Startschuss für Stipendien in Medizinausbildung in der Stmk

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Autor: Scho

Die Bewerbungsfrist für die ersten der im November vorgestellten Stipendienmodelle für Medizinstudierende in der Steiermark hat am Dienstag zu laufen begonnen. Die mit zehn Millionen Euro für die kommenden fünf Jahre budgetierten Stipendien sollen dafür sorgen, dass die angehenden Ärztinnen und Ärzte auch nach ihrer Ausbildung einen gewissen Zeitraum in Spitälern der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft (KAGes) oder als Kassenärzte arbeiten.

Zusätzlich zu den Stipendienmodellen hat Gesundheitslandesrätin Juliane Bogner-Strauß (ÖVP) am Dienstag bei der Pressekonferenz in Graz auch die höhere Entlohnung für das Klinisch-Praktische Jahr (KPJ) an den Landeskrankenhäusern der KAGes vorgestellt: Statt bisher 650 Euro brutto erhalten die Studierenden 900 Euro brutto pro Monat. Das gleiche gilt für angehende Zahnärztinnen und -ärzte. Hintergrund der beiden Maßnahmen sei eine „Schieflage“, so die Landesrätin: „Es gibt schon mehr Wahlärzte als Kassenärzte“. Die Arbeit in Spitälern und bei Kassenstellen – vor allem am Land – müsse attraktiver werden. Die Stipendien sollen einen Anreiz ausmachen.

Start der Stipendienvergabe ist nun im Sommersemester 2023. Der erste Bewerbungszeitraum begann mit Dienstag und endet in einem Monat am 4. Mai. Die Stipendien werden dann rückwirkend bis 1. März ausbezahlt. Nach dem Modell 1 können Studierende sich nach Abschluss des 1. Studienabschnitts für Humanmedizin und ab Eintritt in den 2. Studienabschnitt bis zur Beendigung des Studiums (6. Studienjahr) um ein Stipendium in Form eines Fixbezuges von 950 Euro brutto (zwölfmalig) bewerben. Im Gegenzug verpflichten sich die Studierenden, das Klinisch-Praktische Jahr (KPJ) in der KAGes zu absolvieren und ab Beendigung des Studiums – abhängig von der Anzahl der Monate, für die ein Stipendium bezahlt wurde – bei der KAGes als zugewiesene Landesvertragsbedienstete im Rahmen eines vollzeitbeschäftigten Dienstverhältnisses ärztlich tätig zu sein.

Zahl der Bewerbungen „schwer abzuschätzen“

Im Modell 2 bewerben sich Studierende erst ab Beginn des 6. Studienjahres (Beginn des KPJ) bis zur Beendigung des Studiums um ein Stipendium. So kann dieses in Form eines Fixbezuges von 2.200 Euro brutto für zwölf Monate gewährt werden. Im Gegenzug verpflichten sich die Studierenden ab Beendigung des Studiums für die Dauer von 42 Monaten bei der KAGes als zugewiesene Landesvertragsbedienstete im Rahmen eines vollzeitbeschäftigten Dienstverhältnisses ärztlich tätig zu sein.

KAGes-Vorstand Gerhard Stark: „Einleuchtend, dass wir damit einen steuernden Effekt erzielen wollen.“

In welchem Spital sie dann arbeiten, hängt davon ab, wo sie gebraucht werden, schilderte KAGes-Vorstand Gerhard Stark: „Es ist wohl einleuchtend, dass wir damit einen steuernden Effekt erzielen wollen. Ziel ist, dass wir das Personal dort hinbekommen, wo wir es brauchen.“ Gibt es mehr Bewerberinnen und Bewerber als Budget, werde man ein Ranking vornehmen. Es sollen jene, die schon nahe am Studienende sind oder bereits Famulaturen (verpflichtende Praktika bei Medizinstudierenden, Anm.) geleistet haben, eher zum Zug kommen, erklärte Jutta Claudia Lipp-Sölkner vom Ärztinnen- und Ärzteservice der KAGes. Unter ihrer Leitung werden die Stipendienvergaben abgewickelt.

Wie viele sich tatsächlich dafür bewerben, sei laut Lipp-Sölkner schwierig abzuschätzen. Sei der Ansturm groß, könne man aber auch über eine Aufstockung des Budgets für die Stipendien nachdenken, sagte Landesrätin Bogner-Strauß. Die zu leistenden Dienstjahre können von den Stipendiaten übrigens auch in Teilzeit gearbeitet werden, allerdings dann aber für einen längeren Zeitraum. Die Stipendien-Angebot gilt in gleicher Weise auch für ausländische Medizinstudierende, denn sehr viele Deutsche studieren etwa in Graz an der Med Uni.

Hellmut Samonigg, Rektor der Med Uni Graz, der sich eigenen Angaben zufolge „in der Regel kritisch äußert“, hält das Stipendienprogramm für eine „exzellente Initiative“: „Wir brauchen die Ärztinnen und Ärzte in den KAGes-Spitälern und vor allem im peripheren Bereich“. SPÖ-Klubobmann Hannes Schwarz hofft ebenfalls, dass viele das Angebot nutzen: „Wir brauchen sie in der öffentlichen Versorgung.“

Weiterführende Informationen finden Sie hier.

(APA/red.)

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