Enzymblocker erfolgreich in Behandlung seltener Krebserkrankungen

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Autor: Scho

Hinter Krebserkrankungen stecken oft Treiber-Mutationen, welche das Wachstum der bösartigen Zellen fördern. Diese Erbgutveränderungen finden sich oft organübergreifend bei verschiedenen Krebserkrankungen. Ein internationales Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mit österreichischer Beteiligung hat jetzt belegt, dass bestimmte Enzymblocker bei einer ganzen Reihe von genetisch ähnlichen bösartigen Erkrankungen erfolgreich eingesetzt werden können.

„Der RAS/RAF/MEK/ERK-Mechanismus (auch MAPK-Signalweg genannt; Anm.) ist eine entscheidende Signalkaskade in der Krebsbiologie. Dieser Signalweg spielt eine Rolle im Zellwachstum, Zellwanderung, Überleben, im Wachstum von Blutgefäßen und in der Regulierung des Zellzyklus“, schrieben vor kurzem Vivek Subbiah vom MD Anderson Krebszentrum in Houston (US-Bundesstaat Texas) und seine Co-Autoren, unter ihnen der Wiener Onkologe Christoph Zielinski in „Nature Medicine“.

Die wichtigste Treiber-Mutation des MAPK-Signalwegs wird als BRAFV600E bezeichnet. Solche Mutationen werden bei sieben bis 15 Prozent aller Krebserkrankungen festgestellt, bei der Haarzellleukämie sogar in bis zu hundert Prozent der Gewebeproben, ebenso bei 40 bis 70 Prozent der Melanome, oder 35 Prozent der Fälle von Eierstockkrebs sowie bei ein bis drei Prozent nicht-kleinzelliger Lungenkarzinome. In den vergangenen Jahren wurde eine Kombination aus den zwei Enzymblockern Dabrafenib und Trametinib als zielgerichtete Therapieform bei Vorliegen von BRAF-Mutationen von den Arzneimittelbehörden zugelassen. Die Frage blieb aber, ob man damit auch einen positiven Effekt bei verschiedenen seltenen Krebserkrankungen erzielen kann.

Probanden mit fortgeschrittener Erkrankung

In die Studie mit teilnehmenden Zentren unter anderem in den USA, Frankreich, Deutschland, Japan, den Niederlanden und Österreich (MedUni Wien) wurden insgesamt 206 Patienten mit anaplastischen Schilddrüsentumoren, Gallengangskarzinomen, gastrointestinalen Struma-Tumoren, Adenokarzinomen des Dünndarms, zwei verschiedenen Arten von Gehirntumoren (Gliome), Haarzellleukämie und Multiplem Myelom aufgenommen. Es handelte sich um Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung, die bereits andere Therapien erhalten hatten. Im Mittel bekamen sie schließlich im Mittel rund ein Jahr lang die Kombinationstherapie mit den beiden Arzneimitteln, welche ganz gezielt bei Vorliegen der BRAFV600E-Mutation wirken.

Die Ergebnisse aus dieser Basket-Studie – darunter verstehen die Experten klinische Untersuchungen mit Patientengruppen mit verschiedenen Erkrankungen – sprechen für die Kombinationstherapie. Bei vier der insgesamt sieben Krebserkrankungen zeigte sich ein Ansprechen auf die Therapie bei etwa der Hälfte der Beahndelten, darunter bei 89 Prozent der Kranken mit einer Haarzellleukämie. Die mittlere Überlebenszeit ohne Fortschreiten der Erkrankung lag je nach Erkrankung zwischen 5,5 und 9,5 Monaten. Die mittlere Gesamtüberlebenszeit in fünf dafür auswertbaren Patientengruppen betrug zwischen 13,5 und 33,9 Monate (Multiples Myelom).

„Ermutigende Wirkung“

Die Autoren zogen folgende Schlussfolgerung: „Die ermutigende Wirkung von Dabrafenib plus Trametinib bei BRAFV600E-mutierten seltenen Tumorerkrankungen unabhängig von der Lokalisation des Tumors deuten darauf hin, dass dies eine viel versprechende Behandlung für manche der Patienten darstellen könnte.“

Dass die genetische Charakterisierung von Tumoren immer wichtiger wird, beweist auch eine Studie, an der Zielinski ebenfalls als Co-Autor aufscheint und die am vergangenen Freitag in Clinical Cancer Research erschienen ist. In der wissenschaftlichen Untersuchung zeigte sich, dass offenbar zwei Gene (CCNE1 und PLK1) bei Frauen mit hormonrezeptor-positivem Brustkrebs ohne das Charakteristikum von zu viel gebildeten Rezeptoren für einen Wachstumsfaktor (HER2-negative Tumoren) eine Resistenz gegen in solchen Fällen seit wenigen Jahren eingesetzte Medikamente (Cyklin-abhängige-Kinase-Inhibitoren) verursachen.

Die Studie finden sie hier.

Die Brustkrebs-Studie finden Sie hier.

(APA/red.)

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