Analysen: Viele seltene Erkrankungen mit ähnlichen Ursachen

Lesedauer beträgt 2 Minuten
Autor: Scho

Unterschiedlichste Krankheiten, bei denen das Immunsystem den eigenen Körper angreift oder grundlos Entzündungen auslöst, wie chronische Darmerkrankungen, Multiple Sklerose, „Schmetterlingsflechte“ (Lupus erythematodes) und Diabetes (Typ 1), haben eng verwandte Ursachen, berichten Wiener Mediziner. Bei ihnen ist ein Netzwerk an „Schlüsselgenen“ beteiligt, die normalerweise das Immunsystem probat regulieren. Die Studie wurde im Fachjournal „Science Advances“ veröffentlicht.

Kaan Boztug, Julia Guthrie und Jörg Menche haben miteinander interagierender Schlüsselgene identifiziert, die seltene Krankheiten auslösen können.

Ein Team um Kaan Boztug und Julia Guthrie vom Forschungszentrum für Molekulare Medizin (CeMM) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) untersuchte mit Computernetzwerkanalysen, wie die Urheber von 186 seltenen Erkrankungen miteinander in Verbindung stehen. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Autoimmun- und Autoinflammatorische Erkrankungen, bei denen das Immunsystem eigenes Gewebe angreift und Entzündungen ohne fremde Ursache entstehen. Die Forscher identifizierten ein Netzwerk miteinander interagierender Schlüsselgene, die solche Krankheiten auslösen können. „Sie liegen bei Autoimmun- und Autoinflammatorischen Erkrankungen genau im Zentrum der involvierten Gene“, so Guthrie.

„Mithilfe der Auswertung wurden die Erkrankungen neu klassifiziert, und wir haben berechnet, welche Therapien für die jeweilige Gruppen die besten Ergebnisse erzielen könnten“, heißt es in einer Aussendung des CeMM. Die Vorhersagen, welche Therapien erfolgversprechend sind, sollten mithilfe der Netzwerkanalysen „erheblich präziser sein als bei der bisherigen Vorgehensweise“, meint Boztug.

Die Fachpublikation finden Sie hier.

(APA/red.)

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Teil des GPS-Systems im Gehirn arbeitet auch als Außen-Radar

Teil des GPS-Systems im Gehirn arbeitet auch als Außen-Radar

Der Mensch sammelt ständig Informationen über die Lage seines Körpers im Raum - also woher man gerade kommt, welche Richtung eingeschlagen und in welche Richtung der Blick gerichtet ist.

Ultraschall öffnet Blut-Hirn-Schranke für Alzheimer-Arznei
Alzheimer

Ultraschall öffnet Blut-Hirn-Schranke für Alzheimer-Arznei

US-Wissenschafter haben eine neue Methode erprobt, um Arzneimittel besser ins Gehirn zu bringen. Bei drei Alzheimer-Patienten steigerte die Ultraschallbestrahlung einer Gehirnregion die Aufnahme des Medikaments Aducanumab.

Daten in der Gesundheitsvorsorge sinnvoll nutzen

Daten in der Gesundheitsvorsorge sinnvoll nutzen

Die jährliche build.well.being ist ein Open-Access-Networking-Event für Macherinnen im digitalen Gesundheitswesen. In einer kompakten Nachmittagssession treffen Fachleute aus dem Gesundheitswesen auf Entwicklerinnen, angewandte Wissenschaft auf innovative Ideen von Studierenden sowie Unternehmen auf Start-ups und ExpertInnen.