Forscher regen Nervenzellen über Belichtung von Fetten an

Lesedauer beträgt 1 Minuten
Autor: Scho

Mit ultravioletten Lichtstrahlen erregen Linzer Forscher Nervenzellen, bei Blaulicht beruhigen sich diese wieder. Nervenzellen (Neuronen) derart schonend an- und abzuschalten wird durch den Einbau von lichtempfindlichen Fetten in ihre Außenwände möglich, erklären sie: „Vor allem in der medizinischen Diagnostik könnte man damit die Verschaltung von Neuronen untersuchen“. Die Methode wurde der Fachwelt im Magazin „Nature Communications“ vorgestellt.

Es sind dafür spezielle lichtempfindliche Fettstoffe nötig, die man von außen zugibt, erklärte Peter Pohl vom Institut für Biophysik der Universität Linz im Gespräch mit der APA: „Sie wandern aber dann von selbst in die Membranen (Zellaußenwände, Anm.) ein.“ Wenn man die Zellen mit ultraviolettem (UV-) Licht bestrahlt, verändern die lichtempfindlichen Fettstoffe ihre Gestalt, was den Membranen rundherum eine erhöhte elektrische Kapazität beschert. Dadurch wird ein Nervenreiz gesetzt. Blaues Licht bewirkt eine andere Gestaltänderung der Fette, woraufhin sie weniger Platz einnehmen. Dadurch sinkt die elektrische Kapazität ringsum und Ruhe kehrt ein.

Es gibt schon zwei Methoden, Nervenzellen von außen an- und abzuschalten, die jedoch jeweils Nachteile haben, berichten die Forscher: Man kann winzig kleines Material in die Zellen bringen, das Licht aufnimmt, sich dabei erwärmt und die Nervenzellen dadurch anregt. „Es braucht dafür aber eine hohe Lichtstärke, die nicht immer verfügbar ist und Nebenwirkungen haben kann“, erklären sie.

Außerdem ist es möglich, Zellen gentechnisch so zu verändern, dass sie lichtsensible Kanäle bilden. „Gentechnischen Eingriffen sind aber gerade beim Menschen enge Grenzen gesetzt“, so die Forscher am Freitag in einer Aussendung. Die vorgestellte, „nervenschonende Nervenforschungsmethode“ wäre ein zusätzliches Werkzeug. „Da wir keine gentechnisch veränderten Materialien brauchen, ist die Anwendung am Menschen theoretisch denkbar“, schreiben sie.

Die Fachpublikation finden Sie hier.

(APA/red.)

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Boltzmann-Gesellschaft: Erstmals seit Neuausrichtung neue Institute

Boltzmann-Gesellschaft: Erstmals seit Neuausrichtung neue Institute

Die neuen Boltzmann-Institute müssen jeweils in Kooperation mit einer Institution, etwa einer Universität, eingerichtet werden. Ihre Laufzeit beträgt sieben Jahre, sie können aber bei positiver Evaluierung um weitere drei Jahre verlängert werden.

Frauen sterben häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Frauen sterben häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) sprach bei der Präsentation des Frauengesundheitsberichts die größere mentale Belastung als mögliche Ursache an: "Das ist gesellschaftlich zu wenig am Radar."

Bilanz nach zwei Tagen: Problemanalyse und vorsichtiger Optimismus

Bilanz nach zwei Tagen: Problemanalyse und vorsichtiger Optimismus

Springer-Verlag-Geschäftsführer Alois Sillaber über zwei Tage Kongress, multiple Krisen und eine Reform, die kein Reförmchen werden sollte.