Austrian Health Report 2022 – Teil II: Wie fair, fit und effizient ist das österreichische Gesundheitssystem?

Lesedauer beträgt 4 Minuten
Autor: Scho

Die Mehrheit der ÖsterreicherInnen ist mit dem österreichischen Gesundheitssystem grundsätzlich zufrieden, der Anteil der zufriedenen medizinischen Fachkräfte liegt bei zwei Drittel. Und doch gibt es einige Kritikpunkte – von Seiten der Bevölkerung wird der gleiche Zugang für alle in Frage gestellt, von Seiten der HCPs Wartezeiten aber auch die Qualität der medizinischen Versorgung. Ein gutes Zeugnis in punkto Vertrauen stellen die Österreicher:innen ihren Hausärzten und -ärztinnen aus.

Eine aktuelle repräsentative Studie zeigt, wie fit und fair das österreichische Gesundheitssystem ist. Der im Auftrag von Sandoz Österreich durch IFES erstmals durchgeführte Austrian Health Report 2022 adressiert in zwei Befragungswellen Bevölkerung und medizinisches Fachpersonal. Das Ergebnis sind umfassende Erkenntnisse zum Gesundheitszustand der Österreicher:innen, zu Bewältigung der Pandemie und Vertrauen in Arzneimittel, zu Belastung des Gesundheitssystems, zu Information und Digitalisierung im Gesundheitswesen u.a.m.

Optimierungsbedarf im Gesundheitssystem.

Trotz der relativ mehrheitlichen Zufriedenheit mit dem österreichischen Gesundheitssystem, sowohl in der Bevölkerung (56%) als auch bei Fachkräften im Gesundheitswesen (54%), äußern beide Kreise gravierende Kritik und orten Verbesserungspotenzial. Das betrifft zum einen Infrastruktur und Personal – über 80 Prozent der Befragten unterstreichen, dass die Zahl der Betten in den Krankenhäusern nicht reduziert werden darf bzw. Personal im Gesundheitswesen deutlich aufgestockt werden muss. Das betrifft aber auch eine gefühlte Zwei-Klassenmedizin: 79 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass Menschen, die es sich leisten können, schneller behandelt werden. Auch hinsichtlich ausreichend kurzer Wartezeiten auf Termine und Behandlungen fällt das Urteil der Befragten kritisch aus: Nur 14 Prozent der Österreicher:innen insgesamt und 29 Prozent der medizinischen Fachkräfte können das unterstreichen. Auch bezüglich der Leistbarkeit der medizinischen Versorgung für alle ist die Einschätzung ernüchternd: Nur vier von zehn Österreicher:innen stimmen dieser Aussage zu, in der Gruppe der HCPs finden das 68 Prozent zutreffend.

Unabhängige Versorgung.

Sensibilisiert durch die Krisen der vergangenen Monate scheint das Bedürfnis nach mehr Unabhängigkeit und damit Versorgungssicherheit in allen Bevölkerungsschichten zu steigen: So hält die Mehrheit der Befragten eine von Asien/anderen Ländern unabhängigere Medikamentenproduktion in/für Österreich/EU für relevant. 63 Prozent halten (eine größere) Unabhängigkeit für sehr, weitere 28 Prozent für eher wichtig. Die damit verbundenen höheren Kosten für das österreichische Gesundheitssystem halten knapp zwei Drittel für (eher) vertretbar (24% sehr, 40% eher schon).

Heimische Produktion wird auch von einer klaren Mehrheit der Fachkreise (81%) gestützt, wobei diese den Apotheker:innen (94%) noch wichtiger erscheint als den ÄrztInnen (76%) – ein zentraler Aspekt hierbei ist die Unabhängigkeit vom internationalen Ausland.

Wissen um Generika

Das Wissen in der Bevölkerung über Generika unterscheidet sich deutlich abhängig von Alter und Erfahrung aufgrund regelmäßiger Medikamenteneinnahme. Insgesamt sind sich 44 Prozent sicher zu wissen, was Generika sind, weitere 23 Prozent „eher schon“. In der Altersgruppe 60+ und bei chronisch Erkrankten trauen sich 64 Prozent bzw. 59 Prozent zu, Generika „sicher“ definieren zu können. Für 63 Prozent spielt es keine (große) Rolle ob ein Original oder ein Generikum verschrieben wird bzw. weiß nicht einmal jede/r Zweite, ob es sich beim verschriebenen Medikament um ein Originalmedikament oder Generikum handelt.

