Gesundheitswirtschaft - kurz und knapp

Lesedauer beträgt 2 Minuten
Autor: Josef Ruhaltinger

Kurzmeldungen aus der Welt der Gesundheitswirtschaft und des Gesundheitswesens.

Pflege: Der Lockruf verhallt

Karriere in der Pflege ist eines der großen Versprechen, mit denen der Pflegeberuf attraktiviert werden soll. An den weiblichen Pflegekräften zieht dieser Anreiz offensichtlich vorbei. Blöd nur, dass sie die weitaus überwiegende Mehrzahl der Beschäftigten im Pflege- und Betreuungsbereich stellen. Denn der Weg in eine Führungsposition bleibt ihnen oftmals verwehrt. Die Wissenschaftlerin Sabine Ludwig, seit Juli Professorin für Diversität in der Medizin an der MedUni Innsbruck, rät Frauen, auf Karriere nicht zu verzichten und ihre Kompetenzen nicht zu unterschätzen.

Der Anteil der weiblichen Beschäftigten im stationären Pflegebereich wie Spitälern und Altersheimen liegt in Österreich bei 84 Prozent. In der mobilen Pflege und Betreuung sind es sogar 91 Prozent. Im Vergleich zur Führungsetage tut sich eine Lücke auf, zeigt eine Untersuchung des Karl Landsteiner Instituts für Human Factors & Human Resources im Gesundheitswesen (KLI) aus dem November 2020. Die Gründe für die Diskrepanz ähneln jenen in anderen Branchen. Ganz oben auf der Liste der Karrierehindernisse steht die Teilzeitarbeit. In Oberösterreich arbeiten laut Landesregierung 72,6 Prozent der Pflegekräfte Teilzeit. Die Forscherin fordert objektive Kriterien bei Beförderungen: Die Politik könne hier Rahmenbedingungen vorgeben.

Klinikum Kirchdorf Steyr startet großes Modernisierungsprojekt

Mit dem Spatenstich zur Modernisierung des Pyhrn-Eisenwurzen Klinikums Kirchdorf Steyr (PEK) wird die stationäre Versorgung der Region ausgebaut. Bis 2028 werden rund 57 Millionen Euro in die Infrastruktur bzw. in den Ausbau von Haus 1 investiert. Die gesamte Notfallversorgung ist künftig im Haus 1 zentralisiert, zudem wird der Zentral-OP ausgebaut und modernisiert. Die Modernisierungspläne umfassen einen neuen Schockraum, die operative Intensivstation, die Überwachungsstation, die Unfallradiologie sowie den Operationssaal und die Station für Orthopädie und Traumatologie (derzeit Unfallchirurgie und Orthopädie). Auf dem Dach des Hauses 1 wird die Hubschrauberplattform ausgebaut. Der neue Zentral-OP-Bereich im Haus 1 wird sieben OP-Säle für die operative Versorgung stationärer Patientinnen und Patienten umfassen. Fünf davon sind Standard-OP-Säle, dazu kommt ein größerer Hybrid-OP und ein Robotik-Saal, der mit einem OP-Roboter ausgestattet sein wird. Durch die Inbetriebnahme des Robotik-OP-Systems im Jahr 2024 wird die minimalinvasive Chi­rurgie für Patienten in vielen Bereichen deutlich kürzere Gesundungszeiten mit sich bringen. Außerdem sind zwei tagesklinische OP-Säle vorgesehen – in diesem Bereich werden künftig mehr Patientinnen und Patienten erwartet. Der eigentliche Umbau beginnt im Februar 2025 und endet planmäßig im Juni 2027.

Lauterbach erwartet keine Engpässe bei Kinderarzneien mehr

Der deutsche Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) will mit verstärkter Produktion, sparsamem Umgang und kontinuierlicher Überwachung erneute Lieferengpässe bei Kinderarzneimitteln in diesem Herbst und Winter verhindern. Er selbst erwarte im Herbst und Winter keine erheblichen Engpässe, erklärte der Gesundheitsökonom und Politiker in einer Pressekonferenz. Die aktuelle Lage sei weitaus besser als im vergangenen Jahr. So habe die Industrie die Produktion kritischer Kinderarzneimittel und Antibiotika stark gesteigert, teilweise um 100 Prozent. Auch Engpässe bei Hilfsstoffen, Arzneiglas und dergleichen hätten beseitigt werden können. Auswertungen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zur Versorgungslage würden die Produktionssteigerungen bestätigen. Eine weitere Steigerung sei nicht realistisch. Komme es zu Engpässen, werde das BMG weitere Arzneimittelimporte ermöglichen.

