Schwangerschaftsabbruch - Land Tirol verteidigt Register

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Autor: Scho

Das Land Tirol verteidigt das geplante Schwangerschaftsabbruchregister. Gesundheitsdirektorin Theresa Geley sagte gegenüber Journalisten, dass eine „individuelle Motivforschung nicht Gegenstand“ der Erhebung sei. Die Informationen werden auch nicht von der Patientin selbst in Form eines Fragebogens ausgefüllt, sondern vom Arzt bzw. der Ärztin gänzlich anonym weitergegeben.

Neben der Altersgruppe sollen beispielsweise der Familienstand, Informationen zur bestehenden bzw. vergangenen Schwangerschaften und Geburten oder zur Verhütung abgefragt werden. Darüber hinaus soll angegeben werden, ob der Schwangerschaftsabbruch aus „kriminologischen, medizinischen oder sozialen Gründen“ erfolge, sagte Geley. Auf Näheres werde hier nicht eingegangen. Sie betonte, dass nur unter Zustimmung der Betroffenen „ausschließlich anonyme Daten“ Eingang ins Register finden, „die etwaige Zusammenhänge mit gesellschaftlichen Entwicklungen darstellen.“

Tirols Gesundheitsdirektorin Theresa Geley: Das Projekt befinde sich in der „Planungsphase“ und werde einer Beurteilung durch die Ethikkommission unterzogen.

„Durch die Datenverfügbarkeit bzw. Informationen zum Ist-Stand im Hinblick auf Schwangerschaftsabbrüche auf Basis eines Registers sollen vor allem zielgerichtetere Maßnahmen für betroffene Frauen und Mädchen initiiert werden können“, begründete Geley den Nutzen der Initiative. Dies könne etwa das „individuelle Beratungs- und Nachsorgeangebot“ sein.

100.000 Euro zugesagt

Wann genau die tirol kliniken – wo der Wille zur Etablierung des Registers dem Vernehmen nach durchaus gegeben ist – starten werden, war indes noch unklar. Das Projekt befinde sich in der „Planungsphase“ und werde einer Beurteilung durch die Ethikkommission unterzogen, versicherte die Gesundheitsdirektorin. Die schwarz-rote Tiroler Landesregierung sagte bereits eine erste Finanzierung in Höhe von 100.000 Euro zu. In Deutschland, der Schweiz oder auch in Südtirol gibt es solche Register bereits.

Um die Schaffung eines Schwangerschaftsabbruchregisters war in den vergangenen Monaten eine politische Debatte entbrannt. Die oppositionellen Grünen wollten es im Tiroler Landtag verhindern und orteten eine „Hürde“ für Frauen, die eine Abtreibung wollen. Auch SPÖ-Justizsprecherin Selma Yildirim hatte wiederholt dagegen mobil gemacht. Die Tiroler NEOS lehnten das Register ab, da „unter dem Deckmantel der Motivforschung zusätzlich Druck auf Frauen in einer prekären Situation aufgebaut“ werde.

Die Landesregierung bekannte sich zu einem „bedarfsgerechten, niederschwelligen und medizinisch qualitätsvollen Zugang“ zu Abtreibungen. Zuvor hatte Soziallandesrätin Eva Pawlata (SPÖ) zu ihrem Amtsantritt den kostenlosen Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen an öffentlichen Spitälern gefordert, womit sich der Koalitionspartner ÖVP aber nicht einverstanden zeigte. Mittlerweile wurde das Angebot von einem niedergelassenen Arzt, der Abtreibungen durchführt, auf drei ausgeweitet.

(APA/red.)

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