Leadership-Strategien gegen den Personalmangel im Gesundheitswesen

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Autor: Scho

„Ressourcen aktiv managen: Utopie vs. Wirklichkeit“, lautete das Motto des 16. qualityaustria Gesundheitsforums, das am 9. November im Ares Tower in Wien und online als Hybrid-Event stattfand. Derzeit kämpft fast der gesamte Gesundheits- und Pflegebereich mit Personalmangel, wie Günther Schreiber, Branchenkoordinator für das Gesundheitswesen bei Quality Austria, anhand von Zahlen untermauert: „Obwohl sich pro Jahr in Österreich rund 10.000 Personen um einen Studienplatz an einer Medizin-Universität bewerben, können wegen Budget- und Ressourcenmangel nur rund 1.800 ein Studium beginnen. Zugleich gehen 2022 und 2023 rund 3.000 Ärztinnen und Ärzte in Pension, was das Problem weiter verschärft.“

Laut Schreiber gibt es zudem derzeit bereits doppelt so viele Wahl- als Kassenärzte, was unter anderem daran liegt, dass Kassenpraxen für das wirtschaftliche Überleben rund 800 bis 1.000 Patienten pro Quartal benötigen. In ländlichen Regionen ist das allerdings manchmal schwer zu erreichen. Hausapotheken in den Arztpraxen könnten die Rentabilität verbessern, stoßen aber auf regulatorische Hürden, wenn sich eine Apotheke in einem bestimmten Radius befindet. Hinzu kommen unterschiedliche Finanzierungstöpfe aus Bund, Land, Gemeinden und Krankenkassen sowie der Mangel an flexiblen Arbeitszeitmodellen für Assistenzärzte.

Ein wichtiger Hebel, um dem Personalmangel in Spitälern und Pflegeeinrichtungen entgegenzutreten, ist laut dem Gesundheitsexperten der Quality Austria professionelles Leadership. Nachdem rund 65 Prozent der Mitarbeiter aufgrund von Konflikten mit Führungskräften kündigen, plädierte Schreiber für ein Umdenken: „Wenn die Führung und die Zusammenarbeit im Team nicht passen, dann kündigen die Leute auch dann, wenn das Gehalt und die sonstigen Rahmenbedingungen gut sind.“ Managen bedeutet im Vergleich zu Leadership primär zu ordnen, zu strukturieren, zu planen, Maßnahmen um- und durchzusetzen. Leadership hingegen beinhaltet unter anderem auch gute Stimmung zu verbreiten und das Beste aus den Mitarbeitern herauszuholen.

Leadership bedeutet auch Verantwortung abzugeben

Eva Maria Kirchberger, Senior Teaching Fellow Enterprise & Innovation am Imperial College London, widmete sich dem Thema Agile Führung – auch „Servant Leadership“ genannt. „Um die Mitarbeiter so zu fördern, dass sie die besten Resultate erzielen, muss man Kontrolle abgeben. Das führt dazu, dass die Mitarbeiter selbst motiviert sind und man sich auf ihren Einsatz verlassen kann“, so die Expertin. Die Aufgabe der Führungskräfte liegt dabei primär darin, gute Rahmenbedingungen zu schaffen, Hindernisse aus dem Weg zu räumen und gemeinsam mit dem Team Ziele zu definieren und Lösungen zu erarbeiten. Agile Führung bedarf allerdings Menschen, die gerne andere coachen, die unternehmerisch eingestellt sind und ständig neue Möglichkeiten orten. Auf Firmenebene sind es solche Personen, die neue Visionen antreiben, Risiko nicht scheuen und gute Mitarbeiter anwerben können.

Ingrid Blaimauer, Head of Operations bei QMD Services, berichtete über die Auswirkungen der neuen Medizinprodukte-Verordnung (MDR) sowie der In-Vitro-Diagnostika-Verordnung (IVDR). An diese Verordnungen müssen sich die Hersteller beim Inverkehrbringen von bestimmten Erzeugnissen in Europa halten, um die sogenannte CE-Kennzeichnung zu bekommen. Blaimauer erklärt die Problematik: „Die Umsetzung der Anforderungen ist schwierig bzw. wird oft unterschiedlich ausgelegt. Derzeit scheint es sogar so, dass MDR und IVDR die Versorgungssicherheit mit seit Jahren auf dem Markt befindlichen Medizinprodukten gefährden und Innovationen behindern, statt die Patientensicherheit zu verbessern.“ Vor allem KMU und junge Medizinprodukte-Hersteller können die hohen Anforderungen aus personellen oder finanziellen Gründen oft nicht erfüllen. Aber auch große Player straffen zusehends ihr Produktportfolio.

Die Hersteller sind nicht nur gefordert, die gestiegenen Anforderungen der MDR/IVDR zu erfüllen, sondern sehen sich auch mit der Herausforderung konfrontiert, eine Benannte Stelle mit freien Ressourcen zu finden. Blaimauer skizzierte die Problematik: „Gemäß den neuen Verordnungen werden viele Medizinprodukte und In-Vitro-Diagnostika höher klassifiziert und benötigen daher die Beteiligung einer Benannten Stelle, um auf den Markt gebracht zu werden bzw. um weiter am Markt zu bleiben. Aber genau diese Benannten Stellen sind der Flaschenhals in der Zulassung.“ Obwohl Benannte Stellen für den gesamten europäischen Raum zugelassen sind und nicht nur auf nationaler Ebene agieren, ist es sehr schwer eine entsprechende Organisation zu finden. Dies liegt daran, dass sich aufgrund der gestiegenen Anforderungen nur wenige als Benannte Stelle bewerben und die Zulassung darüber hinaus extrem lang dauert. In Österreich gibt es bereits seit 2016 keine Benannte Stelle mehr – dies soll sich jedoch bald ändern. QMD Services steht derzeit im Zulassungsverfahren, um als Benannte Stelle für Medizinprodukte und In-Vitro-Diagnostika tätig werden zu können. Leidtragende der langen Zulassungsverfahren sind unter anderem Patienten mit seltenen Erkrankungen oder auch Kinder, wenn diese spezielle Medizinprodukte benötigen.

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