Gewaltschutz: Dachverband für Opferschutzgruppen im Gesundheits- und Sozialbereich gegründet

Lesedauer beträgt 3 Minuten
Autor: Scho

Häusliche Gewalt hat viele Formen und Folgen. An ebenso viele administrativen Bezugspunkten wird sie sichtbar. Es ist besonders der Gesundheits- und Sozialbereich, der bei der Früherkennung von häuslicher Gewalt eine wesentliche Rolle spielt. Laut einer Prävalenzstudie suchen 19,55 Prozent der von Gewalt betroffenen Frauen Hilfe im Gesundheitswesen oder in einer Beratungseinrichtung. Nur 16,86 Prozent wenden sich demnach an die Polizei. Initiativen gegen Gewalt gibt es viele. Eine Bündelung dieser Aktivitäten hat bisher allerdings weitestgehend gefehlt. Bis jetzt. Am Freitag wurde in Kritzendorf bei Wien der „Österreichische Dachverband für Opferschutzgruppen im Gesundheits- und Sozialbereich“ gegründet. Er soll genau diese Bündelungs-Position einnehmen.

„Unsere Erfahrungen aus vielen Jahren im Opferschutz im Gesundheits- und Sozialbereich haben uns gelehrt, dass eine wichtige Voraussetzung für einen funktionierenden Opferschutz in diesen Bereichen die Vernetzung und eine gemeinsame Vertretung der Interessen ist. Ohne diese ist eine effiziente Opferschutzarbeit nur schwer möglich“ so Thomas Beck, Obmann des neu gegründeten Dachverbandes sowie Psychologe an den Universitätskliniken Landeskrankenhaus Innsbruck.

Der Vorstand des Dachverbandes (v.l.n.r.): Sabine Eder DGKP, Maga. Monika Kern, Univ.-Doz. Dr. Thomas Beck, Sabine Sramek, DGKP, MSc., Andrea Hohenegger, DGKP, MSc. und OA Dr. Christopher Kartnig

Hier kommt der „Österreichische Dachverband für Opferschutzgruppen im Gesundheits- und Sozialbereich“ ins Spiel. Als Hauptaufgabe hat sich der Dachverband die Unterstützung und Koordination von Opferschutzgruppen gestellt. Dazu gehört vor allem einmal Hilfe bei der Gründung von Verbänden, deren Vernetzung sowie Schulung und wissenschaftliche Beratung. Letztlich sollen einheitliche Standards für die Opferschutzarbeit erarbeitet werden.

Weitreichende Folgen

Zahlreiche internationale Studien belegen gesundheitlich weitreichende körperliche und/oder psychische Spätfolgen von widerfahrener Gewalt. Und diese Folgen reichen weit über die akuten Folgen von Gewaltwiderfahrnissen hinaus. „Neben den unmittelbaren Verletzungsfolgen von Gewalt, führen Gewaltwiderfahrnisse zu weitreichenden gesundheitlichen Folgen für die Betroffenen, sowohl auf physischer, als auch auf psychischer Ebene“, so Sabine Sramek, Schriftführerin des Dachverbandes und Pflegedirektorin von „PFLEGEN BETREUEN WOHNEN der Barmherzigen Brüder in Kritzendorf. Und Sramek weiter: „Besonders bei Kindern zieht die Zeugenschaft häuslicher Gewalt deutliche Konsequenzen nach sich. Auch die Gewalt gegen alte Menschen und in der Pflege entsteht auf Basis zahlreicher Ursachen und Hintergründe und ist leider weit verbreitet.“

„Gewaltwiderfahrnisse sind weder an ein Geschlecht noch ein bestimmtes Alter gebunden“, so Sramek. Denn neben den unterschiedlichsten Formen physischer, psychischer und/oder sexueller Gewalt zählten auch weibliche Genitalverstümmelung, Zwangsheirat, Kinderehe oder Gewalt und Diskriminierung alter Menschen zu den Gewaltformen.

Die Studie zu Gewalt gegen Frauen in Österreich finden Sie hier.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Grundwehrdiener sollen sich ab nun für Stammzellenspende registrieren

Grundwehrdiener sollen sich ab nun für Stammzellenspende registrieren

Pro Tag erkranken laut dem Rotem Kreuz drei Menschen in Österreich an Blutkrebs. Eine Stammzellspende ist oft die einzige Überlebensmöglichkeit. Einen passenden Spender zu finden, ist aber schwierig, die Wahrscheinlichkeit liegt bei eins zu einer halben Million.

Baby-Boomer werden zu Alterspsychiatrie-Patienten

Baby-Boomer werden zu Alterspsychiatrie-Patienten

Die Herausforderungen an die Alterspsychiatrie steigen mit der demografischen Entwicklung enorm an. Das war auch ein Thema beim Welt-Psychiatriekongress in Wien.

MSF zu Medikamenten-Engpässen: „Fehler liegt im System“

MSF zu Medikamenten-Engpässen: „Fehler liegt im System“

"Der Fehler liegt im System." Das betont Marcus Bachmann von Ärzte ohne Grenzen (MSF) Österreich zu den Medikamentenengpässen in Europa. Global sei das Problem dauerhaft bekannt und nun auch bei uns angekommen. "Hunderte Millionen Menschen - vor allem im globalen Süden - haben keinen oder nur eingeschränkten Zugang zu Medizinprodukten", sagte der Experte. Bisherige Lösungsvorschläge für die Situation in Europa seien jedenfalls nur "oberflächliche Symptomkuren", warnte er.