Zusätzliche Risiken für Lungenkranke durch Klimawandel

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Autor: Scho

Menschen mit Lungenerkrankungen wie Asthma und chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) sind durch den Klimawandel einem noch größeren Risiko ausgesetzt. Das betonen Experten in einer medizinischen Fachzeitschrift. Die Fachärztegesellschaft European Respiratory Society (ERS), die mehr als 30.000 Lungenspezialisten vertritt, fordert daher das EU-Parlament und Regierungen weltweit auf, den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren und den Klimawandel abzumildern.

Der Bericht im „European Respiratory Journal“ fasst Belege dafür zusammen, wie Hitzewellen, Waldbrände und Überschwemmungen die Atembeschwerden von Millionen Menschen auf der ganzen Welt verschlimmern werden. Die Wissenschafterinnen und Wissenschafter heben insbesondere das zusätzliche Risiko für Babys und Kinder hervor, deren Lunge sich noch in der Entwicklung befindet. Aber auch ältere Menschen werden verstärkt betroffen sein, heißt es in der Stellungnahme der Experten.

„Der Klimawandel wirkt sich auf die Gesundheit aller aus, aber Atemwegspatienten gehören wohl zu den am stärksten gefährdeten.“ Dies sind Menschen, die bereits unter Atembeschwerden leiden und weitaus empfindlicher auf den Klimawandel reagieren. Ihre Symptome werden schlimmer und für einige wird dies tödlich sein, informierte Zorana Jovanovic Andersen von der Universität Kopenhagen und Vorsitzende des Umwelt- und Gesundheitsausschusses der ERS Society.

„Die aktuellen Grenzwerte sind veraltet“

„Luftverschmutzung schädigt bereits unsere Lunge. Jetzt werden die Auswirkungen des Klimawandels zu einer großen Bedrohung für Atemwegspatienten“, betonte Jovanovic Andersen. Zu den Effekten gehören dem Bericht zufolge höhere Temperaturen und ein daraus resultierender Anstieg von Allergenen in der Luft, beispielsweise Pollen. Darunter sind auch häufigere extreme Wetterereignisse wie Hitzewellen, Dürren und Waldbrände, die zu Episoden extremer Luftverschmutzung und Staubstürmen führen, sowie starke Regenfälle und Überschwemmungen, die höhere Luftfeuchtigkeit und Schimmel im Zuhause verursachen.

Die bestehenden Luftqualitätsstandards der EU liegen weit über den Luftqualitätsrichtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO). „Die aktuellen Grenzwerte sind veraltet und schützen die Gesundheit der EU-Bürger nicht“, kritisierte Jovanovic Andersen. Das EU-Parlament solle unverzüglich sicherere Grenzwerte verabschieden und durchsetzen. Allerdings überarbeitet die EU bereits ihre Luftqualitätsrichtlinie, wurde erläutert.

Die Fachpublikation finden Sie hier.

(APA/red.)

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