Ärztekammer sieht kassenärztliche Versorgung am Anschlag

Lesedauer beträgt 2 Minuten
Autor: Scho

Die Vorarlberger Ärztekammer warnt vor einem Kollaps der kassenärztlichen Versorgung im Bundesland. Diese stehe „auf der Kippe“, das Gesundheitssystem werde kaputtgespart, kritisierte Ärztekammer-Präsident Burkhard Walla in einer Aussendung. Alexandra Rümmele-Waibel, die Kurienobfrau der niedergelassenen Ärzte, sprach von immer länger werdenden Wartezeiten und ausgelasteten Ordinationen. Oftmals könnten keine neuen Patienten mehr aufgenommen werden.

„Der Versorgungsbedarf steigt enorm, die Zahl der Kassenstellen jedoch stagniert“, kritisierte Rümmele-Waibel. Die Sicherstellung der Versorgung mit Kassenärzten sei Aufgabe der Sozialversicherungsträger, unterstrich Walla. Die diesbezügliche Verantwortung liege seit 2024 ausschließlich bei ÖGK und Land. Die Vorarlberger Ärzteschaft habe bisher mit dem sogenannten Job-Sharing reagiert: Dabei teilen sich zwei Ärzte eine Kassenstelle und können die Versorgungskapazität dieser einen Stelle auf bis zu 190 Prozent erweitern. Für zusätzliche Job-Sharings sei nun aber kein Geld mehr vorhanden.

Aufgrund der Wirtschaftslage sei nicht damit zu rechnen, dass das für neue Kassenstellen benötigte Geld über Beitragseinnahmen in die ÖGK fließe, so Walla. „Hier wird der Staat kurzfristig aushelfen müssen, damit das Gesundheitssystem nicht gänzlich gegen die Wand fährt“, befand der Ärztekammer-Präsident. In weiterer Folge müssten endlich sinnvolle Maßnahmen zur Patientenlenkung geschaffen werden. „Der vom Land angekündigte Ausbau der Gesundheitshotline 1450 beispielsweise wird aber erst dann funktionieren, wenn es auch die nötigen Kassenärzte gibt, an die man über die Nummer verwiesen wird“, sagte Rümmele-Waibel. Und schließlich muss laut Walla ein gänzlich neues Finanzierungssystem angedacht werden. Es könne nicht sein, dass die ärztliche Versorgung der Bevölkerung vom Bruttoinlandsprodukt abhänge, das gehe sich schon aufgrund der demografischen Entwicklung nicht mehr länger aus.

(APA/red.)

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

USAID-Abschaffung: Hilfswerke warnen vor globalem Notstand
USA

USAID-Abschaffung: Hilfswerke warnen vor globalem Notstand

Expertin für globale Gesundheit: Millionen Menschen durch Entwicklungshilfe-Kürzungen und Schließung von Gesundheits- und Hilfsprojekten betroffen - "Pandemie des Egoismus" auch in Europa.

Klimakompetenz im heimischen Gesundheitssektor gefordert

Klimakompetenz im heimischen Gesundheitssektor gefordert

Eine Allianz von 30 Organisationen hat sich in einem offenen Brief an die zuständigen Ministerien gewandt, um Klimakompetenz in den Gesundheitsberufen einzufordern. Sowohl in der Aus-, Weiter-, und Fortbildung herrsche der Bedarf einer entsprechenden strategischen Implementation.