Gift hilft gefährlichen Bakterien bei der Abwehr von Immunzellen

Lesedauer beträgt 1 Minuten
Autor: Scho

Forschende der Universität Freiburg haben einen Mechanismus entdeckt, mit dem gefährliche Bakterien die menschliche Immunabwehr schwächen. Sie nutzen das Gift Cyanwasserstoff als Schutzschild. Diese Entdeckung könnte neue Therapieansätze gegen resistente Keime ermöglichen.

Das Bakterium Pseudomonas aeruginosa nutze Cyanwasserstoff, um die angeborene Immunantwort zu schwächen, teilte die Universität Freiburg am Donnerstag mit. Die Ergebnisse der Studie wurden im „Journal of Infectious Diseases“ veröffentlicht.

Pseudomonas aeruginosa ist ein häufiger Erreger von Spitalinfektionen, insbesondere bei immungeschwächten Patientinnen und Patienten. Das Bakterium ist bekannt für die Entwicklung von Antibiotikaresistenzen. Zukünftige Therapien könnten daher bestehende Antibiotika ergänzen, indem sie die natürlichen Abwehrkräfte des Körpers stärken.

Ein Forschungsteam unter der Leitung von Csaba Szabó und Patrice Nordmann zeigte, dass das von Pseudomonas aeruginosa produzierte Gift den Bakterien half, Angriffe von Immunzellen zu überleben. Als die Forschenden die Cyanidproduktion genetisch ausschalteten, wurden die Bakterien deutlich anfälliger für die Zerstörung durch Fresszellen, sogenannte Makrophagen.

In weiteren Versuchen verstärkten Verbindungen, die Cyanid neutralisieren, die Fähigkeit der Immunzellen zur Beseitigung der Bakterien. Dazu gehörten auch Derivate von Vitamin B12. In Tiermodellen führte dies zu einer deutlich geringeren Bakterienlast im infizierten Gewebe.

„Blausäure ist nicht nur ein toxisches Nebenprodukt des bakteriellen Stoffwechsels, sondern ein echter Virulenzfaktor, der Bakterien hilft, Immunangriffen zu widerstehen“, ließ sich Szabó in der Mitteilung zitieren. Die gezielte Hemmung oder Neutralisierung von Cyanid könne eine völlig neue Strategie sein, um das Immunsystem zu unterstützen.

Künftige Therapien, die auf der Bindung von Cyanid basieren, könnten die natürlichen Abwehrkräfte des Körpers stärken und die Beseitigung der Bakterien verbessern, schreiben die Forschenden. Sie könnten bestehende Antibiotika ergänzen und zur Bekämpfung von Infektionen beitragen, die zunehmend schwer zu behandeln seien.

Die Fachpublikation finden Sie hier.

(APA/sda/red.)

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

REHAB 2022: Die Messe im Überblick

REHAB 2022: Die Messe im Überblick

Am 23. Juni öffnet die REHAB Karlsruhe als eine der weltweit bedeutendsten Fachmessen für Rehabilitation, Therapie, Pflege und Inklusion wieder ihre Tore. Nach der Corona-bedingten Pause kommen rund 350 Ausstellende aus 18 Ländern nach Karlsruhe.

Studie bestätigte Wirksamkeit von Test zur Gebärmutterkrebs-Diagnose

Studie bestätigte Wirksamkeit von Test zur Gebärmutterkrebs-Diagnose

Mit dem Standardverfahren als auch mit dem neuen Test, bei dem ein Abstrich genommen wird, wurde die gleiche Anzahl von Krebsfällen (91 Prozent) erkannt. Im Vergleich zum Standardverfahren (Ultraschall) hätte der Test jedoch 90 Prozent der operativen diagnostischen Verfahren eingespart, hieß es.

Paul-Watzlawick-Ehrenring 2022 an Ruth Wodak verliehen

Paul-Watzlawick-Ehrenring 2022 an Ruth Wodak verliehen

Österreichische Sprachsoziologin und kritische Diskursforscherin erhielt renommierte Wissenschaftsauszeichnung der Wiener Ärztekammer.