Innsbrucker Gerichtsmedizin entdeckte Brandopfer-Biomarker

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Autor: Scho

Das Team der Innsbrucker Gerichtsmedizin unter Federführung der neuen, seit Juli 2023 amtierenden Direktorin Elke Doberentz hat im Zuge der Untersuchung von hunderten Brandopfern ein „Hitzeschock-Protein“ entdeckt. Mit diesem „Biomarker“ lasse sich bestimmen, ob die jeweilige Person bereits vor oder nach Ausbruch des Feuers tot gewesen sei, sagte Doberentz am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Innsbruck.

Sie und ihr Team seien zudem zur wissenschaftlichen Erkenntnis gekommen, dass sich ebenjenes „Hitzeschock-Protein“ nur dann bilde, wenn es extreme Temperatureinwirkungen auf die Organe von lebendigen Menschen gebe, so die zuletzt in Bonn tätige Gerichtsmedizinerin. „Diese Proteine sind dann vorwiegend in Nieren und Lunge zu finden“, erklärte Doberentz.
Das Prozedere selbst laufe wie folgt ab: „Zuerst werden die Proben bei der Obduktion entnommen und schließlich im Labor gefärbt“, führte Doberentz aus. Daraus gewinne man schließlich einen „sehr verlässlichen Marker“ zur Bestimmung des Todeszeitpunktes der Opfer.

Sie werde sich aber ganz sicher „nicht nur mit Brandopfern“ beschäftigten, stellte sie klar. Vergleichbare Marker – die es in nächster Zeit noch genauer zu bestimmen gelte – gebe es etwa auch bei Erfrierungstoten. „In dieser Sache sind in nächster Zeit umfangreiche Untersuchungen geplant“, strich die Wissenschafterin heraus.

Elke Doberentz, Leiterin des Instituts für Gerichtliche Medizin in Innsbruck: „Ich möchte ganz grundsätzlich Marker in unterschiedlichen Bereichen finden, die in alle möglichen Routinen einfließen können.“

Ihr Herz schlage für „die verschiedensten rechtlichen Fragestellungen“, sah Doberentz ein weites thematisches Feld, das sie bearbeiten wolle. „Ich möchte ganz grundsätzlich Marker in unterschiedlichen Bereichen finden, die in alle möglichen Routinen einfließen können.“ Mit diesem ganz konkreten Fokus möchte sie in Innsbruck auch die „forensische Medizin“ mehr und mehr etablieren.

An den sonstigen bisherigen Säulen des Institutes für Gerichtliche Medizin, das zur Medizinischen Universität Innsbruck gehört, beabsichtigte Doberentz indes nicht zu rütteln. Weiterhin werde es am Institut umfangreiche DNA-Analysen, Obduktionen oder Abwassermonitoring geben. Für letzteres ist die Innsbruck Gerichtsmedizin auch das österreichweite Referenzlabor. Genau diese Bandbreite sage ihr überaus zu: „Ich schätze es sehr, interdisziplinär zu arbeiten.“

Diese Haltung der neuen Gerichtsmedizin-Direktorin lobte auch der ebenfalls bei dem Pressegespräch anwesende Rektor der Medizinischen Universität Innsbruck, Wolfgang Fleischhacker: „Ich bin froh, dass sie unserem Ruf gefolgt ist.“ Sie sei eine Idealbesetzung, zumal das Institut in Innsbruck „sowohl höchst wissenschaftlich arbeite, als auch die Lehre wichtig sei“, hielt der Rektor fest.

(APA/red.)

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