Roche hat mit "Spritze gegen Bluthochdruck" Erfolg

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Autor: Scho

Eine Injektion unter die Haut alle drei oder gar sechs Monate soll in Zukunft für eine Bluthochdruck-Behandlung reichen. Der Schweizer Pharmakonzern Roche hat jetzt positive Ergebnisse einer Phase-II-Studie mit dem RNA-Interferenz-Wirkstoff Zilebesiran vorgestellt. Nur mit diesem Medikament allein ließ sich eine Verringerung des systolischen Blutdrucks um 15 mmHg erreichen.

Weltweit leiden 1,3 Milliarden Menschen unter Bluthochdruck. Die Hypertonie ist ein Hauptrisikofaktor für Herzinfarkt, Herzschwäche, Nierenschäden und Schlaganfälle. Trotz prinzipiell gut wirksamer Medikamente aus den Wirkstoffklassen der ACE-Hemmer, Angiotensin-II-Rezeptor-Blockern, Diuretika, Kalziumantagonisten und Betablockern sind bei weitem nicht alle Patienten optimal versorgt. Deshalb wird weiterhin nach zusätzlichen Wirkprinzipien für Arzneimittel gegen Bluthochdruck geforscht.

Eine neue Strategie wäre die RNA-Interferenz (RNAi). Es handelt sich um kurze künstliche RNA-Sequenzen, welche die körpereigene Produktion eines Proteins zielgerichtet blockieren. Das US-Biotech-Unternehmen Alnylam hat in Zusammenarbeit mit Roche den RNAi-Wirkstoff Zilebesiran entwickelt. Er blockiert die Produktion des Proteins Angiogensinogen in der Leber. Angiogensinogen ist die einzige Vorstufe der Angiotensin-Peptide ACE-I und ACE-II, welche ganz zentral für die Blutdrucksteuerung bzw. Blutdruckerhöhung verantwortlich sind.

Untersuchung mit 394 Probanden

Jetzt wurden die Hauptergebnisse einer mit Zilebesiran durchgeführten klinischen Studie der Phase II veröffentlicht. In die Untersuchung waren 394 Erwachsene mit bis dahin unbehandelter leichter bis moderater Hypertonie oder mit stabil zuvor mit anderen Medikamenten eingestelltem Bluthochdruck aufgenommen worden. In fünf Gruppen erhielten sie über ein Jahr hinweg entweder 150 Milligramm oder 300 Milligramm des Wirkstoffes alle sechs Monate, 300 oder 600 Milligramm Zilebesiran alle drei Monate oder jeweils eine Placebo-Injektion unter die Haut.

In der Untersuchung wurde das geplante Ziel erreicht: Im Vergleich zu dem Scheinmedikament zeigte sich sowohl in der Patientengruppe, welche 300 Milligramm als subkutane Injektion erhalten hatte, als auch in der Gruppe der Probanden mit 600 Milligramm eine Verringerung des mittleren systolischen Blutdrucks um mehr als 15 mmHg. Das zeigte sich sowohl nach drei Monaten als auch nach sechs Monaten. In der Zilebesiran-Gruppe gab es einen Todesfall durch plötzlichen Herztod, der nicht mit der Behandlung in Verbindung zu bringen ist. Ernste nicht erwünschte Ereignisse gab es bei 3,6 Prozent der Probanden, welche das echte Medikament erhalten hatten, aber bei 6,7 Prozent der Patienten unter Placebo. Auch hier konnte kein Zusammenhang mit den Studienmedikationen entdeckt werden.

Das neue Wirkprinzip könnte bei einer Zulassung durch die Arzneimittelbehörden nach groß angelegten klinischen Studien der Phase III vor allem bei sonst nicht beherrschbarer Hypertonie trotz einer Kombination der bisher verfügbaren und sonst durchaus wirksamen Medikamente eine Alternative bieten. Außerdem müssen die herkömmlichen Hypertonie-Arzneimittel täglich eingenommen werden, was oft nur etwa die Hälfte der Patienten langfristig schafft.

Roche hat erst vor einigen Wochen 310 Millionen US-Dollar (umgerechnet 289 Millionen Euro) in das Alnylam-Projekt investiert. Weltweit dürften pro Jahr rund zehn Millionen Menschen an den Folgen einer Hypertonie sterben. Optimal wäre ein Blutdruck von weniger als 120 mmHg systolisch (oberer Wert/Pumphase des Herzens) und weniger als 80 mmHg diastolisch (unterer Wert/Ruhephase des Herzens). Als normal werden 120 bis 129 mmHg und 80 bis 84 mmHg bezeichnet. 130 bis 139 und/oder 85 bis 89 mmHg gelten als „hochnormal“. Eine Hypertonie ersten Grades liegt bei 140 bis 159 mmHg und/oder 85 bis 89 mmHg vor. 160 bis 179 mmHg und/oder 100 bis 109 mmHg bedeuten eine Hypertonie zweiten Grades sowie mehr als 180 mmHg und/oder mehr als 110 mm (diastolisch) dann einen Bluthochdruck dritten Grades.

(APA/red.)

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