OTA - Neuer Gesundheitsberuf erstmals im Ausbildungsangebot

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Autor: Scho

Der Ruf nach einem Beruf der „Operationstechnischen Assistenz“ ist seit mehreren Jahren aus den Krankenhäusern Österreichs zu hören und ebenso lange diskutiert worden. Das Berufsbild ist international vergleichbar: in Deutschland und der Schweiz beispielsweise gibt es ganz ähnliche Ausbildungs- und Berufsmodelle bereits seit Jahren.

Der Beruf zielt auf jenen Teil der Pflege ab, der auf den Operationsbereich spezialisiert ist. Die OTA-Ausbildung ist ein eigenständiger Bildungsweg, auf dem eine gezielte und spezifische Vorbereitung für den Arbeitsplatz Operationssaal erfolgt. Bereits in der dreijährigen Ausbildungszeit überwiegt der praktische Teil. „Die gesetzlichen Vorlagen sehen neben den rund 1.600 Stunden Theorie vor allem auch über 3.000 Stunden Praxis vor“, weiß Lydia Steiner, Leiterin des zukünftigen OTA-Lehrgangs an der GuKPS Feldkirch. „Die Gruppengrößen werden dabei angenehm klein gehalten und etwa zehn bis 18 Teilnehmer:innen pro Klasse umfassen.“ Voraussetzung für den Beginn einer OTA-Ausbildung ist ein Mindestalter von 17 Jahren. Über die tatsächliche Aufnahme entscheidet jeweils eine fachkundige Kommission.

Handwerkliche Praxis und breites Knowhow

Die Lernfelder sind breit gefächert und erstrecken sich unter anderem von den Grundsätzen professioneller operationstechnischer Assistenz über Infektionslehre und Hygiene, Anatomie und Physiologie, Notfall- und Akutmanagement, Patientenbetreuung und -versorgung im OP sowie in der Endoskopie bis hin zu Operationstechniken einschließlich chirurgischer Spezialfächer sowie spezieller Instrumentenkunde.

Das Berufsfeld ist dadurch vor allem auch für jene interessant, die handwerkliches und technisches Geschick oder Erfahrung mitbringen. „Durch den intensiven praktischen Teil ist die notwendige Einarbeitungsphase bei Berufsantritt für die OTA kürzer als bei der regulären Pflegeausbildung“, fasst Michael Scheffknecht, Pflegedirektor am Landeskrankenhaus Feldkirch, zusammen. „Denn der Tätigkeitsbereich im Vergleich zur generalistischen Pflegeausbildung ist viel enger gefasst. Dadurch kann die theoretische und praktische Ausbildung viel zielgerichteter und umfassender erfolgen: bei der OTA-Ausbildung findet beinahe die gesamte praktische Ausbildung im OP statt.“

Ständiges Dazulernen garantiert

Der Kernbereich der OTA ist die Assistenz bei Operationen als sogenannte:r „OP-Instrumentar:in“. In dieser Funktion werden sie mit denselben Kompetenzen wie Diplompflegepersonal mit Spezialisierung für OP-Pflege eingesetzt. Diese Mitarbeiter:innen bereiten den Saal für anstehende Operationen vor, machen Geräte gebrauchsfertig, kennen die Instrumente sowie deren Einsatzbereiche und unterstützen das ärztliche Personal direkt bei den Eingriffen. Gerade was die Entwicklung der modernen Medizin und die damit verbundene Instrumentenkunde betrifft, ist ein ständiges Dazulernen in diesem Berufsfeld garantiert.

Daneben ermöglicht die Ausbildung den Operationstechnischen AssistentInnen auch den Einsatz in Notfallambulanzen, Schockräumen, in der Endoskopie sowie in Aufbereitungseinheiten für Medizinprodukte.

