Der Wiener Gesundheitsverbundes (WIGEV) setzt sich definierte Ziele was Klimaschutz und Nachhaltigkeit angeht. Sämtliche Bauprojekte sollen anhand eines Kriterienkataloges für regeneratives und nachhaltiges Bauen geplant und umgesetzt werden. Laut einem nun erstmals veröffentlichten Umsetzungsbericht konnten rund 2.300 Tonnen CO2 allein durch Holzmodulbau für die Psychiatrische Abteilung der Klinik Ottakring eingespart werden. Der Wert orientiert sich an einem Vergleich zu einem Gebäude in Stahlbetonbauweise. Im Zuge des Baus wurden drei Stationen mit insgesamt 60 Betten sowie eine Tagesklinik und ein ganzes Stockwerk mit Therapieräumen in 3.000 m³ Holz verpackt. Der Baustoff bindet CO2.
Nach einem umfassenden Beteiligungsprozess hat der Wiener Gesundheitsverbund 2022 seine Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsstrategie mit verbindlichen Kriterien verabschiedet. Demnach soll der WIGEV bis 2040 möglichst CO2 neutral sein. Als „Werkzeug“ das “ in der Hand, das „klare Orientierung für jedes Bauprojekt gibt“, bezeichnete nun Josef Newertal, Leiter des Infrastrukturmanagements im WIGEV, diese Strategie. So müssen Abweichungen begründet oder Alternativen erarbeitet werden, wenn einzelne Kriterien im Bauprojekt nicht realisierbar sind.
Auch externe Dienstleisterinnen verpflichten sich vertraglich, nicht nur bei den Baumaterialien und Produkten nachhaltig zu planen, sondern ebenso bei der Gebäudetechnik und der Betriebsorganisation. Auch die Kreislaufwirtschaft spielt eine bedeutende Rolle. Schließlich werden sämtliche Kliniken des Wiener Gesundheitsverbundes bei aufrechter Patientinnenversorgung modernisiert oder sogar – wie in Ottakring, Hietzing und Favoriten – neu gebaut. Das heißt: Neubau, Übersiedlung in das neue Gebäude und dann Rückbau des leerstehenden Pavillons – alles bei laufendem Betrieb. Dieser letzte Schritt erfolgt im Idealfall so, dass die verwendeten Materialien wieder ins Kreislaufsystem rückgeführt werden können.

In dem jetzt veröffentlichten Bericht wird erstmals Bilanz gezogen, wie die Vorgaben bis zur Jahresmitte 2025 umgesetzt wurden. Dabei zeigt sich, dass vor allem Holz als Baustoff, Dach- und Fassadenbegrünungen sowie klimafreundliche Energieversorgung bereits erfolgreich zum Einsatz kommen. So sei zum Beispiel in der Klinik Favoriten beim Umbau eines Pavillons für den Kindergarten der Referenz-Heizwärmebedarf durch thermische Sanierung um 65 Prozent gesenkt worden. Die Umstellung der Beleuchtung auf LED führte zu einer Reduktion des Energiebedarfs um 60 Prozent.
Für das neue High-End-Labor in der Klinik Favoriten, das 2026 in Betrieb geht, wurde ein Gebäude mit Holzfassade und einer Dachbegrünung errichtet. Die modulare Fassade lässt sich an künftige Anforderungen anpassen, was wiederum die Lebensdauer des Gebäudes verlängert. Mit einem effizienten Beleuchtungssystem mit LED und tageslichtabhängiger Lichtsteuerung reduziert sich zudem der Energieverbrauch.
Ein weiteres Leuchtturmprojekt ist die Klinik Ottakring: Im Verwaltungsneubau werden ab 2027 alle 220 Büroarbeitsplätze CO2-neutral mit Geothermie beheizt und gekühlt. Der jährliche Gesamtertrag, der hier aus Erdwärme gewonnen werden kann, entspricht laut dem Bericht dem Heiz- und Kühlbedarf von rund 50 Einfamilienhäusern. Und mit dem Holzmodulbau der psychiatrischen Abteilung in Ottakring werde gezeigt, „wie wir Klimaschutz, moderne Architektur und Spitzenmedizin unter ein Dach“ gebracht werden könne, so WIGEV Generaldirektorin-Stellvertreter Herwig Wetzlinger.
Die Umsetzung der Kriterien für nachhaltiges und regeneratives Bauen im Wiener Gesundheitsverbund wird auch in den kommenden Jahren regelmäßig evaluiert.
Den Bericht finden Sie hier.
(red.)

