Brocks Panorama

Lesedauer beträgt 2 Minuten
Autor: Heinz Brock

Aktuelles aus der internationalen Welt der Gesundheitswirtschaft.

Deutschland
Reformen „volle Breitseite gegen den niedergelassenen Bereich“

Die Ambulantisierung der Medizin bleibt eine der Schlüsselstrategien der aktuellen deutschen Gesundheitsreform. In Deutschland werden zu viele Leistungen stationär erbracht, die sich qualitativ besser und wirtschaftlich sinnvoller ambulant erbringen ließen. Nach den Plänen von Gesundheitsminister Lauterbach sollen dafür die Sektorengrenzen in beide Richtungen geöffnet werden. Niedergelassene Medizinerinnen und Mediziner sollen in wohnortnahen Gesundheitszentren ein zusätzliches ambulantes Leistungsspektrum anbieten können und Krankenhäuser sollen Anreize erhalten, bisher stationäre Leistungen ambulant oder tagesklinisch zu erbringen. Der Spitzenverband Fachärzte Deutschlands (SpiFa) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) kritisieren die von Minister Lauterbach und der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) geforderte stärkere Öffnung der Krankenhäuser für ambulante Leistungen als „volle Breitseite gegen die niedergelassenen Fachärztinnen und Fachärzte“.

WHO
Klimabeständige Wasser- und Sanitärversorgung für alle

Am Weltwassertag, der jährlich am 22. März begangen wird, teilten Länder aus der Europäischen Region der WHO auf der Wasserkonferenz der Vereinten Nationen 2023 ihre Erfahrungen mit den Instrumenten des Protokolls beim Aufbau sicherer und klimabeständiger zukunftstauglicher Angebote der Wasser- und Sanitärversorgung sowie Hygiene (WASH). Bei der Eröffnung der Konferenz forderten die WHO und das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) alle Nationen dazu auf, Maßnahmen zur Verwirklichung von WASH-Angeboten für alle radikal zu beschleunigen. Allein in der Europäischen Region haben rund 16 Mio. Menschen noch immer keinen Zugang zu einer grundlegenden Trinkwasserversorgung, und 29 Mio. fehlt der Zugang zu grundlegenden Sanitäreinrichtungen.

Schweiz
Gewonnene Lebensjahre als Maßstab für Medikamentenpreis

Neue Medikamente können bei vielen Krankheiten heute Heilung bringen oder das Leben verlängern, sind oftmals aber exorbitant teuer. Der liberale Think-Tank „Avenir Suisse“ versucht die Frage nach angemessenen Preisen in einer neuen Studie mit einem revolutionären Ansatz zu beantworten: Der Preis eines Medikaments soll von dem Wert abhängen, den die Gesellschaft einem gewonnenen Lebensjahr beimisst. Aus Daten von Versicherungen und von Investitionsentscheidungen für Verkehrssicherheit berechnen die Experten von „Avenir Suisse“ die Zahlungsbereitschaft der Schweizer Bevölkerung für ein Lebensjahr in guter Lebensqualität (QALY) in der Größenordnung von 170.000 Franken. Der pragmatische Vorschlag von „Avenir Suisse“ sieht vor, diesen Wert zwischen Gewinn des Herstellers und dem Nutzen für die Gesellschaft zu je 50 Prozent aufzuteilen. Der Jahrespreis für ein neues Medikament, das dem Patienten ein zusätzliches Lebensjahr bei guter Lebensqualität bringt, könnte so bei rund 80.000 Franken liegen.

Quellen und Links

Neue Zürcher Zeitung NZZ | 30.03.2023

Ärzte Zeitung: Gassen fordert Stärkung ambulanter Strukturen

WHO: News

Dr. Heinz Brock
ist emeritierter Ärztlicher Geschäftsführer des
Kepler Universitätsklinikums und Kongresspräsident des
Österreichischen Gesundheits­wirtschaftskongresses ÖGWK.
Kontakt: heinz.brock@weitmoser-kreis.at

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