Erstmals über 100 Millionen Euro Testamentsspenden

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Autor: Scho

Besonders zu Allerheiligen setzen sich viele Menschen mit dem Tod und dem eigenen Vermächtnis auseinander. Immer mehr wollen selbst bestimmen, was nach dem Ableben mit ihrem Vermögen passiert. Erstmals werden heuer über 100 Mio. Euro in Form von Vermächtnissen für den guten Zweck vererbt und entfalten ihre Wirkung in allen gemeinnützigen Bereichen. Damit haben sich Testamentsspenden in Österreich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Gleichzeitig ist der Informationsbedarf beim Thema Erbrecht und Testament hierzulande enorm – das zeigt eine Market-Studie im Auftrag von „Vergissmeinnicht – die Initiative für das gute Testament“.

In Österreich werden jährlich fast 100.000 Verlassenschaftsverfahren abgewickelt, leider oftmals begleitet von langwierigen Erbstreitigkeiten. Laut Studie der niederösterreichischen Rechtsanwaltskammer war jeder vierte Österreicher bereits einmal in Erbstreitigkeiten involviert. Meist liegt der Grund darin, dass kein oder ein fehlerhaft verfasstes Testament vorliegt. Dies verhindert, dass der letzte Wille von Verstorbenen wunschgemäß erfüllt wird. Laut Market-Studie geben 70% der Menschen an, kaum über die gesetzliche Erbfolge informiert zu sein, rund 85% kennen die Formvorschriften für Testamente nicht. Erst 30% der über 40-Jährigen haben mit einem Testament vorgesorgt.

Niederschwellige Information: Nachfrage enorm

„Vergissmeinnicht – die Initiative für das gute Testament“ mit mittlerweile über 100 Mitglieder-Organisationen aus allen gemeinnützigen Bereichen hat es sich gemeinsam mit der Notariatskammer zur Aufgabe gemacht, dem großen Informationsdefizit nachzukommen. Die Initiative klärt u.a. mit Veranstaltungen in ganz Österreich, einem Erbrechtsratgeber, einem Podcast mit Notaren und dem digitalen Testamentsrechner kostenlos auf, warum es wichtig ist, seinen Nachlass zu regeln und was dabei zu beachten ist. Gleichzeitig kommt Vergissmeinnicht dem stark gestiegenen Interesse an einer Erbschaft für den guten Zweck entgegen. Ein eindeutiger Trend der vergangenen Jahre, wie Vergissmeinnicht-Leiter Markus Aichelburg betont: „Immer mehr Menschen möchten selbst entscheiden, was nach dem Tod mit ihrem Hab und Gut passiert. Sie möchten vielfach, dass es jenen gemeinnützigen Zwecken zugutekommt, die ihnen schon zu Lebzeiten wichtig waren.“

Hinter der Idee der Testamentsspende steht die Überzeugung, dass man mit einem Vermächtnis für den guten Zweck nachhaltig positive Spuren hinterlassen kann. Dieser Gedanke steht bei den Österreichern hoch im Kurs: Laut Prognose des Fundraising Verband Austria werden 2022 erstmals über 100 Mio. Euro auf diesem Weg gespendet, womit jeder neunte Spendeneuro aus einem Vermächtnis stammt. „2.000 Österreicherinnen und Österreicher jährlich entscheiden sich dazu, neben Verwandten und Freunden auch gemeinnützige Einrichtungen testamentarisch zu bedenken.“, so Aichelburg. Laut Market-Studie können sich 16% der Bevölkerung über 40 eine Testamentsspende persönlich vorstellen. 25% wären bereit, NPOs als Ersatzerben einzusetzen.

Testamentsspenden unverzichtbar für Dritten Sektor

Zentraler Beweggrund zu einer testamentarisch festgelegten Spende ist der Wunsch, damit nach dem Ableben etwas Gutes tun zu können. Starke Argumente unter Spendenden sind aber auch der persönliche Bezug zu einer bestimmten Organisation und der Wunsch, dass das Vermögen nach dem Ableben nicht an den Staat gehen soll. Dieser Fall tritt ein, wenn kein Testament vorliegt und auch keine gesetzlichen Erben vorhanden sind (2019 über 13 Mio. Euro). Rund die Hälfte der Testamentsspender sind den Organisationen bereits im Vorfeld als Unterstützer bekannt. Fast 90% sind kinderlos.

Aufgrund des großen Zuspruchs der Bevölkerung sind Testamentsspenden heute eine tragende Stütze für die wichtigen Aufgaben von Hilfsorganisationen. Sie entfalten ihre Wirkung in allen gemeinnützigen Bereichen, vom Kinder- und Jugendschutz bis hin zur humanitären Hilfe in der Ukraine. Tendenziell werden moderate Vermögen zwischen 50.000 und 100.000 Euro vererbt. Dass einzelne besonders großzügige Vermächtnisse nachhaltig Gutes bewirken können, weiß auch Dorothée Berghaus vom Blinden- und Sehbehindertenverband Wien, NÖ und Burgenland: „Angesichts der Pandemie drohte das Aus für unser herausragendstes Projekt im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe, das Massageinstitut Beste Hände, in dem es die Menschen mit Sehbehinderung selbst sind, die zu Helfenden werden. Mit der großzügigen Erbschaft des im vergangenen Winter verstorbenen Herrn Akita Ito konnten die Verluste aufgefangen und das Fortbestehen unseres beliebten Instituts gesichert werden. Herr Ito verbrachte viele glückliche Jahre in Wien und hat es als selbstverständlich angesehen, den Hilfsbedürftigen in seiner Gastheimat etwas zu hinterlassen.“

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