Deutschland prescht bei Lungenkrebs-Screening vor

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Autor: Scho

Erst vor wenigen Tagen hat die Österreichische Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) die Entwicklung eines Plans für ein Lungenkrebs-Früherkennungsprogramms angekündigt. Unter den mit Österreich am besten vergleichbaren Staaten prescht jetzt Deutschland vor. Ein Gesetzesentwurf legt bereits die Voraussetzungen für das Screening fest: Untersucht werden sollen starke Raucher zwischen dem 50. und 76. Lebensjahr.

Der sogenannte „Referentenentwurf“ aus dem deutschen Ministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz soll nach Verabschiedung durch die Regierung und die Annahme im Deutschen Bundestag die Basis für eine Verordnung zum Lungenkarzinom-Screening schaffen, wie das Deutsche Ärzteblatt jetzt berichtet hat: „Zu den Voraussetzungen für einen möglichen Anspruch auf ein solches Screening gehören unter anderem bestimmte Raucherzeiten wie mindestens 25 Jahre (Zigaretten-) Konsum und ein Verbrauch von umgerechnet 15 Packungs­jahren (sogenannte Pack-Years, also Jahre mit einer Packung Zigaretten pro Tag; Anm.) sowie ein pneumologisches Risikoprofil.“ Raucht jemand zum Beispiel zwei Packungen Zigaretten pro Tag, sind es nach einem Jahr bereits zwei Pack-Years.

Die Untersuchten sollten aktuelle Raucher oder Personen sein, die mit dem Zigarettenkonsum vor nicht länger als zehn Jahren aufgehört haben. Bei solchen Programmen sind auch die Qualitätskriterien für die Tests wichtig. In Deutschland sollen nur Radiologen, die vor dem Start des Programms pro Jahr mindestens 200 Lungen-Computertomografien durchgeführt und befundet haben, dazu berechtigt sein. Im ersten Jahr müssen sie mindestens hundert Screening-Untersuchungen mit der sogenannten Low-Dose-Computertomografie abwickeln, im zweiten Jahr dann mindestens 200.

Zuvor hatte sich auch die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) für ein systematisches Programm zur Früherkennung von Lungenkrebs ausgesprochen. Jeder dafür geeignete Krankenversicherte im Erwachsenenalter sollte die Möglichkeit dazu bekommen. Die deutsche Gesundheitspolitik habe das Thema der Lungenkrebs-Früherkennung viel zu lange vernachlässigt.

Vorsorge senkt Sterblichkeit

„In diversen Studien konnte gezeigt werden, dass mittels regelmäßiger Low-Dose-Computertomografie-Untersuchungen die Lungenkrebs-Sterblichkeit bei Risikogruppen in einem Beobachtungszeitraum von zehn Jahren um bis zu 20 Prozent gesenkt werden konnte“, hat erst vor wenigen Tagen ÖGP-Vizepräsident Bernd Lamprecht erklärt. „Bei Frauen war der Nutzen einer solchen Vorsorgeuntersuchung mit einer Reduktion von 40 bis 60 Prozent der Sterblichkeit sogar noch deutlicher.

In den USA ist ein solches Screening bei starken und langjährigen Rauchern bereits etabliert. Dort sollen alle Personen zwischen 50 und 80 Jahren mit bereits 20 Jahren und einer Packung Zigaretten pro Tag (20 Pack-Years) einmal jährlich zu einer Niedrig-Dosis-Computertomografie gehen, wenn sie aktuell rauchen oder innerhalb der vergangenen 15 Jahren mit dem Zigarettenkonsum aufgehört haben. Im Rahmen eines landesweiten Pilotprojektes in Ungarn wurde bei 1,5 Prozent der Teilnehmer eine Lungenkarzinom-Diagnose gestellt. Die meisten bösartigen Veränderungen der Lunge wurden in einem frühen Stadium entdeckt (86,2 Prozent).

Für Österreich wurde errechnet, dass ein organisiertes Lungenkrebsscreening-Programm die jährlich rund 4.000 Lungenkarzinom-Todesfälle um ein Viertel verringern könnte. In Österreich werden derzeit nur rund 20 Prozent der Lungenkarzinom-Erkrankungen in einem frühen Stadium mit noch hohen Heilungschancen entdeckt.

(APA/red.)

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