Es ist wieder soweit. In Wien wurde am Donnerstag der Österreichische Gesundheitswirtschaftskongress 2026 eröffnet – es ist die mittlerweile 16. Auflage dieses Branchentreffens, ein Stelldichein von Anbietern, Kunden, Entscheidungsträgern. Und vor allem auch: Zeit zur Befundung eines Feldes, das sich im Umbruch befindet; in dem digitale Innovationen zur Revolution angerollt sind. Einem Feld aber auch, das den Spardruck der öffentlichen Hand zu spüren bekommt, wie kaum ein anderes.
„WIR.K.S.A.M. – Wir könnten sicher auch mehr“, so der Titel der heutigen Ausgabe des ÖGWK 2026. Wie Kongresspräsident Heinz Brock bei der Eröffnung ausführt: Man wolle den Fokus nicht auf Defizite legen, sondern auf die Potenziale. Unwegbarkeiten in globaler Wirtschaft und Geopolitik aber auch die Demografie werde man nicht direkt beeinflussen können. Man könne aber Strukturreformen lenken. Und man könne über verbindliche Kooperationen abfedernd wirken. Als „Inspiration“ wolle er die Beiträge am Donnerstag und Freitag verstanden wissen, so Heinz Brock.
Den tatsächlichen Fragen im Gesundheitssystem nachzuspüren, sei das Ziel des Kongresses, so Alexander Barta, Geschäftsführer des Springer-Verlags. Die zentrale Säule dabei: Eine umfangreichen Befragung zur Wirksamkeit des Gesundheitssystems innerhalb der Community des Springer-Verlags – also unter Personen, die im System arbeiten.

Es war Anton Prettenhofer vom Institut pluswert, der die „Befragung zur Wirksamkeit des Gesundheitssystems“ präsentierte. 700 Personen haben an der Befragung teilgenommen, die allermeisten davon mit langjähriger Erfahrung in der Branche, eine Mehrheit in Führungspositionen, ein beträchtlicher Teil in Tätigkeiten mit direktem Patientenkontakt. Die Resultate seien ein „Anregungen oder Appetithappen zur Diskussion“, so Prettenhofer. Dabei ist das Kernergebnis ein durchaus schwerer zu verdauender Brocken ist: 51 Prozent der Befragten glauben, dass das Gesundheitssystem großer Änderungen bedarf. 33 Prozent glauben sogar, eine komplette Neuaufstellung sei notwendig. Nur 13 Prozent glauben, dass Feinjustierungen im System ausreichen. Bagger und Bulldozer also, anstatt Feinputz? Strukturwandel oder Veränderungen innerhalb von Strukturen? Oder ist das Vorhandene genug und muss nur optimiert werden?
Da ist das zweite zentrale Resultat der Befragung: Es braucht mehr Kooperation. 77 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass Kooperation und Berufsgruppen-überschneidende Zusammenarbeit das System effizienter machen können. Und woran scheitert Kooperationen demnach: an Strukturen und Bürokratie (55 Prozent), an Hierarchien (55 Prozent), an finanziellen Interessen (54 Prozent). Kooperation wird demnach eines der Schlüsselworte sein in den kommenden Tagen – Hintergrundprozesse, Bürokratie, Strukturen.
Und dazu noch das Stichwort: Digitalisierung. Die absolute Mehrheit der Aussteller auf dem ÖGWK 2026 beschäftigen sich mit spezialisierten digitalen Anwendungen.
Von „könnten“ zu „können“
Das Motto des Kongresses bringe die Herausforderungen auf den Punkt, so Peter Hacker, Gesundheitsstadtrat Wiens (SPÖ). Das Gesundheitssystem sei einfach und kompliziert zugleich: „Die Menschen zahlen Steuern und wollen eine Leistung, wenn sie sie brauchen“, so der Stadtrat. Kompliziert werde es, wenn der Fokus verloren gehen und Partikularinteressen überhand nehmen würden. Das Gesundheitssystem sei nicht „too big to fail“, mahnt Hacker. Auch große Systeme könnten bombastisch scheitern.
Wirksam zu sein, sei das Ziel, so Ulrike Königsberger-Ludwig, Staatssekretärin für Arbeit und Soziales (SPÖ), in ihrem Eröffnungsstatement. Die Herausforderungen seien riesig. Systeme müssten weiter entwickelt werden. Die Kernfrage sei, so Königsberger-Ludwig: Wie könnten Schnittstellen zu Nahtstellen werden? Und: Veränderung sei das einzig Beständige.
Aus dem „könnten“ ein „können“ zu machen – darum geht es also in den kommenden zwei Tagen.
(red.)


