Dekarbonisierung ist ein Marathon, kein Sprint

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Autor: Scho

Insbesondere für produzierende Unternehmen sind die Herausforderungen am Weg zur Erreichung der Klimaziele groß. In einem gemeinsamen Forschungsprojekt mit dem AIT Austrian Institute of Technology analysieren vier Pharmaunternehmen an fünf Standorten – von Tirol über Niederösterreich bis Wien – ihre Produktionsprozesse, um den CO2-Ausstoß über die nächsten Jahre gegen null zu reduzieren.

Zentrale Frage des Forschungsprojektes ist, wie in Zukunft die Wärme-, Kälte- und Energieversorgung eines Pharmaunternehmens CO2-frei erfolgen kann. Dazu Alexander Herzog, Generalsekretär der PHARMIG: „Viele Unternehmen der pharmazeutischen Industrie setzen im Umwelt- und Klimaschutz bereits umfassende Maßnahmen – und das nicht erst seit heute. Ein Forschungsprojekt wie ‚DekarbPharm‘ eröffnet darüber hinaus die Chance, in einem gesicherten Umfeld den Ist-Zustand zu verbessern und die Zukunft neu und anders zu planen.“

Finanziert wird das Projekt durch eine Förderung der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) sowie durch Bar- und Eigenleistungen der Partner, sprich der PHARMIG und der vier teilnehmenden pharmazeutischen Unternehmen mit insgesamt fünf Produktions-, Forschungs- und Entwicklungsstandorten: Boehringer Ingelheim RCV GmbH & Co KG in Wien, Novartis / Sandoz GmbH in Kundl/Schaftenau, Pfizer Manufacturing Austria GmbH in Orth an der Donau und Takeda Manufacturing Austria GmbH in Orth an der Donau und in Wien.

„Technologien, Infrastrukturen und Rahmenbedingungen“

„DekarbPharm“ ist auf zwei Jahre angelegt. „Auch wenn das für ein derartig komplexes Projekt eine kurze Zeitspanne ist, gleicht das Projekt mehr einem Marathon als einem Sprint. Schließlich dauert jedwede Umstellung auf kohlenstoffarme Energiequellen eine bestimmte Zeit. Außerdem soll das Forschungsprojekt ja langfristige Auswirkungen haben“, so Herzog. Das Ergebnis des Forschungsprojektes soll ein Maßnahmenfahrplan sein, der den pharmazeutischen Unternehmen aufzeigt, wie sie künftig CO2-neutral arbeiten können. Dabei geht es auch darum, die infrastrukturellen Rahmenbedingungen des jeweiligen Produktionsstandortes einzubeziehen. Denn nicht überall lässt sich der gleiche, kohlenstoffarme Energiemix realisieren. Darüber hinaus ist ein „Dekarbonisierungswerkzeug“ in Form einer Software geplant, das der Branche zur Verfügung gestellt wird. Gerwin Drexler-Schmid, Projektkoordinator beim AIT Austrian Institute of Technology, erklärt dazu: „Wir werden im Projekt Technologien, Infrastrukturen und Rahmenbedingungen identifizieren, damit die pharmazeutischen Hersteller in Österreich so kostengünstig wie möglich CO2- neutral werden können. Angesichts des begrenzten Zeitrahmens fokussieren wir auf Technologien, wie beispielsweise der Einsatz von Hochtemperatur-Wärmepumpen, Photovoltaik, thermische und elektrische Speicher, die bereits verfügbar sind oder die es in naher Zukunft geben wird.“

Fest steht, dass mit dem Ziel der CO2-Neutralität und damit sinkender fossiler Energie der erneuerbare Strombedarf wächst. Direkte Elektrifizierung der Prozesse und indirekte Elektrifizierung durch Industriewärmepumpen ermöglichen höhere Energieeffizienzen, wodurch der Energiebedarf sinkt. Eine Herausforderung dabei ist die Produktion und der Transport dieser Strommengen.

Daher werden im Projekt die Produktionsstandorte hinsichtlich ihrer möglichen Dekarbonisierungswege und Potenziale untersucht. Drexler-Schmid über den aktuellen Status im Projektverlauf: „Aktuell werden von den fünf beteiligten Standorten Energiedaten erhoben und analysiert. Im nächsten Schritt geht es um die Analyse von energierelevanten Schlüsseltechnologien. Dazu werden am Standort bereits genutzte Technologien und gegebenenfalls energieeffiziente Alternativen gescreent und hinsichtlich ihres möglichen Beitrags zur Dekarbonisierung der Industrie gegenübergestellt“. Aus diesen Analysen entstehen dann standortspezifische Strategien, welche kostengünstigen Technologien zur Energieerzeugung und -umwandlung eingesetzt werden können und ob sich dadurch neue Infrastrukturanforderungen ergeben.

(OTS/red.)

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