Diskussion über Bericht der Wiener Patientenanwaltschaft

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Autor: Scho

Der Bericht der Wiener Pflege- und Patientenanwaltschaft (WPPA) für das Jahr 2022 ist noch nicht veröffentlicht, doch schon jetzt gibt es Diskussionen darüber. Wie die „Kronen Zeitung“ am Donnerstag berichtete, soll demnach eine Häufung von Gefährdungsanzeigen auf Personalprobleme in Wiener Kliniken hindeuten. Die WPPA verwies gegenüber der APA darauf, dass der Bericht erst nach der Präsentation im Landtag kommende Woche veröffentlicht werden darf.

Erst danach werde „zu den im Bericht überdies aufgezeigten strukturellen Mängeln und den daraus abgeleiteten Empfehlungen“ Stellung genommen. Die Wiener Ärztekammer sah sich in ihren Befürchtungen aber bereits bestätigt. „Jetzt haben wir es schwarz auf weiß, wovor wir als Ärztekammer seit Monaten warnen: Die Patientenanwaltschaft bestätigt in ihrem Jahresbericht 2022 die Wiener Spitalsmisere“, hieß es in einer Aussendung. „Was von Stadt und WiGev (Wiener Gesundheitsverbund, Anm.) als ‚Getöse der Ärztekammer‘ abgetan wurde, stellt nun auch die Patientenanwaltschaft fest.“ Der Wiener Patientenanwalt Gerhard Jelinek betonte in einer an die APA übermittelten Stellungnahme, dass der Bericht erst am kommenden Mittwoch veröffentlicht werde und auf der der Homepage der WPPA für jeden einsehbar sei. „Offensichtlich ist er schon jetzt an ein Medium weitergegeben worden.“

Laut „Kronen Zeitung“, die aus dem Bericht der Wiener Pflege- und Patientenanwaltschaft zitiert, hätte der Wiener Gesundheitsverbund im vergangenen Jahr öfter versucht, die Gefährdungsanzeigen der Belegschaft unter anderem der Klinik Ottakring, Klinik Floridsdorf sowie Favoriten und dem AKH als „übertriebene Aktionen“ zu relativieren. Die Klinik Ottakring hatte gestern etwa für den 30. Juni einen Warnstreik angekündigt. Kritisiert werden vonseiten des Krankenhauses die Arbeitsbedingungen im Gesundheitsbereich. Gefordert werden mindestens 20 Prozent mehr ärztliches Personal für die Abteilung oder auch eine „deutliche Anhebung“ der Zulage der Zentralen Notaufnahme, „um die psychisch und physisch belastende Arbeit in einer Notaufnahme adäquat abzugelten“, wie es hieß. Auch eine „faire Verteilung“ der Rettungszufahrten auf alle Notaufnahmen Wiens, angepasst an den Personalstand und die tatsächlichen Bettenkapazitäten, wird urgiert.

Mit Herzinfarkt nach Huse geschickt, bei der Dialyse verblutet

Laut „Kronen Zeitung“ würde die Häufung der Anzeigen in Kombination mit Bettenschließungen und OP-Verschiebungen auf ernsthafte Personalprobleme hindeuten, soll die WPPA in ihrem Bericht schreiben. Dort sollen exemplarisch jene Beschwerden ausgewählt worden seien, die auf einen Zusammenhang mit Ressourcenproblemen oft in Verbindung mit Kommunikationsschwächen hindeuten. Laut „Krone“ wurden da etwa in Ambulanzen die mangelnde telefonische Erreichbarkeit sowie Betreuungsdefizite während des Wartens kritisiert. Als Beispiel wurde ein 31-Jähriger thematisiert, der trotz Schmerzen in der linken Brust mit der Diagnose Muskelverspannung bzw. Nervenschmerzen wieder nach Hause geschickt wurde. Wenig später erlag der Mann einem Herzinfarkt. Eine 53-Jährige verblutete bei der Dialyse, weil die Drehverriegelung nicht korrekt durchgeführt wurde. Das gewaschene Blut floss nicht zurück in den Körper, sondern auf den Boden. Die Frau erlitt einen Hirnschaden aufgrund des Blutverlustes und starb.

„Die im Tätigkeitsbericht – wie schon in den vergangenen Jahren – dargestellten Einzelfälle dienen nicht dazu, die derzeit breit diskutierten Personalprobleme zu veranschaulichen, sondern dazu, die Tätigkeit der WPPA im Zusammenhang mit individuellen Behandlungsfehlern und die dabei für die Patientinnen und Patienten oder ihre Angehörigen erzielten Entschädigungen darzulegen“, betonte Patientenanwalt Jelinek gegenüber der APA.

(APA/red.)

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