Blended Learning in der Pflegeausbildung

Lesedauer beträgt 2 Minuten
Autor: Norbert Peter

Digitale Lehr- und Lernformen verändern den Ablauf der Pflegeausbildung. Mithilfe von Tablets, Clouds und Videocalls lernen die Pflegenden, mit digitalen Werkzeugen im Beruf umzugehen.

In den letzten Jahren hat die Digitalisierung im Pflegebereich rasant Einzug gehalten“, fasst Martina Bruckner den Status Quo zusammen. Die Pflegewissenschaftlerin ist Leiterin der Schulen für Gesundheits- und Krankenpflege in der Oberösterreichischen Gesundheitsholding (OÖG). Digitale Werkzeuge sind fester Bestandteil des Arbeitsalltags von Pflegenden. Sie verweist dabei auf den gelungenen Wechsel von der analogen hin zur digitalen Pflegedokumentation im Krankenhausinformationssystem. Auch die Nutzung von digitalen Devices oder die zunehmende Zahl digitaler Besprechungen sind für Martina Bruckner weitere Belege für die gelebte Digitalisierung in ihrem Beruf. Martina Bruckner ist neben ihrer Leitungsfunktion in der OÖG seit über zehn Jahren operative Pflegedirektorin im Klinikum Schärding.

Lernen am Simulator. Die Auszubildenden lernen an Simulatoren,
wie sie in Notfallsituationen die Nerven behalten. Der Gebrauch
digitaler Hilfsmittel prägt heute den Beruf der Pflegenden.

„Blended Learning“

Das Bildungsangebot folgt dabei generell dem Konzept des „Blended Learning“ (integriertes Lernen). Präsenz­lehre und Online-Unterricht wechseln sich ab, entsprechende Methoden und Medien gelangen zum Einsatz. Martina Bruckner unterstreicht die Vorteile dieser Kombination: „Die Effizienz eines Unterrichts hängt nicht zwingend von der physischen Präsenz der Lernenden ab.“ Für Lehrpersonen sei es wichtig, ein Repertoire an Unterrichtsmethoden bedienen zu können. Der Methodenmix ist entscheidend: Blended Learning sieht den Einsatz von Lernvideos und Lernarrangements vor sowie den freien Zugang zu Online-Literatur. Damit soll der Unterricht lebendig bleiben: „Aus der Neurobiologie wissen wir, dass die Aufmerksamkeitsspanne von Lernenden enden wollend ist“, führt die Pflegewissenschaftlerin aus. Ein Wechselspiel zwischen lehrkraftzentriertem und selbstgesteuertem Unterricht soll dem entgegenwirken.

Alle Lehrenden und die Auszubildenden der OÖG erhalten einen Teams-Zugang. Außerdem sollen diverse Apps die Ausbildung erleichtern. Die Schülerinnen und Schüler erhalten eine Online-Lizenz für einen Verlag, der Fachliteratur verfasst. Darüber hinaus steht ihnen online eine Lernplattform für Präsentationen, Lernblätter und Skripten zur Verfügung.

Der traditionelle Frontalunterricht rückt in den Hintergrund, wenn Vorwissen über interaktive Kartenabfragen generiert wird oder wenn Inputs über das Scannen eines QR-Codes auf dem Handy erscheinen. Zur Vertiefung des Gelernten kommen Quiz-Programme zur Anwendung. Sie ersetzen mitunter die gefürchteten Stundenwiederholungen aus vergangenen Tagen.

Zudem gibt es an allen neun OÖG Schulstandorten in Oberösterreich die Gelegenheit, an sogenannten „High-Performance-Simulatoren“ Erfahrungen zu sammeln. Die Auszubildenden lernen, mithilfe einer „Puppe“ in Notfallsituationen zu bestehen und sogar mit invasiven Maßnahmen umzugehen. Die „Patienten-Puppe“ ist durch eine Funkverbindung zur Ausbildnerin verbunden und kann sogar „sprechen“. Die Auszubildenden sind vorab über die Situation, die sie erwartet, unterschiedlich gut informiert. Für eine Simulation, die einen Notfall als Thema hat, wird den Schülerinnen und Schülern wenig verraten. Umso wichtiger ist es, für die im Anschluss stattfindende Reflexionsarbeit genügend Zeit einzuplanen.

Einer potenziellen Nervosität seitens der Auszubildenden begegnen die Lehrerinnen und Lehrer mit dem Verweis, dass es sich um eine Übung in geschütztem Rahmen handelt. Fehler dürfen passieren. Daraus zu lernen, ist vorgesehen. Ein intensives Briefing zu Beginn und ein ausführliches Debriefing am Schluss jeder Einheit erleichtern die Akzeptanz dieser Methode und die Ernsthaftigkeit beim Einsatz. 

Quellen und Links:

Schulstandorte für Pflegeberufe der OÖG: www.ooeg.at/bildung/ausbildung-pflegeberufe

Ausbildungsmodell zum Pflegestarter: www.ooeg.at/bildung/ausbildung-pflegeberufe/pflegestarter-innen

„Blended Learning“: erwachsenenbildung.at/digiprof/glossar/blendedlearning.php

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