Defekte Verhütungsspirale - Klagen gegen Republik und Hersteller

Lesedauer beträgt 3 Minuten
Autor: Scho

Eigenen Angaben zufolge mehr als 2.000 Frauen aus Österreich haben sich beim Verbraucherschutzverein (VSV) gemeldet, die durch defekte Verhütungsspiralen des spanischen Herstellers Eurogine zu Schaden gekommen sein sollen. Mehrere Verfahren sind bei österreichischen Gerichten bereits anhängig. VSV und ein Prozessfinanzierer bereiten nun weitere Massenklagen gegen die Republik und den Hersteller vor, berichtete der Verein.

Bei einer Reihe der Spiralen wurden Materialfehler entdeckt, die zu dem Bruch der Seitenarme führen können. Bereits im Frühjahr 2018 bekam der Hersteller die ersten Beschwerden. Die Folge war eine Rückrufaktion bestimmter Lots. 2019 warnten die Gesundheitsämter in vielen Ländern, unter anderem Deutschland oder Frankreich. Erst Ende September 2020 hat dann auch das österreichische Bundesamt für Sicherheit (BASG) im Gesundheitswesen Fachärzten empfohlen, Verwenderinnen der betroffenen Produkte zu einer Kontrolluntersuchung einzuladen.

Der VSV hat bereits für Frauen, die Deckung durch eine Rechtsschutzversicherung bekommen haben, über 100 Klagen eingebracht bzw. sind solche in Vorbereitung. In allen Bundesländern sind Rechtsanwältinnen damit beschäftigt, bei Bezirksgerichten gegen Eurogine Verfahren zu führen, informierte der Verein am Freitag. „Der VSV bietet zusammen mit dP Der Prozessfinanzierer GmbH nun all jenen Frauen, die keine Rechtsschutzdeckung haben, an einen Prozessfinanzierungsvertrag zu schließen: Der Finanzierer übernimmt das Prozesskostenrisiko, bekommt aber 35 Prozent des Erlöses aus Urteilen oder Vergleichen,“ kündigte Peter Kolba, Obmann des VSV, nun an.

Medizinproduktegesetz erlaubt Einzelklagen

„Wir werden diese Klage auch gegen die Republik Österreich einbringen, da das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen die Rückrufaktion die längste Zeit verschwiegen hat“, betonte Kolba. „Eine rechtzeitige Warnung hätte eine rechtzeitige Entfernung der fehlerhaften Spiralen ermöglicht.“

Bereits im Jänner gab es ein Berufungsurteil in der Causa. Das Oberlandesgericht (OLG) Wien hob laut VSV das Ersturteil in einem Amtshaftungsverfahren wegen Fehler des BASG auf und stellt fest, dass das Medizinproduktegesetz sehr wohl auch Einzelne schützt und die daher Ansprüche geltend machen können. Der Oberste Gerichtshof (OGH) muss sich mit der Frage einer möglichen Amtshaftung im Zusammenhang mit defekten Verhütungsspiralen des spanischen Herstellers Eurogine befassen. Laut einer OGH-Sprecherin sind derzeit „noch mehrere Verfahren anhängig“ und noch nicht entschieden.

Zum verbraucherschutzverein geht es hier.

(APA/red.)

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Resistente Bakterien etablieren sich jahrelang in Spitälern
Krankenhauskeime

Resistente Bakterien etablieren sich jahrelang in Spitälern

Nach vermehrten, länger dauernden Ausbrüchen in einem oberösterreichischen Spital sequenzierten Experten der Agentur für Ernährungssicherheit und Gesundheit (AGES) Keime und konnten die Ursachen identifizieren. Gegenmaßnahmen waren erfolgreich.

Verleihung der „Kinaesthetics- Auszeichnung“ an die Gailtal-Klinik und das LKH Laas

Verleihung der „Kinaesthetics- Auszeichnung“ an die Gailtal-Klinik und das LKH Laas

In der Gailtal-Klinik und im LKH Laas werden mit Hilfe der „Kinaesthetics“ Mitarbeiter, Patienten und Angehörige in ihrer Selbstbestimmung über ihre Gesundheit gestärkt. 2014 wurde den beiden Spitälern als erste Österreichs die Auszeichnung der European Kinaesthetics Association erstmals verliehen. Nun erfolgte die dritte Rezertifizierung. Die Übergabe fand am 31. März 2022 statt.

Jährlich 1,3 Millionen Tote durch resistente Erreger

Jährlich 1,3 Millionen Tote durch resistente Erreger

Das Phänomen wird auch als "stille Pandemie" bezeichnet, machte Gesundheitsminister Johannes Rauch am Freitag zum Europäischen Antibiotikatag aufmerksam. In Österreich gibt es einen Nationalen Aktionsplan zur Antibiotikaresistenz - und der zeigt Resultate..