Nach Kippen von US-Abtreibungsrecht mehr Sterilisationen

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Autor: Scho

Die Aufhebung des landesweiten Rechts auf Abtreibung im Jahr 2022 in den USA hat laut einer neuen Studie zu deutlich mehr Sterilisationen geführt. Der im „Jama Health Forum“ veröffentlichten Studie zufolge war der Anstieg bei Frauen höher und länger anhaltend als bei Männern. Es ist die erste Studie, die untersucht hat, wie sich die Gerichtsentscheidung, die ein politisches Erdbeben ausgelöst hatte, auf permanente Verhütung bei jungen Erwachsenen auswirkt.

„Der große Unterschied in den Mustern dieser beiden Verfahren spiegelt wahrscheinlich die Tatsache wieder, dass junge Frauen überwiegend für die Verhinderung von Schwangerschaften verantwortlich sind und die gesundheitlichen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen von Abtreibungsverboten überproportional zu spüren bekommen“, erklärte Hauptautorin Jacqueline Ellison von der University of Pittsburgh School of Public Health.

Sterilisationsverfahren seien bei Frauen deutlich komplexer und zwei- bis sechsmal teurer als bei Männern, heißt es weiter in der Erklärung. Hinzu komme, dass bei Frauen – anders als bei Männern – für die Umkehrung einer Sterilisation eine komplexe, invasive Operation nötig sei.

Für die Studie wurden medizinische Daten von großen Medizinzentren und Kliniken herangezogen. Sie fokussierte sich auf die Altersgruppe der 18- bis 30-Jährigen, in der die Wahrscheinlichkeit von Schwangerschaftsabbrüchen höher sei und Sterilisationen eher bereut würden.

Die Daten zeigen den Angaben zufolge, dass die Sterilisationsrate bereits in den Jahren vor dem Gerichtsurteil im Juni 2022 etwas anstieg. Das Urteil löste demnach jedoch bei beiden Geschlechtern einen deutlichen Anstieg aus, der bei Frauen mehr als doppelt so hoch ausfiel wie bei Männern.

Anschließend ging die Rate der Männer, die sich einer Vasektomie unterzogen, wieder zur vorherigen Entwicklung zurück. Die Rate der Frauen, die sich einer Tubensterilisation unterzogen, stieg jedoch weiterhin schneller an als vor dem Urteil.
Der Oberste Gerichtshof der USA hatte im Juni 2022 mit seiner höchst umstrittenen Entscheidung ein politisches Erdbeben ausgelöst, das Grundsatzurteil Roe v. Wade aus dem Jahr 1973 aufzuheben, das ein landesweites Grundrecht auf Abtreibungen verankert hatte. Etwa 20 konservativ geprägte Bundesstaaten haben seitdem das Recht auf Abtreibung abgeschafft oder drastisch eingeschränkt.

(APA/AFP/red.)

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