Die Erfahrungen mit Generika in der beruflichen Praxis von Health Care Professionals sind entsprechend hoch: Acht von Zehn geben an, viel Erfahrung damit zu haben. Bei Biologika fallen die Erfahrungswerte deutlich ab: Nur 44 Prozent haben viel Erfahrung mit dieser Wirkstoffgruppe. Bei Biosimilars gibt nur ein Viertel der Professionals an, über viel Erfahrungen damit zu verfügen. Bei Biologika und Biosimilars sind es insgesamt jeweils rund ein Drittel, die angeben wenig bis gar keine Erfahrung damit zu haben.

Vertrauen in punkto Gesundheit

Die Informationsquelle, der die Österreicher*innen in Gesundheitsfragen am meisten vertrauen, ist die eigene Hausärztin/der Hausarzt. 73 Prozent haben (sehr) hohes Vertrauen, nur 2 Prozent gar kein Vertrauen. Direkt danach folgen die Herstellerangaben zu z.B. Nebenwirkungen (Beipackzettel): 51 Prozent haben (sehr) hohes Vertrauen. Der Anteil an „gar kein Vertrauen“ ist mit 4 Prozent ebenfalls äußerst gering. Wesentliche Informationsquellen mit hoher Glaubwürdigkeit und entsprechenden Vertrauenswerten ist auch das eigene persönliche Umfeld. Informationen, die im Internet zu finden sind, rangieren im Mittelfeld – und das über alle Altersgruppen.

Fake News in Alltag und Beruf

Im Internet zwischen richtigen und falschen Informationen zu unterscheiden, fällt jungen Befragten (bis 29 J.) am leichtesten, aber auch in dieser Altersgruppe halten es 36 Prozent für (sehr) schwierig, Fake News zu erkennen. In der Altersgruppe 60+ geben nur noch 11 Prozent an, leicht zwischen wahr und falsch unterscheiden zu können.

Aber auch im Beruf sind Fake News zu Gesundheit ein Thema: Die Hälfte der Health Care Professionals ist im beruflichen Alltag häufig mit Fake News konfrontiert – ein Drittel der Ärzteschaft meint, es sei schwierig, dagegen vorzugehen.

Die Beurteilung der Politik und ihrer Entscheidungen hinsichtlich der Covid-Pandemie fällt sehr kritisch aus – auch im Hinblick darauf, dass sich 95 Prozent der Health Care Professionals erwarten, dass wissenschaftliche Erkenntnisse unabhängiger ExpertenInnen von der Politik ernsthaft berücksichtigt werden sollten.

Zukunft des Gesundheitswesen

Die Digitalisierung im Gesundheitsbereich wird von HCPs zwar überwiegend positiv gesehen, dennoch meinen nur 15 Prozent, dass auf jeden Fall die Vorteile überwiegen würden, für weitere 57 Prozent überwiegen diese „eher“ und 22 Prozent sehen die Digitalisierung sogar nachteilig.

Uneingeschränkt positiv wird von medizinischen Fachkräften das e-Rezept bzw. die Verschreibung via e-Medikation gesehen (Befürwortung insgesamt: 90%). Positiv aufgenommen wird von insgesamt 72 Prozent auch die Unterstützung von Operationen durch Roboter. Bei anderen Trends sind Skepsis bzw Ablehnung unter den Health Care Professionals groß: Rund 30 Prozent lehnen öffentlich (online) zugängliche Leistungskriterien von Krankenhäusern und Ordinationen oder auch Telemedizin/Telemonitoring eher/sehr ab. Und fast doppelt so viele – rund 60 Prozent – sprechen sich gegen den Einsatz von Robotern in der Pflege und öffentlich (online) zugänglichen Bewertungen von Patienten/innen aus (lehnen eher/sehr ab).

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