Darmgesundheit: Neue Aufklärungsoffensive

Lesedauer beträgt 4 Minuten
Autor: Scho

Viele ÖsterreicherInnen sind von Darmerkrankungen unterschiedlichster Art betroffen. Das Spektrum von Erkrankungen im Verdauungstrakt ist breit: Von Nahrungsmittelunverträglichkeiten über akute Darminfekte bis hin zu Chronisch Entzündlichen Darmerkrankungen (CED) oder sogar lebensbedrohlichen Tumoren. Wie können Erkrankungen vermieden oder schnell diagnostiziert werden? Wie unterscheiden sie sich voneinander? Wohin können sich Betroffene wenden? Welche Möglichkeiten bietet die allgemeine Gesundheitsversorgung? Genau diesen Einblick über die abgestimmte und vernetzte gastroenterologische Gesundheitsversorgung gaben Experten am „1. MY LIFE-Infotag für Darmgesundheit“ in Linz – der Auftakt einer Österreichtournee.

Komplexität der Erkrankungen erfordert viel Erfahrung

Darmerkrankungen präsentieren sich in einer Vielzahl von klinischen Erscheinungen. Sie variieren jedoch stark hinsichtlich ihrer Ursachen und Verlaufsformen. Akutes Auftreten ist oft auf infektiöse Ursachen wie Viren, Bakterien oder Nahrungsmittelintoleranzen zurückzuführen. Chronische Erkrankungen wie beispielsweise Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa hingegen, sind oft lebenslange entzündliche Krankheitsgeschehen. Die Symptome gastrointestinaler Störungen sind divers: von Sodbrennen oder Übelkeit zu wiederholten oder regelmäßigen Bauchschmerzen, gesteigertem Stuhldrang bis zu Diarrhoe.

Auch Begleiterscheinungen an Haut, Augen oder Schleimhäuten können Indizien für eine Erkrankung des Darmtraktes sein. Starke, anhaltende Schmerzen oder Blut im Stuhl sollten jedoch unverzüglich durch DarmspezialistInnen abgeklärt werden. Eine frühe Diagnose kann hier sehr vorteilhaft für den Krankheitsverlauf und die weitere Behandlung sein.

Alexander Moschen, PhD, Vorstand des Kepler Universitätsklinikums Linz: „…versuchen, sowohl innerhalb der Spitalslandschaft als auch im niedergelassenen Bereich Bewusstsein und Wissen aufzubauen“

„Als GastroenterologInnen sehen wir unsere Aufgabe darin, die diversen Beschwerdebilder richtig einzuordnen und den PatientInnen rasch Hilfe anzubieten, was bei der Breite und Komplexität an Erkrankungen viel Erfahrung benötigt“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Alexander Moschen, PhD, Vorstand des Kepler Universitätsklinikums Linz für Innere Medizin mit Schwerpunkt Gastroenterologie/Hepatologie und Leiter der Arbeitsgruppe CED der Österreichischen Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie (ÖGGH). „Wir agieren am Kepler Uniklinikum als Kompetenzzentrum für ganz Oberösterreich und darüber hinaus und versuchen, sowohl innerhalb der Spitalslandschaft als auch im niedergelassenen Bereich Bewusstsein und Wissen aufzubauen“, ergänzt Prof. Moschen. So wird neben der Netzwerkpflege mit HausärztInnen vor allem auf medizinische und pflegerische Spezialfortbildung gesetzt. Der österreichweit agierende Pflegeverband „CED-Nursing Austria“ bietet beispielsweise eine umfassende Weiterbildung für diplomiertes Pflegepersonal an.

Immer wiederkehrende Symptome und häufig lebenslange Einschränkungen im Alltag stellen Chronisch Entzündliche Darmerkrankungen (CED) dar. Unter dem Begriff CED werden die beiden Erkrankungsbilder Morbus Crohn und Colitis ulcerosa zusammengefasst. Sie führen zu Beschwerden im Verdauungstrakt, die äußerst belastend sein können. Rund 60.000 bis 80.000 Personen sind in Österreich davon betroffen. Ein wesentlicher Prognosevorteil für den Krankheitsverlauf ist bei einem Verdacht auf CED eine rasche Diagnose. Je eher diese erfolgt und eine zielgerichtete Therapie eingeleitet wird, desto geringer sind mögliche Spätfolgen wie Darmverschlüsse, chirurgische Eingriffe und Langzeitkomplikationen durch die Erkrankung. Es ist zu betonen, dass die Begleitung von CED-Patient:innen viel Erfahrung und umfassendes Detailwissen erfordert.

Serviceplattform CED-Kompass startet österreichweite Tour

Um Betroffenen von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa Orientierung zu geben, bietet die Serviceplattform CED-Kompass der Österreichischen Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung (ÖMCCV) bereits seit 5 Jahren ein breit gefächertes Serviceangebot für CED-PatientInnen. Um die diversen Services wie die CED-Helpline, Webinare, Newsletter, Podcast oder Info-Broschüren noch bekannter zu machen, startet der CED-Kompass nun eine großangelegte Informationskampagne in ganz Österreich.

Evelyn Groß, Präsidentin der Österreichischen Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung (ÖMCCV): „Vor allem im ländlichen Raum benötigt es mehr versierte AnsprechpartnerInnen“

„Es ist uns einerseits ein Anliegen, auf die Stigmata von Menschen mit Darmbeschwerden hinzuweisen. Andererseits versuchen wir durch gezielte Netzwerkarbeit die Gesundheitspolitik von der Wichtigkeit einer guten Darmvorsorge und Darmversorgung zu überzeugen. Vor allem im ländlichen Raum benötigt es mehr versierte AnsprechpartnerInnen“, erläutert Ing.in Evelyn Groß, Präsidentin der Österreichischen Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung (ÖMCCV), eines der vielen Ziele hinter der Eventreihe. „Es wäre zudem wünschenswert, dass die Gesundheitspolitik Services innovativer Patient:innen-Anlaufstellen mehr fördern würde“, äußert sich Evelyn Groß.

Initiator der „MY LIFE-Infotage zur Darmgesundheit“ ist die PatientInnen-Initiative CED-Kompass. Der CED-Kompass ist Österreichs größte Info- und Serviceplattform für Betroffene von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Information, Aufklärung und Bewusstseinsbildung für Chronisch Entzündliche Darmerkrankungen (CED) sind die wesentlichen Anliegen des CED-Kompass.

Zum CED-Kompass geht es hier.

(OTS/red.)

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