Catch me if you can: Obersteirer fälschte Urkunden und arbeitete als Arzt in Spital

Lesedauer beträgt 3 Minuten
Autor: Scho

Ein 34-jähriger Obersteirer hat sich offenbar mehrmals mit gefälschten Dokumenten als Arzt und als Ingenieur ausgegeben. In allen Fällen flog der Mann auf, in einem Spital nach sechs Diensttagen. Er gestand bei der Polizei die Urkundenfälschungen, wollte sich aber nicht damit bereichern. Vielmehr soll der Druck von Verwandten, eine erfolgreiche Ausbildung vorzuweisen, ihn zu den falschen Angaben und Jobbewerbungen bewegt haben, hieß es am Montag in der Aussendung der Polizei.

Erstmals aufgeflogen ist der Mann aus dem Bezirk Bruck-Mürzzuschlag im Frühjahr 2023. Er hatte sich mit einer gefälschten Promotionsurkunde einer österreichischen medizinischen Fakultät sowie einem ebenfalls gefälschten Reifeprüfungszeugnis einer höheren Schule bei der Ärztekammer vorgestellt und eine Anstellung als Arzt angestrebt. Die Falsifikate wurden von der Kammer nicht erkannt und so durfte er im Juni 2023 eine Anstellung als Arzt in Basisausbildung am LKH Knittelfeld antreten.

Der Verdächtige war insgesamt sechs Tage im Krankenhaus im Dienst, durfte jedoch laut Auskunft des Krankenhausbetreibers keine selbstständigen Tätigkeiten – ohne Aufsicht eines erfahrenen Mediziners – an Patienten durchführen. Allerdings hätte es bei einem Notfall auch vorkommen können, dass der 34-Jährige selbstständige Untersuchungen an Patienten inklusive notwendiger medizinischer Entscheidungen vornehmen hätte müssen, wurde betont.

Sanitäter schöpften Verdacht

Ein tatsächlicher Schaden an Patientinnen oder Patienten war jedoch nicht eingetreten, denn es gab rasch Verdachtsmomente. Der vermeintliche Arzt war schon vorher einige Zeit als Rettungssanitäter aktiv gewesen. Ehemaligen Kollegen fiel auf, dass der Mann im Krankenhaus als „Arzt“ unterwegs war. Sie schöpften Verdacht, da niemand etwas von seinem Medizinstudium gewusst hatte. Sie informierten ihren Vorgesetzten, der die Information an den Krankenhausbetreiber weitergab. „Eine interne Überprüfung ergab die Tatsache, dass der 34-Jährige niemals ein Medizinstudium abgeschlossen hatte. Er wurde umgehend gekündigt“, hieß es in der Aussendung der Polizei.

Nach der Kündigung im Krankenhaus ging der 34-Jährige, der zuvor schon als Milizsoldat als Sanitäter im Einsatz war, in seiner Milizuniform mit Offiziers-Rangabzeichen und einem Arzt-Funktionsabzeichen in die Kaserne St. Michael in Obersteiermark. Auch dort legte er die gefälschte Promotionsurkunde dem Personalbüro des Bundesheeres vor. Offizieren fiel aber die vermeintliche Beförderung des Mannes auf, eine sofortige Überprüfung bestätigte die fälschlichen Angaben des Verdächtigen.

Bei den Erhebungen des Landeskriminalamts Steiermark, Außenstelle Niklasdorf, stellte sich heraus, dass sich der Verdächtige schon im Jahr 2020 als Absolvent einer höheren Bundeslehranstalt für Forstwirtschaft mit der Qualifikationsbezeichnung „Ingenieur“ ausgegeben hatte. Er führte den Titel auch in amtlichen Schriftstücken, obwohl er diese Schule niemals besucht hatte.

Bei der Vernehmung gestand der 34-Jährige sämtliche Fälschungen und sprach von Druck seiner Verwandten. Weder vom Krankenhausbetreiber noch vom Bundesheer wurde dem Obersteirer Gehalt ausbezahlt, wodurch es zu keinem finanziellen Schaden kam.

(APA/red.)

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