Zahnärzte-Vertreter sehen Versorgung in Gefahr

Lesedauer beträgt 2 Minuten
Autor: Scho

Der seit 2021 nicht mehr in der Zahnärztekammer vertretene „Zahnärztliche Interessensverband Österreichs“ (ZIV) warnt vor drohenden Versorgungsengpässen und wirft der eigenen Standesvertretung Untätigkeit vor. Diese habe die Probleme nicht im Griff, die durch sinkende Kassenleistungen, einen in den Grundzügen aus dem Jahr 1957 stammenden Leistungskatalog, Personalmangel und bevorstehende Pensionierungen entstehe. Der ZIV will all dem mit einer Infokampagne kontern.

Das „Ferrariimage“ als Spitzenverdiener, mit dem die Berufsgruppe der Zahnärzte in der Öffentlichkeit konfrontiert sei, entspreche bis auf Ausnahmen keineswegs der Realität, sagte ZIV-Präsident Franz Hastermann in einer Pressekonferenz. Mehr als 80 Prozent der aktuellen Kassenleistungen seien defizitär. Das bedeute, dass eine nur auf Kassenpatienten angewiesene Ordination nicht mehr lebensfähig sei. Vom Spielraum durch die Querfinanzierung über Privatleistungen sei durch die Preisentwicklung der vergangenen fünf Jahre nichts mehr übrig.

Ein Problem sei auch das EU-weite Verbot von Amalgamfüllungen ab 2025, denn dadurch werde eine kostengünstige und dauerhafte zahnmedizinische Versorgung ganzer Bevölkerungsgruppen verhindert. Das Datum sei seit Jahren bekannt, weder Politik noch Sozialversicherung hätten vorbereitend etwas unternommen. Derzeit steht aus Sicht des ZIV kein adäquater kassenfinanzierter Ersatz zur Verfügung.

Weitere Sorge: Kassenordinationen seien so unattraktiv geworden, dass schon jetzt zehn Prozent der Kassenplanstellen nicht mehr nachbesetzt werden können. Zudem erreichten mehr als 40 Prozent der Kassenzahnärzte in den kommenden fünf Jahren das Pensionsalter. Politik und Sozialversicherung müssten hier handeln, so Hastermann. Es brauche kostendeckende Honorare für alle Posten des derzeitigen Leistungskatalogs, aber auch eine Neuverhandlung desselben.

(APA/red.)

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Spitalsärzte in Vorarlberg verlangen 30-prozentige Gehaltserhöhung
Tarifstreit

Spitalsärzte in Vorarlberg verlangen 30-prozentige Gehaltserhöhung

Ihre Forderung nach der massiven Lohnerhöhung argumentieren die Ärzte damit, dass das vor zehn Jahren reformierte Gehaltssystem nicht mehr konkurrenzfähig sei.

Nieper, Ekkernkamp & Glöckner: Innovative Versorgungsmodelle
Buchtipp

Nieper, Ekkernkamp & Glöckner: Innovative Versorgungsmodelle

In diesem Fachbuch melden sich die deutschen BG Kliniken als Akteure und Vorreiter bei den Gestaltungsaufgaben in der Gesundheitsversorgung zu Wort.