Gemeinsames Stärken der Personaldecke

„Da wir in den kommenden Jahren einen großen Personalbedarf vor allem im Bereich des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege erwarten, hilft es natürlich, wenn hier Stellen auch mit OTA besetzt werden können“, erklärt Michael Scheffknecht. „Vor allem im OP sehe ich hier sehr gute Einsatzmöglichkeiten. In den Notfallambulanzen wird es aber immer auch diplomiertes Gesundheits- und Krankenpflegepersonal brauchen.“ Die Abhaltung von Lehrgängen für die Sonderausbildung in der Pflege im Operationsbereich ist also – je nach Bedarf – auch in Zukunft weiterhin angedacht.

Wie in anderen Berufsfeldern auch, unterliegt die Personaldecke im Pflegebereich natürlichen Schwankungen, die von Pensionierungen, Personalabgängen und Karenzen abhängig sind. „In den vergangenen drei Jahren sind beispielsweise alleine im OP-Bereich des LKH Feldkirch jährlich rund zehn bis 15 neue Mitarbeiter:innen eingestellt worden – Bereiche wie Endoskopie oder Notfallambulanzen sind da noch gar nicht mitgezählt“, resümiert der Pflegedirektor. „Um das Personal auch zahlenmäßig zu stärken, sind verschiedenste Lösungsansätze gefragt“, erklärt Lehrgangsleiterin Lydia Steiner. „Die MitarbeiterInnen an unserer Schule bemühen sich um attraktive Ausbildungsangebote – immer in Kooperation mit den KollegInnen in der Praxis. Nur gemeinsam kann die gewünschte Ausbildungsqualität gewährleistet werden.“

Durchlässige und geförderte Ausbildung

Zusätzlich soll die berufliche Durchlässigkeit zwischen dem medizinischen Beruf der Operationsassistenz (Berufsgruppe mit einjähriger Ausbildung) und der neuen Operationstechnischen Assistenz gefördert werden. So wird es den OperationsassistentInnen erleichtert, sich als OTA weiterzubilden: „Es soll künftig eine Möglichkeit zur Weiterqualifizierung mit einer Dauer von zwei Jahren geben“, erklärt Michael Scheffknecht.

Umgekehrt ist die Möglichkeit geschaffen worden, nach dem ersten OTA-Ausbildungsjahr zu einer Berufsberechtigung im medizinischen Assistenzberuf zu gelangen. Und: „Ab dem zweiten Ausbildungsjahr kann die OTA-Ausbildung auch im Rahmen eines Dienstverhältnisses zu einer Krankenanstalt erfolgen“, ergänzt Lydia Steiner. Das macht die Ausbildung vor allem auch für QuereinsteigerInnen und BerufsumsteigerInnen attraktiv. Daneben gibt es während der gesamten Ausbildungszeit diverse Förderangebote – etwa über die „connexia Implacementstiftung“.

EU-weite Anerkennung

Die offizielle Registrierung des neuen Gesundheitsberufes macht es nun auch für all jene einfacher und unbürokratischer, in Österreich zu arbeiten, die bereits im Ausland OTA-Kompetenz erworben haben. Zwar erlaubt das EU-Gesundheitsberufe-Anerkennungsgesetz bereits seit einigen Jahren, dass Personen mit einer OTA-Ausbildung in einem EU-Land eine partielle Berufszulassung für den OP-Bereich in Österreich bekommen. „Allerdings war dazu immer eine Einzelfallprüfung im Gesundheitsministerium erforderlich“, erklärt Pflegedirektor Scheffknecht. „Mit dem neu geschaffenen Berufsbild dürfte diese Anerkennung für in EU-Ländern erfolgte OTA-Ausbildungen deutlich einfacher werden. Denn generell ist bei der Pflegeausbildungen eine Berufsanerkennung zwischen EU-Ländern garantiert.“

An den Landeskrankenhäusern waren und sind bereits vereinzelt OTA aus Deutschland mit partieller Berufsanerkennung im Einsatz. In spätestens vier Jahren werden nun die ersten in Österreich ausgebildeten Absolvent:innen ihre Arbeit in Vorarlbergs Spitälern aufnehmen.

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