Finanzierung von 6,9 Millionen Euro für Sepsis-Forschung

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Autor: Scho

Der 13. September ist Welt-Sepsis-Tag. Jedes Jahr sterben in der Europäischen Union über 600.000 Menschen an bakterieller Blutvergiftung, oder Sepsis. Überlebende von Sepsis kämpfen oft mit sekundären und begleitenden Erkrankungen aufgrund einer Beeinträchtigung des Immunsystems, der sogenannten „Immunsuppression“. HORIZON EUROPA finanziert daher ein neues Projekt mit rund 6,9 Millionen Euro. Das Projekt vereint WissenschaftlerInnen aus 6 Ländern, um die zellulären und molekularen Mechanismen zu erforschen, die diese Immunsuppression bei Überlebenden von Sepsis verursachen. Priv.-Doz. Dr. Marcin Osuchowski und sein Sepsis-Trauma-Schock-Team am Ludwig Boltzmann Institute for Traumatology, dem Forschungszentrum in Zusammenarbeit mit der AUVA, vertreten Österreich in dem Projekt.

Wenn das Immunsystem nicht in der Lage ist, eine Infektion einzudämmen oder „überschießt“ und eine übermäßige Entzündungsreaktion gegen eine Infektion auslöst, können Organ- und Gewebeschäden auftreten. Dieses Phänomen, bekannt als Sepsis oder Blutvergiftung, hat schwerwiegende Folgen, einschließlich multiplem Organversagen und potenziell tödlichem septischem Kreislaufversagen, wenn es nicht rechtzeitig und effektiv behandelt wird. Weltweit sind jährlich fast 50 Millionen Menschen von Sepsis betroffen.

Marcin Osuchowski und sein Team vertreten Österreich in dem internationalen Projekt: „Die molekularen Mechanismen, die eine Immunsuppression verursachen, sind vielfältig, interagieren miteinander und verändern sich im Verlauf einer Sepsis sehr dynamisch. „

Überlebende von Sepsis leiden oft an einem beeinträchtigten Immunsystem, was zu Folgeerkrankungen führen kann. „Die molekularen Mechanismen, die eine Immunsuppression verursachen, sind vielfältig, interagieren miteinander und verändern sich im Verlauf einer Sepsis sehr dynamisch. Daher ist ein passender diagnostischer Fingerabdruck ein Muss, um PatientInnen, bei denen das Risiko einer Immunsuppression besteht, effektiv zu identifizieren und proaktiv zu versorgen. Ein solcher Fingerabdruck wird ein lebensrettendes Instrument sein und wir zielen darauf ab, ihn zu entwickeln und an das Patientenbett zu bringen“, erklärt Prof. Dr. Marcin Osuchowski, der am Ludwig Boltzmann Institut für Traumatologie (kurz „LBI Trauma“) in Wien arbeitet.

Dies ist der Fokus von „BEATSep – Internationales Konsortium für Überlebende von Sepsis“. WissenschaftlerInnen aus der Tschechischen Republik, der Slowakei, Irland, Österreich, Frankreich und Deutschland haben sich diesem Konsortium angeschlossen, das von einem Forschungsteam am Internationalen Zentrum für klinische Forschung am St. Anne’s University Hospital in Brünn (Tschechische Republik) gegründet wurde.

Auf der Suche nach Signalmoleküle im Immunsystem

Das LBI Trauma, angesiedelt am Traumazentrum Wien, Standort Lorenz Böhler, wird im Forschungskonsortium eine entscheidende Rolle spielen. LBI Trauma soll die zentrale Luminex-Einrichtung zur Messung löslicher Biomarker im Blut septischer Patienten werden. Luminex ist ein hochentwickeltes und hochempfindliches Laborverfahren, das es Forschenden ermöglicht, mehrere Substanzen in einer einzigen Probe zu erkennen und zu quantifizieren, ähnlich wie ein Multifunktionsscanner verschiedene Arten von Barcodes lesen kann. Im Rahmen dieser Funktion wird LBI Trauma Dutzende von Zytokinen untersuchen, bei denen es sich um wichtige Signalmoleküle im Immunsystem handelt. Das Institut stellt außerdem sein herausragendes Fachwissen zum Verständnis der Dynamik der humoralen Marker der Sepsis in verschiedenen Phasen der Erkrankung zur Verfügung – ein Wissen, das für die genaue Überwachung und Diagnose unerlässlich ist.

Darüber hinaus übernimmt LBI Trauma auch die entscheidende Verantwortung für die Verbreitung der Projektergebnisse. Durch die breite Verbreitung der Ergebnisse und den offenen Dialog mit Interessengruppen – Ärzten, Gesundheitsdienstleistern und allen, die an der Entwicklung von Behandlungen und Interventionen für Sepsis beteiligt sind – wird LBI Trauma erheblich dazu beitragen, die Wirkung dieser Forschung zu maximieren und die Qualität der Versorgung von Sepsis-Patienten zu verbessern.

Weitere Informationen finden Sie hier.

(OTS/red.)

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