Neue Therapien für Blutkrebs können Leben verlängern

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Autor: Scho

Für Patientinnen und Patienten mit Blutkrebs sind dank innovativer Therapien die Chancen auf ein langes Überleben bei guter Lebensqualität in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. In vielen Fällen konnten Erkrankungen, die noch vor zwei Jahrzehnten tödlich verlaufen sind, in chronische Krankheiten umgewandelt werden. Anlässlich des internationalen Awareness-Monats Blutkrebs im September informierten Expertinnen und Experten in Wien über neue Therapien.

Deutliche Verbesserungen wurden insbesondere bei Chronischer Myeloischer Leukämie (CML), aber auch anderen myeloproliferative Neoplasien (MPNs) realisiert. Das Multiple Myelom (MM) habe viel von seinem Schrecken verloren. „Das Spektrum neuer Behandlungsansätze beinhaltet effektive Optionen für nahezu jedes Krankheitsstadium“, sagte Gabriela Kornek, Ärztliche Direktorin des AKH Wien und Präsidentin des Vereins „Leben mit Krebs“. Komplexe Wirkmechanismen revolutionieren die Behandlung, erfordern allerdings auch mehr Zeit für Patientenaufklärung, Therapiemanagement und Dokumentation.

Das Multiple Myelom (Plasmozytom) ist eine heterogene chronische Erkrankung, bei der sich Plasmazellen im Knochenmark ausbreiten. Dabei werden unbrauchbare Antikörper in hohem Ausmaß produziert und gesunde Zellen des blutbildenden Systems verdrängt. Bei eher gutartigen Formen sind lang anhaltende Remissionen erzielbar. Rezidive sind gut behandelbar. „Am anderen Ende des Spektrums gibt es Formen mit aggressiverem Verlauf, die schwieriger zu therapieren sind“, erklärte Niklas Zojer, leitender Oberarzt der hämatologisch-onkologische Ambulanz der Klinik Ottakring.

Verfünffachte Lebenserwartung

Ziel sei es, bei Patientinnen und Patienten bereits in der ersten Therapielinie eine möglichst komplette, lang anhaltende Remission zu erreichen. Die Tendenz gehe dahin, die besten Therapien bzw. Therapiekombinationen zuerst einzusetzen, um eine möglichst vollständige Eradikation der klonalen Myelomzellen zu erreichen. Der Anteil an funktionell komplett geheilten Patienten, die über zehn Jahre und länger kein Rezidiv bekommen, hat mit den neuen Therapiekombinationen zugenommen. Das durchschnittliche Überleben liegt bei fast zehn Jahren – in den 1980er- und 1990er-Jahren waren es nur zwei Jahre.

Neben Chemo- und Antikörpertherapien, die meist intravenös verabreicht werden, stehen für chronisch lymphatische Leukämie (CLL) mittlerweile Medikamente in Tablettenform zur Verfügung. „Diese moderne zielgerichtete Therapie blockiert bestimmte Proteine, die für das Wachstum und Überleben der Krebszellen zuständig sind“, sagte Daniel Heintel, vom Zentrum für Onkologie und Hämatologie in der Klinik Ottakring.

Bei den myeloproliferativen Neoplasien (MPNs) handelt es sich um eine Gruppe von seltenen bösartigen Blutkrebserkrankungen. Dazu zählen die chronische myeloische Leukämie (CML), die Polycythämia vera (PV), die essenzielle Thrombozythämie (ET) sowie die primäre Myelofibrose (PMF). „Bei der CML kommt es zu einer unkontrollierten Vermehrung weißer Blutkörperchen“, erläuterte Thamer Sliwa, Leiter der Abteilung für Innere Medizin und Hämato-Onkologie im Krankenhaus Leoben. Aufgrund der enormen Therapiefortschritte gleicht die Lebenserwartung der meisten Betroffenen mittlerweile jener der Normalbevölkerung.

Die CML war das erste Modell einer zielgerichteten Therapie in der Hämatologie. Nach der Entdeckung der kausalen Ursache – das durch Punktmutation entstehende Fusionsgen BCR-ABL – wurde 2001 der Erstgenerations-Tyrosinkinaseinhitor (TKI) Imatinib zugelassen. Aus einer binnen zwei bis fünf Jahren tödlich verlaufenden Erkrankung wurde eine chronische Erkrankung. Bei einigen Patientinnen bzw. Patienten kann die TKI-Therapie nach Erreichen einer tieferen Remission sogar gestoppt werden.

Weiterführende Infos finden Sie hier.

(APA/red.)

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