Diese fünf Behandlungen sollten sich Spitäler sparen

Die Schweizer gemeinnützige Organisation „Smarter Medicine“ (www.smartermedicine.ch) hat eine ihrer Top 5-Listen publiziert. Die Empfehlungen von Fachgesellschaften sollen bei einem Spitalaufenthalt Über- und Fehlbehandlungen verhindern. Die aktuellste Top 5-Liste stammt von der Schweizerische Gesellschaft für Allgemeine Innere Medizin.
– Keine Antibiotika, wenn die Entzündungswerte im Blut zwar erhöht sind, aber es keinen Hinweis für einen Infekt gibt.
– Beruhigungs- und Schlaf-Medikamente, die während eines Spitalaufenthalts gegeben wurden, sollen bei der Entlassung nicht weiterhin verschrieben werden.
– Wenn der Blutdruck während eines Spitalaufenthalts gelegentlich erhöht ist, sollten nicht gleich blutdrucksenkende Medikamente verabreicht werden.
– Keine vorbeugenden Blutverdünner bei Patienten mit geringem Risiko für Venenthrombosen.
– Keine Sauerstoffbehandlung, nur um eine dauerhafte Sauerstoffsättigung von über 94 Prozent zu erreichen.

Doskozil: Golser Spital wird umgesetzt

Bei der künftigen Klinik Gols startet das Land Burgenland die nächste Etappe: Die Gesundheit Burgenland wird noch heuer wie geplant die in Gols optionierten Grundstücke erwerben. Danach soll ein Architekturwettbewerb in die Wege geleitet werden. Dies gab Landeshauptmann Hans Peter Doskozil Anfang Oktober in einer Pressekonferenz bekannt. Die Klinik wird über 163 Betten verfügen und rund 400 Menschen einen Arbeitsplatz bieten. Am neuen Standort im Zentrum des Bezirks soll rund um die neue Klinik ein ganzer Gesundheitscampus entstehen. Derzeit ist das Flächenwidmungsverfahren aufgrund eines Antrages des Vereins „Pro Thayatal“ noch schwebend vor dem Verwaltungsgerichtshof.

Dornbirner Radiologie rüstet auf

Nach teilweise mehr als zehn Betriebsjahren ersetzt das Dornbirner Stadtspital fünf der dortigen Röntgengeräte. Die neuen Maschinen sollen bessere Bilder bei geringerer Strahlenbelastung liefern. Die Stadt investiert in die neuen Geräte an die 1,5 Millionen Euro. Unter den Neuanschaffungen befinden sich zwei Röntgengeräte, die das gesamte Spektrum der konventionellen Röntgendiagnostik abdecken. Sie werden bei ambulanten wie stationären Patientinnen und Patienten vor allem bei Skelettdiagnostik, bei der Bildgebung des Bauches sowie im Herz-Lungenbereich eingesetzt. Jedes Jahr werden im Stadtspital etwa 45.000 Röntgenaufnahmen für Diagnosen gemacht.

Gesundheitsförderung für pflegende Angehörige in Wien

Pflegende Angehörige stehen unter hohem Druck. Die Volkshilfe Wien bietet unter dem Titel „Wie schau ich auf mich“ mehrere Vorträge an, bei denen Experten und Expertinnen den Pflegenden wertvolle Tipps liefern, wie sie mit den herausfordernden Aufgaben umgehen können.
– 16.11.2023, 16 – 17 Uhr, im Anschluss Buffet
Damit habe ich nicht gerechnet. Ich bin pflegende Angehörige. (Birgit Meinhard-Schiebl)
– 21.11.2023, 16 – 17 Uhr, im Anschluss Buffet
Demenz: „Ein Weg für ein besseres Miteinander – Erkennen und Annehmen“ (Doris Reitmayr)
– 12.12.2023, 16 – 17 Uhr, im Anschluss Buffet
„Abschied nehmen“ – Wie schafft man es, langsam Abschied zu nehmen? (Klaus Kraushofer)

Standort: Wiener Bildungsakademie, Vortragssaal im Mezzanin, Praterstraße 25A, 1020 Wien
Anmeldung: gesundheitstreff@volkshilfe-wien.at, Tel: 01/36064-4936

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Weiterlesen

Freiheitsbeschränkung – ein sensibles Thema praktisch umgesetzt

Das Thema Freiheitsbeschränkung ist ein sensibles und omnipräsentes Thema im klinischen Alltag, da es besonders das höchstpersönliche Recht der Freiheit betrifft. Die Anwendung von freiheitsbeschränkenden Maßnahmen ist nur nach normierten Ausnahmefällen, welche der Gesetzgeber unter anderem in der Form des Heimaufenthaltsgesetzes (HeimAufG) definiert, zulässig.