Künstliche Intelligenz für die Telemedizin

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Autor: Angelika Rzepka
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Telemedizin ist in der Regelversorgung angekommen und wird bei der Behandlung chronischer Erkrankungen immer wichtiger. Telegesundheitslösungen können sowohl die Mortalitätsrate als auch die Rehospitalisierungsrate deutlich senken und geben den Patient:innen Sicherheit und Selbstbestimmung. Künstliche Intelligenz kann dabei helfen, die Kapazitäten drastisch zu erhöhen und dem immer größer werdenden Bedarf gerecht zu werden.

Telemedizin ermöglicht es, die Betreuung von Patient:innen mit chronischen Krankheiten in das Zeitalter der Digitalisierung zu heben. Mit dem Disease Management Programe „HerzMobil“ sind Telegesundheitsdienste für Patient:innen mit Herzinsuffizienz bereits erfolgreich in der Regelversorgung angekommen, bis jetzt in Tirol, der Steiermark und Kärnten.

Telemedizin kann nachweislich die Lebenserwartung und Lebensqualität von Hochrisikopatient:innen mit Herzschwäche steigern und Krankenhausaufenthalte verkürzen. Ergebnisse von HerzMobil Tirol bestätigen eindrucksvoll die Wirksamkeit der integrierten Versorgung von Patient:innen mit Herzschwäche. Die Daten zeigen eine 61% Risikoreduktion für Tod innerhalb von 12 Monaten und eine 46%ige Risikoreduktion für Wiederaufnahme oder Tod in 6 Monaten im Vergleich zur Standard-Versorgung. Die positiven Begleiterscheinungen sind eine deutliche Stärkung der Selbstsicherheit und des Selbstmanagements der Patient:innen.

Bisher können einzelne Telemedizinzentren, wie das der Charité Universitätsmedizin Berlin, nicht mehr als 750 Patienten aus der Ferne betreuen – dabei ist der Bedarf sehr viel größer. Die Verbreitung von Herzinsuffizienz nimmt zu – zum einen, da immer mehr Menschen kardiovaskuläre Ereignisse überleben, aber „der Schaden“ am Herz bleibt, zum anderen spielt die zunehmende Alterung der Gesellschaft eine entscheidende Rolle, die die Zahl von Herzinsuffizienzen ansteigen lässt. Allein in Deutschland leiden rund 2,5 Millionen Menschen an einer chronischen Herzinsuffizienz, jährlich kommen rund 300.000 Neuerkrankungen hinzu. Mit den aktuellen Kapazitäten eines Telemedizinzentrums sind diese großen Patient:innengruppen nicht adäquat zu betreuen.

Von 750 auf bis zu 5.000 betreute Personen mit dem Projekt TELEMED5000

So wird beispielsweise seit Anfang 2020 an der Charité-Universitätsmedizin Berlin im Projekt TELEMED5000 – Entwicklung eines intelligenten Systems zur telemedizinischen Mitbetreuung von großen kollektiven kardiologischen Risikopatient:innen – gemeinsam mit der Digital Health Gruppe des AIT Center for Health and Bioresources, an weiterführenden Technologien gearbeitet. Mithilfe der Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz, wie deep-learning, federated learing und dem Internet of Things, soll eine Systemlösung entwickelt werden, die das Management großer Patient:innenzahlen in der Regelversorgung technisch möglich macht. Telemed5000 zielt darauf ab, ein intelligentes System zur telemedizinischen Mitbetreuung von bis zu 5.000 kardiologischen Risikopatient:innen zu entwickeln. Das Projekt baut auf der fünfjährigen Fontane-Studie der Charité auf. Diese hatte erstmals nachgewiesen, dass die telemedizinische Mitbetreuung das Leben von Herzpatient:innen verlängern kann und diese weniger Tage im Krankenhaus verbringen. Sie ist gleichermaßen für Patient:innen im ländlichen Raum und in Metropolregionen geeignet.

Ein wichtiger Meilenstein für die Telemedizin in Deutschland war die Entscheidung, dass künftig ca. 200.000 Patient:innen einen Anspruch auf eine telemedizinische Mitbetreuung bei ihrer Krankenkasse haben. In Österreich wurde durch die gesetzliche Verordnung des ELGA Telemonitoring Episodenberichts die Infrastruktur geschaffen,  erstmals von den zu Versorgenden gemessene Gesundheitsparameter, wie beispielsweise Blutdruck, über ein offizielles Dokument in der ELGA zu registrieren.

Angelika Rzepka, Scientist
Digital Health Information Systems, Center for Health & Bioresources
AIT Austrian Institute of Technology

Angelika Rzepka, DI (FH), MPH, Diplomstudiengang Health Care Engineering an der FH JOANNEUM, Studium Public Health an der Meduni Graz, arbeitet seit 2011 am AIT Austrian Institute of Technology GmbH, Center for Health & Bioresouces, Digital Health Information Systems. Ihr Fokus liegt auf der Umsetzung von Digital Health Lösungen in der Versorgung im Rahmen von Kunden- und Forschungsprojekten und Verfassen von kompetitiven Projektanträgen zum Thema Digital Health, sowie Konzeption von digitalen Lösungen der integrierten Versorgung mit Fokus auf Public Health.

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