Steigendes Suchtpotenzial von Nikotin-Verdampfern geortet

Lesedauer beträgt 2 Minuten
Autor: Scho

Nikotin-Verdampfer sind längst keine „Ersatzprodukte“ für herkömmlichen Tabak mehr. Die vorerst letzte Generation der Geräte bringt eine besonders hohe Suchtgefahr. Die Produzenten haben das Anfluten des Nikotins bei der Verwendung der „Devices“ beschleunigt, warnte vor kurzem der Münchener Experte Tobias Rüther beim Jahreskongress der deutschen Lungenspezialisten in Mannheim.

„Die Tabakindustrie ist und bleibt böse“, sagte Rüther, Leiter der Tabakambulanz an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Klinik der Ludwig-Maximilian-Universität (LMU-Klinikum) in München. „Raucher rauchen gar nicht wegen des Tabaks, sie rauchen wegen des Nikotins“, betonte Rüther, wie die deutsche Ärztezeitung zu dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie (DGP) berichtete. „Es ist der Suchtstoff mit dem stärksten Abhängigkeitspotenzial, das wir kennen.“ Schon 20 Sekunden nach dem Inhalieren erreiche Nikotin das Gehirn. Dort werde das Dopamin-abhängige Belohnungssystem aktiviert. Nach spätestens eineinhalb Stunden entstehe dann erneut der Drang zum Nikotin. Das sei durch die kurze Halbwertszeit des Suchtmittels bedingt.

Vor allem die ersten fünf Minuten der Nutzung der Verdampfer seien entscheidend für die Entstehung von Abhängigkeit, erklärte der Suchtexperte. Er und seine Mitarbeiter haben auch die Inhalationsrituale der Benutzer analysiert. So sei bei Videoaufzeichnungen aufgefallen, dass die E-Zigarette völlig anders konsumiert werden als Zigaretten.

„Bei E-Zigaretten wird länger gezogen, sie werden öfter und in kürzeren Clustern verwendet“, erläuterte Rüther. „Die E-Zigaretten verändern sich. Und sie verändern sich dramatisch.“ Während das Nikotin der ersten Generationen dieser „Devices“ noch keinen Kick verursacht hätten, weil die Substanz noch deutlich langsamer anflutete als das Suchtmittel aus herkömmlichen Tabakprodukten und weniger ins Blut gelangte, sei das jetzt anders. Der Experte laut dem Bericht der deutschen Ärztezeitung: „Die neuen Nikotinprodukte werden mehr und mehr auf eine hohe Nikotinabgabe getrimmt.“ Dazu würden in den verwendeten Flüssigkeiten auch Nikotinsalze verwendet, die „besonders gut knallen“.

Bei den Tabakerhitzern, so der deutsche Experte, werde zwar weniger Nikotin abgegeben, dafür ergebe sich eine andere Problematik: Sie seien auf „Dual-Use“, also den abwechselnden Konsum von Zigaretten und den Tabakerhitzern, ausgerichtet. Rüther warnte auch vor den Nikotin-Beutel und sprach hier im Zusammenhang mit Österreich von einem „Riesenproblem“ bei Jugendlichen. In Deutschland seien diese Nikotinbeutel bisher nur wenig populär geworden. „Die Pouches imitieren eine Zigarette eins zu eins“, wurde der Experte in der Ärztezeitung zitiert. Ein 30-Milligramm-Beutel gebe sogar deutlich mehr Nikotin ab als eine Zigarette und flute auch schneller an. Die Nikotinbeutel ohne Tabak werden vom österreichischen Tabak- und Nichtraucherschutzgesetz derzeit nicht erfasst, wie dazu auch die Grazer Fachstelle für Suchtprävention VIVID feststellt.

(APA/red.)

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Wien will bis 2030 mehr als 16.000 Fachkräfte ausbilden
Pflege

Wien will bis 2030 mehr als 16.000 Fachkräfte ausbilden

Mehr als 12 Mio. Euro fließen hier etwa heuer in ein entsprechendes Programm. Rund 1.700 Plätze werden damit finanziert. Zielgruppe sind unter anderem Menschen, die sich beruflich verändern wollen oder die auf Arbeitssuche sind.

ÖÄK-Mayer zu KV-Verhandlungen: Gehaltserhöhung für Gesundheitspersonal sollte Inflation abdecken

ÖÄK-Mayer zu KV-Verhandlungen: Gehaltserhöhung für Gesundheitspersonal sollte Inflation abdecken

Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer fordert ein Plus von rund elf Prozent – top-ausgebildetes medizinisches Personal muss auch angemessen entlohnt werden.

Influenza-Welle in Österreich nimmt stark Fahrt auf

Influenza-Welle in Österreich nimmt stark Fahrt auf

Laut MedUni Wien gibt es in Europa allgemein "zunehmende Influenzavirusaktivität". Die Influenza-Welle kam heuer wie befürchtet deutlich früher und stärker als üblich.