Aortenklappe per Katheter hilft oft jungen Patienten

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Autor: Scho

Die interventionelle Kardiologie mit im Vergleich zur Herzchirurgie schonenderen Eingriffen erobert sich immer neue Anwendungsgebiete. Eine beim Jahreskongress der US-Herzspezialistengesellschaft ACC vorgestellte deutsche Studie hat gezeigt, dass das Einfügen einer neuen Aortenklappe per Herzkatheter auch bei jüngeren Menschen mit geringem bis mittlerem Operationsrisiko sehr gut funktioniert.

„Eine Aortenklappenstenose (Verengung der Aortenklappe; Anm.) ist einer der häufigsten Herzklappenfehler, bei der die Aortenklappe der linken Herzkammer den Blutfluss in die Aorta durch Verengungen oder Entzündungen behindert“, hieß es jetzt in einer Aussendung der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf. Aortenklappenschäden sind höchst gefährlich, die Sterblichkeit ist hoch.

Ehemals war ein großer herzchirurgischer Eingriff (chirurgischer Aortenklappenersatz – SAVR) zum Einfügen einer künstlichen Aortenklappe mit Verwendung der Herz-Lungen-Maschine, Aufenthalt auf der Intensivstation etc. die einzige ursächlich wirksame und potenziell erfolgreiche Behandlungsmöglichkeit. Doch viele ältere Patienten mit einem hohen Operationsrisiko – zum Beispiel wegen anderer Begleiterkrankungen – kamen dafür nicht infrage. Die Einführung der Technik mit dem Einfügen einer neuen künstlichen Aortenklappe via Herzkatheter (TAVI-Eingriff) stellten einen entscheidenden Fortschritt dar. Vielen Hoch- und Höchstbetagten kann damit das Leben gerettet werden.

Die Frage blieb bisher, ob auch bei anderen Patienten mit Bedarf für eine „neue“ Aortenklappe eine TAVI-Intervention zumindest gleich gut wie ein chirurgischer Aortenklappenersatz ist. Deshalb starteten Stefan Blankenberg vom Herz- und Gefäßzentrum der Hamburger Universitätsklinik vor einigen Jahren eine Vergleichsstudie. Im Zeitraum von Mai 2017 bis September 2022 wurden an 38 deutschen Herzzentren insgesamt 1.414 Patienten in die industrieunabhängige Untersuchung aufgenommen. Der Beobachtungszeitraum sollte fünf Jahre betragen.

Die für die Studie ausgewählten Patienten wurden per Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt und erhielten entweder einen kathetergestützten Aortenklappenersatz oder einen chirurgischen Klappenersatz. Das Durchschnittsalter betrug 74 Jahre, 57 Prozent der Teilnehmer waren Männer. Schon nach kurzer Zeit zeigten sich Unterschiede zwischen den beiden Gruppen.

„Nach der Auswertung der Einjahresdaten konnten wir zeigen, dass die kathetergestützte Intervention dem operativen Klappenersatz gleichwertig ist. Dafür haben wir uns die Gesamtsterblichkeit und Schlaganfälle nach dem Eingriff als zentrale Kriterien in den beiden Patientengruppen angeschaut. Die Ergebnisse waren so überraschend eindeutig, dass sie die Therapie der Aortenklappenstenose auch bei jüngeren Patienten und solchen mit einem niedrigen Operationsrisiko künftig stark beeinflussen werden“, fasste Blankenberg die Resultate zusammen.

Schnellere Heilung, bessere Lebensqualität

„Gleichwertig“ erscheint bei den Detailergebnissen, die zeitgleich zur Präsentation der Studie beim ACC-Kongress in Atlanta (6. bis 8. April) im US-Bundesstaat Georgia auch im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht worden ist, eher vorsichtig formuliert. Die Wissenschafter stellten fest, „dass bei Patienten mit kathetergestützter Therapie die Gesamtsterblichkeit und das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, ein Jahr nach dem Eingriff um 47 Prozent geringer lag als bei Patienten mit chirurgischem Aortenklappenersatz“, schrieb die Universitätsklinik Hamburg.

Daher stellten TAVI-Eingriffe auch bei Menschen und Aortenklappenstenose mit mittlerem bis niedrigem Operationsrisiko eine gute Behandlungsmöglichkeit dar. Das wirkt sich auch besonders gut auf die Betroffenen aus: TAVI-Interventionen ohne „großen Schnitt“ sind natürlich wesentlich weniger belastend. Es gibt keine Operationswunden. Die Behandelten können das Krankenhaus schneller verlassen und wiesen in der Studie insgesamt eine bessere Lebensqualität auf.

Aortenklappenstenosen werden immer häufiger. Mit fortschreitendem Alter kann es nämlich durch degenerative Veränderungen an den Taschen der Aortenklappe zu Verengungen kommen. Können sich die Klappen nicht mehr richtig öffnen und schließen, muss der Herzmuskel mehr Kraft aufwenden, um Blut in den Körperkreislauf zu pumpen. Mögliche Folgen sind Veränderungen der Muskulatur der linken Herzkammer und eine Abnahme der Herzleistung. Bei einer solchen auftretenden Herzinsuffizienz sinkt die Lebenserwartung der Betroffenen auf rund zwei Jahre.

Die Fachpublikation finden Sie hier.

(APA)

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