In der Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck ist eine in dieser Form in Westösterreich einzigartige Wohngemeinschaft für junge Menschen mit Essstörungen eröffnet worden. Sieben Mädchen und Burschen zwischen zwölf und 21 Jahren mit Anorexie und Bulimie werden dort Platz finden und von einem „multiprofessionellen“ Team betreut werden, teilte das Land in einer Aussendung mit. Das Diakoniewerk betreibt die Einrichtung im Auftrag des Landes.
Bisher waren Kinder und Jugendliche mit entsprechender Erkrankung nach einem Klinikaufenthalt, falls erforderlich, im benachbarten Ausland oder in Oberösterreich versorgt worden. Nun soll den jungen Menschen eine wohnortnahe Einrichtung zur Verfügung stehen. Dort werden die an „Magersucht“ (Anorexie) sowie „Ess-Brech-Sucht“ (Bulimie) leidenden Kinder und Jugendlichen rund um die Uhr von einem 14-köpfigen Team bestehend aus Psychologen, Sozialbetreuern, Sozialpädagogen, Diätologen und Pflege-Fachkräften betreut.

Die Warteliste für eine Aufnahme an der Essstörungsstation in der Kinder- und Jugendpsychiatrie Hall habe sich in den vergangenen fünf Jahren deutlich verlängert, berichtete Kathrin Sevecke, Direktorin der Kinder- und Jugendpsychiatrie Hall und Innsbruck. Auch seien die Patientinnen und Patienten oft jünger und in schlechterem körperlichem Zustand. Die neue „Essstörungs-WG“ sei demnach dringend notwendig und schließe eine Versorgungslücke.
Essstörungen seien „ernsthafte psychische Erkrankungen, die das Leben junger Menschen – vielfach Mädchen – und ihrer Familien tiefgreifend belasten“, wurde die für Kinder- und Jugendhilfe zuständige Soziallandesrätin Eva Pawlata (SPÖ) zitiert. Die neue Wohngemeinschaft biete Betroffenen nun einen „geschützten Rahmen“ bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung des sozialen Umfelds. Auch Gesundheitslandesrätin Cornelia Hagele (ÖVP) sah eine „entscheidende Lücke in der Gesundheitsversorgung für junge Menschen mit Essstörungen“ geschlossen.
Die Wohngemeinschaft ist im Haus der Freundschaft in der Gramartstraße untergebracht. Die Kosten für die Wohngemeinschaft trägt das Land Tirol, je nach Einkommensverhältnissen ist für die Familien ein Selbstkostenbeitrag möglich. Betroffene und Angehörige können sich bei Bedarf direkt bei der Wohngemeinschaft melden, hieß es.
(APA/red.)


