Alter(n) und Pflege(n) neu gedacht

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Autor: Scho

Wir alle werden älter und wollen viele gesunde Jahre erleben. Doch welche Voraussetzungen braucht es für ein langes und selbstbestimmtes Leben? Wie sollen wir mit der Lebensphase „Alter“ zukünftig umgehen? Welche Bedeutung hat die Gesundheitsförderung für chronisch kranke Menschen? Und was braucht es für ein gesundes Pflegesystem? Diese Fragen stellten sich über 50 Teilnehmer*innen aus dem Gesundheits- und Pflegebereich vergangene Woche im Zuge der Fachveranstaltung chronisch_konkret zum Thema „Alter(n) und Pflege(n) neu gedacht“, die im Campus Collegialität des Haus der Barmherzigkeit stattfand.

Das Alter hat viel mehr zu bieten, als bloß als „Ruhephase“ zu gelten. Aus diesem Grund fordert Franz Kolland, Professor an der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften, eine neue Kultur des Alters ein. „Das Alter verschwindet zunehmend und eine altersblinde Gesellschaft ist gleichsam entstanden. Kaum jemand möchte alt sein“, so die Diagnose des Soziologen. Dieses Phänomen zeige sich laut Kolland in allen gesellschaftlichen Bereichen: „Mode kennt kein Alter mehr, Haut, Haar und Hüften keine Jahresringe.“ Doch gerade die immer länger andauernde Lebensphase des Alters ist eine Bereicherung für unsere Gesellschaft. „Wir müssen wieder zunehmend das Potenzial älterer Menschen wahrnehmen. Alter bedeutet nicht in erster Linie Pflegebedürftigkeit. Alter bedeutet Vielfalt und Gestaltungsfähigkeit“, so Kolland.

Gesundheitsförderung zur Stärkung des Pflegesystems

Damit wir die Lebensphase Alter möglichst gesund und selbstbestimmt erleben können, braucht es eine funktionierende Gesundheitsförderung. Diese setzt optimal spätestens ab der Geburt ein und begleitet uns bis ins hohe Alter, unterstreicht Thomas Dorner, der seit Sommer dieses Jahres die Akademie für Altersforschung am Haus der Barmherzigkeit leitet. Bei der Gesundheitsförderung gehe es um die Steigerung von Ressourcen bei gleichzeitigem Abbau von Barrieren, so der Public-Health Experte. „Körperliches Training ist dabei ein Schlüsselfaktor. Auch im hohen Alter können mit Training verloren geglaubte Ressourcen zurückgeholt und die Gesundheit und kognitive Fähigkeiten insgesamt gestärkt werden.“ Darüber hinaus ist das Erleben von Sinnhaftigkeit, Wertschätzung, sozialer Unterstützung sowie der Zugang zu einer guten Gesundheits- und Pflegeversorgung essenziell für die Gesundheit im Alter. Besonders wichtig ist für Dorner: „In Gesundheitsförderungsprojekten profitieren Betreuende und zu Betreuende gleichermaßen.“ So kann die Gesundheitsförderung im besten Fall auch das Pflegesystem allgemein entlasten und stärken.

Für den Institutsdirektor des Haus der Barmherzigkeit, Christoph Gisinger, sind die Wahrnehmung des Potenzials des Alters und das Engagement in der Gesundheitsförderung zentrale Elemente der Langzeitpflege. „In Pflegeeinrichtungen ist es unsere oberste Aufgabe, für unsere Bewohnerinnen und Bewohner die bestmögliche Versorgung mit der höchsten Lebensqualität zu bieten. Gleichzeitig tragen wir die Verantwortung für die Gesundheit und Zufriedenheit unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Aus diesem Grund spielen eine wertschätzende Kultur des Alters und Maßnahmen zur Gesundheitsförderung in unseren Einrichtungen eine besonders bedeutsame Rolle“, so Gisinger.

Am Podium der Fachveranstaltung chronisch_konkret diskutierten weiters Viktoria Stein, Vorständin der Österreichischen Gesellschaft für Public Health, Claudia Reisinger, Mitglied der Gesundheitsinitiative „Health Angels“ von HABIT, Gregor Kopa, Heimleiter des HB Urbanusheims sowie HB Gesundheitsbeauftragter und Karin Zettl-Wiedner, Therapieleitung im Pflegekrankenhaus HB Seeböckgasse, welche Chancen und Herausforderungen ein Kulturwandel und Maßnahmen zur Gesundheitsförderung speziell in der Pflege bieten.

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