Cholesterinsenker verhindern Schlaganfälle

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Autor: Scho

Weltweit nehmen viele Millionen Menschen täglich sogenannte Statin-Medikamente ein, um ihre erhöhten Cholesterinwerte zu reduzieren und so vor allem Atherosklerose und (weiteren) Herzinfarkten vorzubeugen. Immer mehr zeigt sich aber, dass diese Arzneimittel noch viele zusätzliche Effekte haben. Laut einer aktuellen Studie mit mehr als 50.000 Teilnehmern verringern sie auch stark das Schlaganfallrisiko von Menschen mit Vorhofflimmern des Herzens.

An Vorhofflimmern leiden weltweit rund 40 Millionen Menschen. Sie haben ein um den Faktor 5 erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall, weil durch diese häufigste Herzrhythmusstörung Blutgerinnsel aus dem Herzen ins Gehirn gelangen können. Jiayi Huang von der University Hongkong und ihre Co-Autoren haben jetzt für den Zeitraum von 2010 bis 2018 die Daten von 51.472 Patienten mit einer solchen Diagnose analysiert, von denen 11.866 auch die Cholesterinsenker einnahmen. Die Beobachtungszeit lief bis 31. Oktober 2022.

Wie die Wissenschafter in ihrer am Sonntag beim Jahreskongress des Europäischen Herz-Rhythmologen-Verbandes (EHRA) in Barcelona in Spanien präsentierten Studie herausfanden, haben die Cholesterinsenker (in Österreich z.B. Simvastatin, Atorvastatin, Rosuvastatin etc.) offenbar auch einen Effekt auf die Häufigkeit von Schlaganfällen bei den Patienten mit Vorhofflimmern: In der Beobachtungszeit von bis zu fünf Jahren hatten die Probanden (mittleres Alter: 75 Jahre), die zumindest 90 Tage vor der Diagnose der Herzrhythmusstörung ein Statin-Medikament eingenommen hatten, ein um 17 Prozent geringeres Risiko für einen ischämischen Schlaganfall oder sonst eine embolische Akuterkrankung (Blutgerinnsel). Die Gefahr für eine Gehirnblutung verringerte sich um sieben Prozent.

Reduzierte Häufigkeit

Je länger die Probanden vor der Diagnose von Vorhofflimmern bereits einen Cholesterinsenker eingenommen hatten, desto größer war die Wirkung in Sachen Schlaganfälle: Im Vergleich zu Patienten, die Statin-Medikamente bereits zwischen drei Monate und zwei Jahre lang geschluckt hatten, reduzierte sich die Häufigkeit von ischämischen Schlaganfällen bzw. Embolien bei Statin-Gebrauch länger als sechs Jahre noch einmal um 43 Prozent. Ähnlich groß war der Effekt der Statine in dieser Patientengruppe bei den Gehirnblutungen. Auch hier reduzierte sich das Risiko mit der Dauer der Einnahme dieser Arzneimittel.

Grundsätzlich sollten Menschen mit Vorhofflimmern mit die Blutgerinnung verringernden Medikamenten zur Prophylaxe der Bildung von Blutgerinnseln im Herzen behandelt werden. Doch die Cholesterinsenker haben offenbar einen zusätzlichen Wert. Der positive Effekt war nämlich gleich stark, ob die Probanden gerinnungshemmende Medikamente einnahmen oder nicht. Statine dürften längst nicht nur über die Senkung der Cholesterinwerte wirken. Sie dämpfen auch chronische Entzündungsprozesse im Körper, was zu zusätzlich positiven Effekten führen dürfte.

(APA/red.)

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