentration einhergingen. Die Forscher haben sich auch die andere Seite angesehen. „Nachdem wir durch chemische und genetische Eingriffe in verschiedensten Modellorganismen die Spermidinerhöhung verhinderten, konnten diese keine Autophagie mehr auslösen und die vitalitätssteigernde Wirkung des Fastens blieb aus“, interpretierte Madeo.

Auch hinsichtlich chronischer Entzündungen zeigten sich Effekte. „Bei Modellorganismen, die unter Arthritis litten, besserte sich die Entzündung durch regelmäßiges Fasten. Allerdings nur, wenn sie dabei auch Spermidin produzieren konnten“, erläuterte Hofer. Er ist mittlerweile Forscher am Max Delbrück Center in Berlin. Das gleiche gelte für die herzschützenden Effekte von Fastenprozessen. „Durch zusätzliche Gaben von Spermidin könnten verschiedene Fastenregimes eventuell noch effektiver gestaltet werden“, sah Hofer zusätzliches Potenzial.

Die Fachpublikation finden Sie hier.

(APA/red.)

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