Jedes vierte Kleinkind weltweit in Ernährungsarmut

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Autor: Scho

Jedes vierte Kind unter fünf Jahren weltweit lebt in schwerer Ernährungsarmut. Das sind 181 Millionen Kinder, hielt das UNO-Kinderhilfswerk UNICEF in einem neuen Bericht fest. Unter den Betroffenen steige die Wahrscheinlichkeit um bis zu 50 Prozent, an Auszehrung, einer lebensbedrohlichen Form von Mangelernährung, zu leiden. Gründe für die Situation seien allgemeine Ungleichheit, Konflikte und die Klimakrise, aber auch schlechte Ernährungspraktiken in wohlhabenden Haushalten.

Von den 181 Millionen betroffenen Kindern sind 65 Prozent in nur 20 Ländern beheimatet. Rund 64 Millionen leben in Südasien und 59 Millionen in Afrika südlich der Sahara. In Somalia befinden sich beispielsweise 63 Prozent der Kinder in großer Ernährungsarmut. Der Bericht „Child Food Poverty: Nutrition Deprivation in Early Childhood“ warnt davor, dass Millionen von Buben und Mädchen unter fünf Jahren keinen Zugang zu einer nahrhaften und abwechslungsreichen Ernährung haben, die ein optimales Wachstum und eine optimale Entwicklung in der frühen Kindheit und darüber hinaus ermöglicht.

Kinder, die höchstens zwei von acht definierten Lebensmittelgruppen verzehren, gelten als von schwerer Kinderernährungsarmut betroffen. Vier von fünf Kindern, die sich in dieser Situation befinden, werden nur mit Muttermilch/Milch und/oder einem stärkehaltigen Grundnahrungsmittel wie Reis, Mais oder Weizen ernährt. Weniger als zehn Prozent davon werden mit Obst und Gemüse ernährt. Und weniger als fünf Prozent erhalten nährstoffreiche Lebensmittel wie Eier, Fisch, Geflügel oder Fleisch.

„Kinder, die in schwerer Ernährungsarmut leben, sind Kinder am Rande des Existenzminimums. Das ist derzeit die Realität für Millionen von Kleinkindern, und das kann irreversible negative Auswirkungen auf ihr Überleben, ihr Wachstum und ihre Gehirnentwicklung haben“, sagte UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell.

Der Bericht warnt, dass sich die Länder noch immer von den sozioökonomischen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie erholen, während die Auswirkungen wachsender Ungleichheiten, Konflikte und der Klimakrise die Lebensmittelpreise und Lebenshaltungskosten auf ein Rekordniveau getrieben haben. Fast die Hälfte (46 Prozent) aller Fälle schwerwiegender Ernährungsarmut bei Kindern sind in armen Haushalten zu finden, in denen Einkommensarmut wahrscheinlich eine der Hauptursachen ist. 54 Prozent der Betroffenen – oder 97 Millionen Kinder – leben jedoch in relativ wohlhabenden Haushalten, in denen schlechte Ernährungspraktiken die Hauptursachen für Ernährungsarmut in der frühen Kindheit sind.

Lebensmittelsysteme müssten umgestaltet werden, so dass nahrhafte, vielfältige und gesunde Lebensmittel die zugänglichste, erschwinglichste und wünschenswerteste Option für die Ernährung von Kleinkindern sind, forderte UNICEF. Die Gesundheitssysteme sollten für die Bereitstellung grundlegender Ernährungsdienstleistungen zur Vorbeugung und Behandlung von Mangelernährung in der frühen Kindheit genutzt werden. Außerdem brauche es Sozialschutzsysteme zur Bekämpfung von Einkommensarmut in einer Weise, die den Nahrungsmittel- und Ernährungsbedürfnissen gefährdeter Kinder und ihrer Familien gerecht wird, betonte das UNO-Kinderhilfswerk.

(APA/red.)

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