Neue Ecstasy-Varianten für potenzielle Anwendung in Medizin

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Autor: Scho

Der Einsatz des Wirkstoffs MDMA, auch bekannt als „Partydroge Ecstasy“, zur Unterstützung von Psychotherapie wird weltweit diskutiert. Wegen möglicher Risiken und Nebenwirkungen haben bisher nur Australien und Neuseeland eine eingeschränkte, kontrollierte Anwendung zugelassen. Ein Forschungsteam unter Leitung der MedUni Wien hat jetzt drei neue Varianten von MDMA für eine potenziell sichere Verwendung in der Medizin identifiziert.

Die Ergebnisse wurden im „Journal of Neurochemistry“ publiziert: Die aktuell entwickelten MDMA-Varianten (ODMA, TDMA und SeDMA) wurden so modifiziert, dass die positiven Effekte erhalten bleiben und die negativen reduziert werden, teilte die MedUni mit. Wie die Untersuchungen des Teams um Harald Sitte vom Zentrum für Physiologie und Pharmakologie an menschlichen Zellkulturen zeigen, wirken die neuen chemischen Verbindungen ähnlich wie MDMA auf die Zielstrukturen im Gehirn, die Emotionen regulieren.

Im Gegensatz zu MDMA weisen die neuen Substanzen laut den Fachleuten aber eine geringere Aktivität an bestimmten Serotonin-Rezeptoren auf und werden zudem so abgebaut, dass weniger toxische Abbauprodukte entstehen: „Das erlaubt die Schlussfolgerung, dass sowohl die akuten als auch die langfristigen Nebenwirkungen von ODMA, TDMA und SeDMA geringer ausfallen können als von der herkömmlichen Substanz“, erläuterte Sitte. „Da die MDMA-Analoga außerdem eine schwächere Interaktion mit bestimmten Transportproteinen im Körper aufweisen, die für die Aufnahme und Ausscheidung von Medikamenten verantwortlich sind, könnte sich auch das Risiko für Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten reduzieren“, sagte Erstautorin Ana Sofia Alberto-Silva vom Zentrum für Physiologie und Pharmakologie der MedUni Wien.

Die psychoaktive Substanz MDMA (3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin) ist seit den 1980er-Jahren als Ecstasy bekannt – das erste Patent wurde allerdings bereits 1912 vergeben. Aufgrund seiner Wirkung, positive Emotionen zu fördern und das zwischenmenschliche Einfühlungsvermögen zu steigern, beschäftigt sich die Forschung mit dem Potenzial von MDMA zur Unterstützung der Psychotherapie bei verschiedenen psychischen Erkrankungen. Allerdings stellen Risiken und Nebenwirkungen wie Herzrasen, Bluthochdruck, Leber- und Nervenschäden bisher ein Hindernis für eine breite therapeutische Anwendung dar.

Die MDMA-Analoga könnten vielversprechende Alternativen sein. Der Psychopharmakologe und Suchtforscher Sitte verwies aber auf die Notwendigkeit für weitere Studien. Genützt werden könnten wirksame und sichere Varianten beispielsweise zur Behandlung von posttraumatischen Belastungsstörungen.

Die Fachpublikation finden Sie hier.

(APA/red.)

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